Corona-Krise
Weniger Gäste in Restaurants – Warum die Jäger trotzdem nicht weniger Wild schießen
Die Schonzeit für Hirsche und Alttiere bei Rot- und Damwild geht allmählich zu Ende. Die Jagd auf diese Tiere beginnt nach und nach im August und geht dann bis in den Januar. Das meiste Wild wird im Oktober geschossen. Und das wird auch 2020 wieder der Fall sein, obwohl die Nachfrage nach Wildfleisch seitens der Restaurants geringer ausfallen wird. Wegen Corona-Hygiene-Vorschriften haben viele Gaststätten nur eingeschränkten Betrieb und sind froh, die Standards ihrer Speisekarte anbieten zu können.
Auf Wild-Spezialitäten werden sie wohl eher verzichten. Und dennoch: Die Abschusszahlen, die zum Beispiel die untere Jagdbehörde des Landkreises Germersheim festlegt, wurden aufgrund von Corona dieses Jahr nicht verändert. „Wir können einen großen Erfolg in den Abschusszahlen des Schwarzwildes verzeichnen“, sagt der Germersheimer Kreisjagdmeister Jochen Geeck. „Im Vergleich zu den Vorjahren sind sie im ersten Quartal trotz Corona sogar gestiegen.“ Was aber passiert mit dem erlegten Wild, wenn die Restaurants weniger abnehmen?
Schwarzwild darf ganzjährig gejagt werden
Bei der Wildkammer Südpfalz in Kandel kommt Jäger und Metzger Joachim Wenz nicht in diese Situation des Überangebots. Als Service für andere Jäger bietet die Wildkammer auch Zerwirkung, Portionierung und Vakuumierung der erlegten Tiere an. „Wir sind gezielt Fleischjäger und schießen nach Bedarf das, was schmeckt“, so Wenz, der für seine Metzgerei bestimmte Mengen immer im Kühlhaus auf Lager hat.
Schwarzwild hat keine Schonzeit und darf ganzjährig gejagt werden. Doch weil momentan der Mais in seinem Revier so hoch steht und die Sauen sich darin bestens verstecken können, erbeutet Wenz jetzt im Sommer nur ganz wenig. Ohnehin sei Schweinefleisch generell derzeit rückläufig, was – so Wenz Vermutung – am Tönnies-Skandal liegt. Ein Widerspruch, denn gerade Wildschweinfleisch ist – wenn man so will – 100 Prozent bio. Und die Frage nach tiergerechter Haltung erübrigt sich.
Jäger setzen auf stärkere Nachfrage beim Endverbraucher
Gerade wegen dieser Vorteile hofft Geeck zukünftig auf stärkere Nachfrage beim Verbraucher. „Neben der Gastronomie, bei der aufgrund von Corona die Nachfrage nach Wild logischerweise zurückgegangen ist, freuen sich immer mehr private Haushalte über ein regionales Produkt, das waidgerecht erlegt wurde“, meint Geeck. Die Gefahr eines Überangebots sieht er demnach für den Landkreis Germersheim nicht.
Private Jägerinnen und Jäger nehmen das Fleisch oft für den Eigenbedarf, verkaufen es im Bekanntenkreis und selten auch an Händler. Jedes geschossene Tier geht in die Abschusszählung ein und wird, bevor es zum Verzehr freigegeben wird, auf gesundheitliche Unbedenklichkeit und insbesondere auf Trichinen geprüft. Die staatliche Jagd der beiden Forstämter Bienwald und Pfälzer Rheinauen im Landkreis richtet sich hingegen nach der anzupeilenden Anzahl von Abschüssen. Der Fleischbedarf spielt eine untergeordnete Rolle. Angeblich wird bei Überangebot seitens der Forstämter den Fleischhändlern das Wild gerne mal für einen Euro pro Kilogramm überlassen. „Das kann zu einzelnen Terminen im Herbst oder Winter in den Wochen der großen Drückjagden schon mal vorkommen“, sagt Geeck.
Bei diesen Jagden wird das Schwarzwild aufgescheucht, in Bewegung gebracht und von 70 bis 80 Jägern erlegt. Es kann vorkommen, dass dann mit einem Mal bis zu 30 Wildschweine verkauft werden müssen. Die Forstämter sind hier auf die Zusammenarbeit mit den professionellen Metzgern angewiesen. „Aber kein Jäger würde ein Tier verlochen, also vergraben“, so Geeck. „Das verbietet die Ehrfurcht vor Tier und Natur.“ Dass nun Wildfleisch heuer angesichts geringerer Nachfrage auch niedrigere Preise nach sich zieht, erwartet er nicht. Es gibt von den Jagdverbänden festgelegte Richtpreise. Die liegen zum Beispiel zwischen 4 und 7 Euro pro Kilogramm beim Reh und zwischen 3 und 6 Euro beim Schwarzwild.