KANDEL / MINFELD
Weihnachtsbaum erhält Tradition des Festes
„Alles deutsche Ware und wie seit über 20 Jahren von einem Kollegen aus dem Sauerland“, legt Michael Zapf Wert auf Beständigkeit. Und während auf dem Hof immer neue Kunden kommen, abwägen und genau prüfen, steht er bei den Zapfs im Wohnhaus schon längst. Der Ablauf ist hierbei Jahr für Jahr gleich. „Ich habe ihn raufgetragen und werde ihn auch wieder heruntertragen, wenn es so weit ist. Geschmückt wird aber immer von meiner Frau und meiner Tochter“, sagt er launig. Und bestimmt lächelt er jetzt hinter seiner Maske.
Was nicht verkauft wird, geht in den Zoo
Noch früher dran waren allerdings die Kirchen in Kandel und Erlenbach, die schon Ende November von Michael Zapf traditionell kostenlos versorgt worden waren. Insgesamt rund 1000 Bäume werden es nach seiner Schätzung am Ende wohl geworden sein, die er in diesem Jahr herbeigeschafft hat und die ihren Bestimmungszweck nun in der Südpfalz erfüllen werden. Und wenn nicht, dann naht für die Übriggebliebenen ein wenig besinnliches Ende: „Entweder wir fahren sie in die Zoos nach Landau oder Karlsruhe, wo die Tiere dann die Nadeln abkauen dürfen. Oder es geht auf den Häckselplatz, wo sie zu Grünschnitt verarbeitet werden.“
Beginnend mit Heiligabend wird der Hofladen nun zwar drei Wochen schließen, doch in Urlaub fahren kann Familie Zapf in diesem Jahr aus bekannt leidigen Gründen nicht. „Normalerweise geht es immer ins Warme, an den Strand. Denn man kann ja sonst das ganze Jahr über noch nicht mal in das Schwimmbad“, sagt er. Jetzt wird er wohl nicht mehr lächeln.
Weihnachtsbäume auf Reisen
„Oh ist der aber groß“, entfährt es derweil Liesel Dewein. Gerade wird ihr frisch gekaufter Baum in den Kleinwagen gewuchtet und die Kandelerin lobt den „1A-Service. Und ob ich jetzt in diesem Jahr viele Gäste habe oder eben nicht, ein Christbaum muss einfach sein“, stellt sie klar. „Der ist zu unserer eigenen Freude und kommt in das Wohnzimmer neben den offenen Kamin.“ Eigentlich kaufe sie ihn immer „auf den letzten Drücker, weil alles andere immer vorrangig ist. Aber jetzt hat man ja Zeit und kann alles mehr in Ruhe machen“. Dann packt sie noch Tannenreisig ein, das die Kunden kostenlos mitnehmen können. Damit Wärme in ihr Haus komme.
Für all das zuständig ist Marian. Der Niederschlesier arbeitet saisonal seit vielen Jahren bei den Zapfs und weiß: „Weihnachtsbäume machen immer Spaß!“ Den Heimweg in das heimatliche Hirschberg im Riesengebirge wird er wie jedes Jahr mit einigen Bäumen im Gepäck antreten. Die Sauerländer Tännchen könne sich nicht beschweren und kommen in diesem merkwürdigen Jahr also mehr in der Weltgeschichte herum als so manch Reisewilliger.
Weihnachtsbäume aus dem Kirchgärtel
Gar nicht weit hatten es hingegen die Kult-Gehölze aus Minfeld. Vor über 30 Jahren hatte Fritz Heintz mit einer Fichten- und Douglasienkultur begonnen, um sich heute längst dem Siegeszug der Nordmanntanne unterworfen zu haben. Im Kirchgärtel 10 Jahre hochgepäppelt, werden sie schließlich frisch geschlagen, in den Hof an der Hauptstraße gebracht und schließlich verkauft. „Unsere Stammkunden wissen das“, sagt Heintz. Wie sein Kollege Zapf spürte er nichts davon, dass die Menschen in diesem Jahr vermehrt auf die heimelige Gemütlichkeit gesetzt und jetzt erst recht einen Weihnachtsbaum gekauft hätten.
Seit dem 3. Advent wird verkauft
Ganze zwei Wochen beträgt hierbei traditionell der Verkaufszeitraum, ab dem Samstag vor dem 3. Advent kann gekauft werden. Heintz: „Wir möchten frische Ware haben.“ Die Verkaufszahl sei im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben, zeigt er sich auch in dieser Saison zufrieden. Und ebenso mit der heimischen Saisondekoration. Im Wohnzimmer gehe der Baum mit rund 2 Metern und 50 Zentimetern bis an die Decke. „Den auf der Hofterrasse schmücke ich, den im Wohnzimmer meine Frau. Denn der muss mit all den Kugeln ja perfekt sein. Und das macht sie wie jedes Jahr bestimmt auch sehr gut!“