Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Wehrleiter Edgar Jung übergibt Führung an Alexander Ditz

Edgar Jung: Vor drei Jahrzehnten wurde er im Alter von 32 Jahren zum Wehrleiter ernannt. Nun gibt er das Amt ab.
Edgar Jung: Vor drei Jahrzehnten wurde er im Alter von 32 Jahren zum Wehrleiter ernannt. Nun gibt er das Amt ab.

Mit gerade einmal 32 Jahren war Edgar Jung am 18. Dezember 1991 zum Wehrleiter der Verbandsgemeinde Kandel ernannt worden. Nach drei Jahrzehnten legte er sein Amt nun in jüngere Hände. In die seines bisherigen Stellvertreters Alexander Ditz (41).

Jung hätte das Amt noch bis 2024 ausüben können, doch der Wechsel war gut vorbereitet und schon länger geplant. „Es war eine schöne und erfüllte Zeit. Doch irgendwann ist einmal gut. Junge Leute haben auch andere Ideen und setzen neue Impulse.“

Als Wehrleiter hatte Jung die Aufgabe, mit der politischen Führung der Verbandsgemeinde als Träger der Feuerwehr über deren Belange zu beraten und sie zu vertreten. Im RHEINPFALZ-Gespräch räumt Jung gleich zu Beginn mit dem Vorurteil auf, dass die Wehren bevorzugt behandelt würden. „Es gibt landesweit einheitliche Risiko- und Brandschutzklassen. Sie richten sich auch nach der Infrastruktur und dem Zeitfaktor, wann wir am Einsatzort sein müssen. Hierfür ist die notwendige Ausrüstung genau definiert“, so Jung. In seine Amtszeit fallen viele Bauprojekte: Der Gerätehausneubau im Norden von Kandel, die Neubauten der Gerätehäuser in Steinweiler und Vollmersweiler. Besonders stolz ist er auf das Service- und Dienstleistungszentrum in Kandel, das 2018 als Pilotprojekt für ganz Rheinland-Pfalz installiert wurde. Dort werden für die Wehren der Verbandsgemeinden Hagenbach, Jockgrim und Kandel sowie der Stadt Wörth Atemschutzgeräte gewartet, Schläuche gesäubert und Kleidung gereinigt.

Vater war schon Feuerwehrmann

1975, im Alter von 16 Jahren ist Jung mit 15 Gleichaltrigen der Feuerwehr in seinem Heimatort Kandel beigetreten. Sein Vater Rudolf war bereits aktiver Feuerwehrmann. In Kandel war Edgar Jung von 1985 bis 2014 Wehrführer. In all den Jahren hat er viele Veränderungen mitgemacht, weilte immer wieder zu Fortbildungen an der Feuer- und Katastrophenschutzakademie in Koblenz. Weil heute bei einem Hausbrand wegen der komplexeren und dichteren Bauweise bis zu 1200 Grad Hitze entstehen können, erfordert dies eine ganz andere Ausrüstung und Schutzkleidung als früher bei 300 Grad, weiß Jung. Zudem müssten bei Verkehrsunfällen durch bessere Sicherheitstechnik der Fahrgastzelle bei einem Unfall mittlerweile Spreizer und Schneidgeräte mit einem Hydraulikdruck von 90 Tonnen eingesetzt werden. In seiner Anfangszeit waren es nur 16 Tonnen.

Die Kandeler Feuerwehr ist auch für einen Abschnitt der A 65 verantwortlich. Es gab viele Todesfälle. „Da sind wir als Führungskräfte gefragt“, sagt Jung. „Vor allem die Kameradinnen und Kameraden, die das zum ersten Mal erleben, müssen da unterstützt und emotional begleitet werden.“ Besonders belastet hat ihn der Hausbrand an der Ecke zum Kandeler „Pfalzbuckel“; damals verbrannten zwei Menschen.

„Aufbau West“ für Überflutungsgebiete

Jung war bereits mehrfach in den Flutgebieten im nördlichen Rheinland-Pfalz eingesetzt. „Keine Bilder und Filme können das beschreiben. Es ist wie im Mittelalter. Menschen sind ohne Wasser, Abwasser, Strom und Gas. Sie werden ihre instabilen und durch Öl und Chemikalien verseuchten Häuser nicht mehr bewohnen können. Hier muss massiv Geld investiert werden, es braucht einen 'Aufbau West'.“

In seiner Amtszeit hat er aber auch Amüsantes erlebt: Ein Zwölfjähriger war beim Spielen mit Handschellen gefesselt worden und der Schlüssel kam abhanden. Mit Schraubstock und Säge musste er befreit werden.

Schlagkraft der Wehren gesichert

Jung übergibt ein bestelltes Feld. Alle Wehren der Verbandsgemeinde sind nach seiner Aussage materiell gut ausgerüstet und besitzen genügend Freiwillige, die aktiv die Einsatzbereitschaft sicherstellen. Er nennt Beispiele aus anderen Regionen von Rheinland-Pfalz, wo Menschen zum Pflichtdienst rekrutiert werden müssen. Als „normaler“ Feuerwehrmann will er noch bis zum 67. Lebensjahr weitermachen. Ansonsten freut sich der 62-jährige Vorruheständler auf die gemeinsame Zeit mit seiner Frau und seinem Enkel.

Jung hatte bei der Deutschen Bundespost Fernmeldehandwerker gelernt, bei der Telekom war er Teamleiter. Er ist dankbar: „Ohne die massive Unterstützung meines Arbeitgebers hätte ich das nicht bewältigen können.“ Bastian, einer seiner zwei erwachsenen Söhne, führt die Tradition nun fort. Er fungiert künftig als stellvertretender Wehrleiter.

Goldenes Feuerwehrabzeichen

Verbandsbürgermeister Volker Poß zollte Edgar Jung „Respekt und Hochachtung, so lange Zeit im Ehrenamt rund um die Uhr an vorderster Front Verantwortung zu übernehmen“. Landrat Fritz Brechtel verlieh ihm in einer Feierstunde im Auftrag des Innenministeriums das Goldene Feuerwehrabzeichen am Bande.

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