Germersheim
Wehr-Jahresbericht: Schlechte Noten für Südpfalz-Kaserne
Alljährlich legt die Wehrbeauftragte ihren Bericht vor, in dem der Zustand der Truppe unter die Lupe genommen wird. Ein Thema, das derzeit deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit findet, als noch vor einigen Jahren: Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und den jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump wird über die Wehrfähigkeit der Republik diskutiert.
182 Seiten umfasst der Bericht, der unter der Ägide der Wehrbeauftragten Eva Högl entstanden ist. An vielen Stellen wird aus Gesprächen mit Rekruten zitiert, häufig werden Details angesprochen. Bei Punkt 7. Infrastruktur geht es unter „Liegenschaftszustand und Vorhabendauer“, um die Herausforderungen, die Infrastruktur in Schuss zu halten. Dabei geht es nicht nur um das Volumen der 1500 Liegenschaften, die über ganz Deutschland verteilt sind: Bei vielen Bauvorhaben müssten auch andere Behörden wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die Landesbauverwaltungen eingebunden werden, dazu kämen „beispielsweise unzureichende Finanzmittel, fehlendes Personal oder die Auslastung der Bauwirtschaft“.
Diese Faktoren hätten dazu geführt, dass viele Kasernen in einem beklagenswerten Zustand seien, heißt es im Bericht. Und dann: „Ein besonders negatives Beispiel war im Berichtsjahr die Südpfalz-Kaserne in Germersheim.“
Schimmel, Wasserschaden, blätternder Putz
Bei einem Truppenbesuch im Frühling 2024 sei der schlechte Zustand zahlreicher Gebäude offensichtlich gewesen, insbesondere von Lehr- und Unterkunftsgebäuden so die Wehrbeauftragte. „Schimmel in Stuben und Sanitärräumen, Wasserschäden sowie von den Wänden abblätternder Putz waren allgegenwärtig“, heißt es im Bericht. Die Wehrbeauftragte habe erfahren, dass es viele geplante Vorhaben gebe, vom Neubau von Unterkunftsgebäuden bis hin zur Sanierung der Standortschießanlage sowie Material- und Munitionslagern. Insgesamt belaufe sich der Infrastrukturbedarf auf über 125 Millionen Euro, die Maßnahmen würden nach einer Prioritätenliste abgearbeitet.
„Allerdings liegt kein Bauvorhaben im ursprünglichen Zeitplan“, so der Bericht. Stattdessen sei mit einer Fertigstellung aller Maßnahmen erst in den 2030er-Jahren zu rechnen. Bereits bei dem als ersten priorisierten Bauvorhaben – einer Waffenkammer – stehe seit 2017 der Baubeginn aus. Die Fertigstellung habe sich von 2018 auf 2027 verschoben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hatte die Landesbauverwaltung bei der geplanten Sanierung zweier Unterkunfts- und Kompaniegebäude festgestellt, dass ein Neubau wirtschaftlicher sei. Doch dieser habe sich dann ebenfalls verspätet, „wobei die für die Bauzeit vorgesehene Zwischenlösung im Jahr 2028 zur Verfügung stehen soll.“
Die Wehrbeauftragte schreibt weiter: Der Neubau der „deutlich in die Jahre gekommenen“ Ausbildungsanlage Feldlagerzufahrt, die für das Luftwaffenausbildungsbataillon äußerst wichtig sei, werde erst 2026 und 2027 erfolgen. Eine Beschleunigung sei aufgrund der personellen Kapazitätsprobleme der Landesbauverwaltung und der höher priorisierten Sanierungskette nicht möglich.
Arbeiten mangelhaft ausgeführt
Bereits seit über zwei Jahren stand im Berichtsjahr der fertiggestellte Neubau des Sanitätsversorgungszentrums zur Nutzung bereit. „Grund für die massive Verzögerung waren die gravierend mangelhaften Ausführungen des Trockenbauunternehmens, die erst nach Abschluss eines Klageverfahrens ein neues Unternehmen behob.“ Die Übergabe habe sich Ende des Berichtsjahrs wegen eines schwerwiegenden Defekts an der Heizanlage erneut auf voraussichtlich Mai 2025 verschoben. „Vor diesem Hintergrund erscheint fehlendes WLAN im Gebäude der 2. Kompanie nur als Marginalie“, so der Bericht weiter. Hier habe das Verteidigungsministerium eine Lösung durch einen externen Betreiber an gekündigt.
Das Fazit des Kapitels: Die Leistungsfähigkeit der Landesbauverwaltung Rheinland-Pfalz sei in ihren personellen Ressourcen, Personal werden nach Schwerpunktbildungen priorisiert eingesetzt. Das könne zum Beispiel „die Implementierung des Waffensystems F-35A am Standort Büchel oder die Reaktivierung des Munitionsdepots Kriegsfeld“ sein. Insgesamt sei jedoch keine Möglichkeit erkennbar, die Bauprojekte in Germersheim beschleunigen zu können. Weiter heißt es: „Die Vielzahl maroder Gebäude, ihr stark sanierungsbedürftiger Zustand sowie der Umstand, dass bereits seit Jahren keine signifikante Verbesserung eintritt, hebt die schlechte Infrastrukturlage am Standort Germersheim noch einmal substanziell von anderen Standorten ab.“
Neuer Kommandeur kennt Kaserne gut
Diese Aussagen im Wehrbericht hatten jüngst sogar die FAZ zu einem Besuch in Germersheim bewegt. Für die Leser der „Germersheimer Rundschau“ kommt die harte Kritik der Wehrbeauftragten indes nicht überraschend. Immer wieder berichtet die RHEINPFALZ über die Verzögerungen beim Sanitätszentrum wegen Baumängeln oder die Höhe der anstehenden Investitionen. Und selbst Führungskräfte kommen gerne nach Germersheim, auch wenn sie den Standort gut kennen: Der neue Kommandeur Christian Zerau hatte 1999 selbst seinen Grundwehrdienst in der Südpfalzkaserne (damals noch Sponeck-Kaserne) abgeleistet und war zwischendurch immer wieder für Ausbildungen in die Festungsstadt zurückgekehrt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ ging es auch um die „Großbaustellen“ an seinem alten und neuen Dienstort, darunter die geplanten Neubauten für Unterkünfte oder die Erneuerung der Strom-, Gas-, Wasser- und Medienleitungen in der Kaserne.
Für diese neue Priorisierung gibt es Lob von Eva Högl. Und abschließend ist im Bericht der Wehrbeauftragten sogar von einem „Lichtblick“ in Germersheim die Rede: Das Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, „dass es für den Standort einen ausgebildeten Bauingenieur als Reservisten und damit einen Fachmann für die bundeswehrseitige Begleitung der Bauvorhaben habe gewinnen können.“