Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Grundwasser: Mehr Kontrolle bei Landwirten

Unscheinbare Technik: Messstelle an einem Feldbrunnen.
Unscheinbare Technik: Messstelle an einem Feldbrunnen.

Das Trinkwasser wird rarer: Künftig wird sich in der Südpfalz weniger Grundwasser neu bilden. Deshalb werden Beregnungsanlagen der Landwirte künftig besser überwacht.

Weniger Schnee, unter dessen Decke Wasser langsam in den Boden sickert, heftige Regenfälle im Sommer, die schnell abfließen – das sind die Gründe, warum es künftig auch in der Südpfalz weniger Trinkwasser geben wird. Die Neubildungsrate wird um bis zu 30 Prozent sinken, so das neueste Modell. Grund genug, die landwirtschaftlichen Beregnungsanlagen genauer in den Blick zu nehmen, so Hannes Kopf (SPD), Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) in Neustadt. Mit einem bundesweiten Pilotprojekt in Raum Hochstadt-Zeiskam wurde jetzt ein Anfang gemacht.

Anzeige einer digitalen Zählstelle an einem Feldbrunnen.
Anzeige einer digitalen Zählstelle an einem Feldbrunnen.

Ergebnisse der Auswertung

Acht Beregnungsbrunnen wurden dort mit digitaler Messtechnik ausgestattet. Das Projekt läuft über zwei Jahre, für die Beregnungssaison 2022 liegt jetzt die Auswertung vor. Sie zeigt zwei Ergebnisse:

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Klarheit schaffen

– Die Grundwasserstände werden im Projektgebiet durch die Beregnung nicht dauerhaft verändert. Schon in den Brunnen selbst sind die Wasserstände nach dem Ende der Beregnung bis Dezember wieder auf den Stand vom Frühjahr angestiegen. Das belegen dem Projekt-Zwischenbericht zufolge auch die Ganglinien der im Bereich Hochstadt-Zeiskam eingerichteten Grundwasser-Messstelle. Mit ihr werden Grundwasserleiter in verschiedenen Tiefen gleichzeitig beobachtet. „Die hier seit Juli 2015 beobachteten Grundwasserstände ergeben keine Hinweise auf eine Speicherentleerung“, heißt es im Bericht.

– Die digitale Messtechnik funktioniert. Das gilt in einem so frühen Stadium natürlich nur grundsätzlich. Nicht an allen Brunnen verliefen die Messungen ohne technische Probleme, vor allem dort, wo Neuland betreten wurde.

Ohne Wasser wächst nichts, das gilt vor allem für junge Kulturen.
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Grundwasser-Stand nicht beeinträchtigt

„Wir sehen keine nachhaltige Beeinträchtigung der Grundwasserstände“, hält SGD-Präsident Kopf fest. Weil sich aber künftig weniger Grundwasser neu bilden wird, müssten dennoch die Genehmigungen zur Wasserentnahme künftig fortlaufend überprüft werden. Die Fragen werden sein: „Können neue Brunnen genehmigt werden oder andere weiter laufen wie bisher“, sagt Kopf.

Für solche Entscheidungen müsse eine Datengrundlage geschaffen werden. Das sei mit dem Einsatz digitaler Messtechnik möglich. Das bisherige System – die Landwirte führen Buch über ihren Verbrauch und melden ihn, Beamte überprüfen Stichproben – ist für einen verlässlichen Überblick jedenfalls nicht geeignet.

Landwirte verbrauchen 6,18 Millionen Liter Wasser

Die erlaubte Jahresentnahmemenge in der Südpfalz beträgt für die öffentliche Trinkwasserversorgung 23,97 Millionen Kubikmeter, für die Industrie- und Gewerbebetriebe 3,28 Millionen Kubikmeter und für die landwirtschaftliche Beregnung und sonstige Bewässerung 6,18 Millionen Kubikmeter. Dies ergab 2022 eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Martin Brandl (CDU) bei der Mainzer Landesregierung. Der größte Einzelverbraucher ist die Pfälzer Erfrischungsgetränke GmbH in Wörth mit 1,5 Millionen Kubikmeter jährlich.

Bisher zahlen die Landwirte für das Wasser nichts. Bei der geplanten Einführung eines Wasserentgelts für landwirtschaftliche Bewässerung sollen dem ersten Entwurf zufolge nicht nur Beregnungsverbände einen Rabatt erhalten, sondern auch die Landwirte, die eine digitale Meßstelle betreiben, so Kopf. Wasserentgelte erheben bisher nur die Bundesländer Saarland, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, dies aber teilweise schon seit Jahrzehnten. Große Unterschiede gibt es bei den Preisen, die im Saarland teilweise bei 0,7 Cent und in Sachsen-Anhalt bei 2 Cent pro Kubikmeter liegen. In Rheinland-Pfalz soll das geplante Gesetz Anfang 2024 in Kraft treten. Für einen Kubikmeter Grundwasser sollen dann 6 Cent, für einen Kubikmeter Oberflächenwasser 2,4 Cent fällig werden.

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