Kreis Germersheim
Weihnachts-Notfälle: Zum Hausarzt oder ins Krankenhaus?
Kurz vor Weihnachten wird es in der Notaufnahme erst ruhiger, „weil viele Menschen bewusst vor den Feiertagen nicht mehr ins Krankenhaus wollen“, weiß Daniel Schäfer, Leiter der Zentralen Notaufnahme in der Kandeler Asklepiosklinik. Doch das führe oft zu einem entsprechend großen Andrang nach den Feiertagen. „Den Effekt sehen wir auch nach Ostern und Pfingsten“, sagt der Mediziner. Viele Patienten kommen dann erst, wenn sich zum Beispiel schon viel Wasser in den Beinen angesammelt hat. „Wenn jemand der Meinung ist, dass etwas nicht in Ordnung ist, sollte er besser früher kommen“, sagt Schäfer.
Doch an welche Stelle – Bereitschaftsdienstzentrale, Notaufnahme oder doch die 112 mit dem Rettungswagen – wendet man sich bei welchen Beschwerden? Daniel Schäfer gibt Hinweise:
Was soll man bei einer Verbrennung, zum Beispiel an einer Kerze oder beim Fondue tun? Und natürlich an Silvester, wenn etwas beim Böllern daneben geht?
In diesen Fällen handelt es sich oftmals um schwerere Verbrennungen, so dass eine chirurgische (Wund-)Beurteilung und Versorgung in der Notaufnahme notwendig ist. Bei Böllerverletzungen gibt es zudem auch Begleitverletzungen wie zum Beispiel Knalltraumen, so dass auch hier eine Vorstellung in einer Zentralen Notaufnahme sinnvoll erscheint.
Handelt es sich nur um eine leichte Rötung, sollte zunächst mit lauwarmen Wasser (aufgrund der Gefahr der lokalen Unterkühlung) behandelt werden und eine Wund- und Heilsalbe in die Anwendung kommen. „Wir bitten explizit darum bei Bagatellverbrennungen von einer Vorstellung in einer Notaufnahme Abstand zu nehmen“, betont der Mediziner.
Wohin wendet man sich, wenn man sich eine Schnittwunde zugefügt hat – sei es beim Päckchenpacken oder beim Aufschneiden des Bratens?
Bei solchen Verletzungsbildern kommt ebenso eine chirurgische (Wund-)Beurteilung und Versorgung in der Notaufnahme in Frage, da auch hier Nerven- oder Gefäßstrukturen betroffen sein können.
Meist reicht jedoch im beschriebenen Fall ein Pflaster, wenn die Wunde nicht klafft. Ebenso kommen kleinere Blutungen durch Kompression zum Stehen. Eine Zuweisung bei zu keinem großen Blutverlust sollte nach Möglichkeit privat und nicht mit dem Rettungsdienst erfolgen, „es sei denn es handelt sich um eine nicht stillbare Blutungssituation“.
Und wenn eine Fischgräte im Hals steckt, Stichwort Weihnachtskarpfen?
„Tatsächlich ein Klassiker, der gegebenenfalls eine Spiegelung der Luftröhre nach sich zieht“, sagt Schäfer. Diese Patienten sollten am Besten direkt ein Krankenhaus mit Hals-Nasen-Ohren (HNO) Abteilung aufsuchen. Die nächsten HNO-Abteilungen befinden sich in Karlsruhe und Ludwigshafen.
Was ist zu bedenken, wenn auf einmal undefinierte Schmerzen im Bauchbereich auftreten?
Bei gastrointestinalen Beschwerden sollte zunächst eine Besuch beim Kassenärztlichen Notfalldienst erfolgen, rät Schäfer. Kommen Durchfall oder Erbrechen hinzu handelt es sich meist um eine Gastroenteritis, auch dies fällt in die Zuständigkeit der Notfalldienstzentrale.
Sollten die Beschwerden jedoch anhalten und in der Intensität schlechter werden, könne eine Vorstellung in der Notaufnahme notwendig sein um zügig schwerwiegendere Krankheitsbilder wie eine Blinddarmentzündung auszuschließen.
Was sollte man tun, wenn das Herz bei zu viel Familie über die Feiertage schmerzt?
Bei Schmerzen im Brustkorb mit begleitender akuter Luftnot und zum Teil mit Ausstrahlung in den linken Arm, „bitten wir um direkten Notruf über die 112“, da hier ein akutes Koronarsyndrom, beziehungsweise ein Herzinfarkt die Ursache sein könnte. „Hier ist bei entsprechendem Risikoprofil in der Regel eine Vorstellung in der Notaufnahme notwendig um schlimmere Herz-Erkrankungen auszuschließen“, sagt der Mediziner Schäfer. Gleiches gilt, wenn die Beschwerden in der Brust nicht bewegungsabhängig oder nicht durch Druck auslösbar sind, „dann sollte ebenso der Rettungsdienst alarmiert werden“.
Was gilt, wenn plötzlich ein Infekt mit Fieber auftritt? Und was ist inzwischen eigentlich mit Corona?
„Diese Patienten sind klassisch einem Hausarzt ohne Rettungsdienstbegleitung zuzuführen“, unterstreicht Schäfer. Die meisten Atemwegsinfekte seien viral und erforderten kein Antibiotikum, „sondern Bettruhe, eine Schmerzmitteleinnahme (zum Beispiel Paracetamol), ausreichende Trinkmenge und Geduld“.
Eine Krankenhausaufnahme werde durch die niedergelassenen Ärzte meist nur dann indiziert, wenn es Begleiterkrankungen gibt und die Patienten älter sind und nur unzureichend Flüssigkeit oral aufnehmen können oder Anhalt für eine Lungenentzündung besteht. „Corona kommt inzwischen endemisch vor und bedarf meist keiner stationären Therapie“, sagt Schäfer. Aktuell seien eher mehr Fälle von Keuchhusten zu beklagen.
Die Kassenärztliche Vereinigung weist darauf hin, dass die Bereitschaftsdienstzentralen zwischen den Jahren ihre Öffnungszeiten erweitern, und, falls erforderlich, das Personal aufstocken. Die KV weist zudem auf die Telefonnummer 116117 und das sogenannte Patienten-Navi im Internet unter 116117.de hin.
„Chronisch Kranke, die Medikamente benötigen und wissen, dass ihre Praxis geschlossen ist, sollten sich rechtzeitig vor Weihnachten eine ausreichende Menge an Medikamenten verschreiben lassen“, heißt es in einer Mitteilung der KV. Gleiches gelte für Patientinnen und Patienten, die bis Anfang Januar Medikamente benötigen. Bei absehbarer Arbeitsunfähigkeit zwischen den Jahren sollten sich Patientinnen und Patienten frühzeitig krankschreiben lassen.
Kontakt
Die Zentrale Notaufnahme in der Asklepiosklinik Kandel, Luitpoldstraße 14, 76870 Kandel, ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet und unter 07275 71-1199 oder -3512 zu erreichen.
Die Bereitschaftsdienstzentralen im Kreis Germersheim befinden sich in den Asklepioskliniken Kandel und Germersheim. Die Öffnungszeiten sind derzeit:
Kandel: Mittwochs 14 bis 22 Uhr, Freitag 16 bis 22 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag/Brückentag 9 bis 17 Uhr
Germersheim: Mittwochs 14 bis 22 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertag/Brückentag 9 bis 17 Uhr.