Kreis Germersheim Weniger Äcker, mehr Nahrung

Wörth/Hagenbach. Weniger Ackerland und doch mehr Nahrung? Das jahrhundertelange Problem der knappen Ackerflächen wurde auch der Bienwaldregion extern gelöst, durch Verlagerung der Produktion in weit entfernte Regionen.
Nach der Landschaftsbeschreibung des früheren Forstamtsbezirks Langenberg reduzierte sich die landwirtschaftliche Nutzfläche in der Bienwaldregion von 1845 bis 2007 von 19.548 Hektar auf 15.593 Hektar, also um etwa 20 Prozent. 1845 betrug die Fläche des Ackerlandes 14.428 Hektar. Im Jahr 2007 waren es noch 11.624 Hektar. Der Anteil des Ackerlandes an der landwirtschaftlichen Fläche lag 1845 wie 2007 bei etwa 74 Prozent. Damit kann die für das 19. Jahrhundert oft unterstellte, sehr grünlandreiche und extensiv genutzte Landschaft im früheren Forstamtsbezirk so nicht vorgelegen haben. Neu hinzugekommen waren 2007 etwa 430 Hektar Gehölze (Gebüsche) und 70 Hektar Brachflächen (mit heute sicher oft großer Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz), die 1845 nicht kategorisiert und vermutlich so auch nicht vorhanden waren. Auf der anderen Seite nahm allein in den Jahren 2000 bis 2010 die global genutzte landwirtschaftliche Fläche zur Produktion von Nahrungsmittel für Deutschland um 38 Prozent auf 18,2 Millionen Hektar zu. Die in Deutschland für die Ernährung der Bevölkerung genutzte Anbaufläche nahm im selben Zeitraum um 5 Prozent auf 14,7 Millionen Hektar ab. 2010 wurden so zum Beispiel etwa 4,5 Millionen Tonnen Soja für die deutsche Viehhaltung importiert. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands, der zunehmenden Kaufkraft sowie dem sich erweiternden Welthandel kam es seit den 1950er Jahren zu einer ständigen Zunahme des Imports von Energie und Rohstoffen. Die Produktion von vielen Millionen Hektar globaler land- und forstwirtschaftlicher Fläche wurde seither zur Bedienung der deutschen Nachfrage nutzbar gemacht. Insgesamt wurden damit die früheren deutschen Ressourcenprobleme jedoch weniger gelöst, als vielmehr in großem Stil global verlagert. Mit dem Verbrauch an fossilen Energien und den sich abzeichnenden Klimafolgen wurden sie teilweise auch in die Zukunft „verschoben“. Mit der Nutzung der Kernenergie und der bis heute nicht geklärten Frage der Endlagerung der produzierten radioaktiven Abfälle wurden gleichzeitig enorme gesellschaftliche Risiken und „Hypotheken“ für die folgenden Generationen aufgenommen. Dabei nahm die Abhängigkeit Deutschlands, im Hinblick auf den Lebensbedarf der Gesellschaft, die deutsche Wirtschaft, die Arbeitsplätze und in ihrer Summe, den deutschen Wohlstand, von global zu beschaffenden Rohstoffen und sonstigen Ressourcen in einem historisch nie gekannten Ausmaß zu. Auch die Bienwaldregion wird heute global „mitbedient“, wie umgekehrt hier angesiedelte global agierende Wirtschaftskonzerne Arbeitsplätze für die Region bieten und ihren Teil zur globalen Verflechtung beitragen.