Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Weichen stellen per Mausklick

Die Technik im Wörther Bahnhof ist nicht auf dem neusten Stand.
Die Technik im Wörther Bahnhof ist nicht auf dem neusten Stand.

Meldungen über Störungen und Zugausfälle wegen technischer Probleme im Wörther Bahnhof gab es zuletzt häufiger. Betroffen waren vor allem die Stadtbahn und damit die Pendler nach Karlsruhe. Woran liegt’s? Und wann wird Abhilfe geschaffen?

Rund zwei Stunden war am 2. Juni der Stadtbahn-Verkehr zwischen Wörth und Karlsruhe unterbrochen. Grund waren Probleme beim Stellwerk im Wörther Bahnhof. Ein Busnotverkehr musste eingerichtet werden. Die Busse kamen zuletzt häufiger zum Einsatz. Nur wenige Tage zuvor hatte die Linie 5 zwischen Bahnhof und Badepark wegen einer Weichenstörung im Bahnhof eingestellt werden müssen. Am 13. Mai hatte ein kurzfristiger Personalausfall im Stellwerk Wörth zu Zugausfällen geführt. Die Liste ließe sich mühelos fortsetzen. Für den Stadtbahnverkehr ist die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) in Karlsruhe zuständig. „Die AVG ist von diesen Störungen zwar betroffen, sie ist aber nicht der Verursacher. Für die Stellwerke und den Bahnhof trägt die DB Netz die Verantwortung“, teilt eine AVG-Sprecherin auf Anfrage mit.

Bei der Bahn kennt man natürlich das Problem. Schließlich funktioniert das 1937 in Betrieb genommene Stellwerk in Wörth noch mechanisch, also mittels Hebel. So erklärt sich auch, warum ein kurzfristiger Personalausfall zu Problemen führen kann. Doch damit ist bald Schluss. Bis zum Jahresende soll auch das Stellwerk in Wörth digitalisiert sein. Im Rahmen der Strategie „Digitale Schiene Deutschland“ ersetzt die Deutsche Bahn in drei Baustufen die älteren Stellwerke Speyer, Germersheim (zwei Stellwerke), Wörth (zwei Stellwerke), Philippsburg und Rülzheim durch moderne Stellwerkstechnik. „Das Ziel: Mehr Zuverlässigkeit und Flexibilität im Bahnverkehr für die Kundinnen und Kunden. Bereits Ende 2022 steuern die Fahrdienstleiter und Fahrdienstleiterinnen die Signale und Weichen auf der Strecke Wörth–Germersheim–Speyer über ein neues elektronisches Stellwerk in Germersheim“, teilt eine Bahnsprecherin mit.

In Germersheim ist die Zentrale

Die erste Stufe ist seit wenigen Tagen abgeschlossen. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit haben in Germersheim, Philippsburg und Rülzheim die neuen Stellwerke ihre Arbeit aufgenommen. Statt mit Hebeln werden Weichen und Signale nun per Mausklick geschaltet. In Germersheim wurde ein 252 Quadratmeter großes Modulgebäude aufgestellt. Es ist die Zentrale. An drei Bedienplätzen können die Fahrdienstleiter alle Weichen und Signale auf der Strecke Wörth-Germersheim-Speyer bedienen. In Philippsburg wurde ein 72 Quadratmeter großes Modulgebäude errichtet, in Rülzheim wurde im bestehenden Schalthaus eine komplett neue Technik installiert. Bisher wurden laut Bahn rund 172 Kilometer Kabel verlegt, 123 Signale und 32 Weichenantriebe erneuert. In Germersheim wurden außerdem jeweils zwei neue Signalausleger und Signalsonderkonstruktionen auf den Bahnsteigen installiert. Außerdem hat die Bahn den Bahnübergang Lingenfeld modernisiert, die komplette Weichenheizung erneuert sowie neue Telekommunikationsanlagen gebaut.

Modernisierung bis Jahresende abgeschlossen

Im zweiten Bauabschnitt wird nun ein Gebäude in Speyer errichtet, in dem die Stellwerkstechnik zur Ansteuerung der Signale und Weichen untergebracht ist. „Die Inbetriebnahme ist für September vorgesehen“, kündigt die Bahnsprecherin an.

Direkt im Anschluss ist der Bahnhof in Wörth an der Reihe. Dort ist geplant, ein 126 Quadratmeter großes Modulgebäude zu erreichten, in dem die Technik untergebracht wird. Bis zum Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Ab diesem Zeitpunkt steuern die Fahrdienstleiter die rundum modernisierten Strecken aus Germersheim“, kündigt die Bahnsprecherin an. Zugausfälle wegen Stellwerksstörungen sollen dann der Vergangenheit angehören.

Die Modernisierung der Signal- und Stellwerkstechnik auf der Strecke Wörth-Germersheim-Speyer ist eins von sieben Projekten des sogenannten Schnellläuferprogramms, einem Konjunkturprogramm des Bundes, der Industrie und der Deutschen Bahn zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie. Der Bund stellt dafür insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung.

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