Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Was macht eigentlich ein Straßenwärter?

Die Azubis Eren Ayaz (links) und Marwin Brinner mit dem Leiter der Meisterei Tim Knoblauch (Mitte).
Die Azubis Eren Ayaz (links) und Marwin Brinner mit dem Leiter der Meisterei Tim Knoblauch (Mitte).

Der Beruf des Straßenwärters steht kaum im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Doch für funktionierende Autobahnen ist die Arbeit unverzichtbar. Ein Einblick.

Marwin Brinner und Eren Ayaz haben im September 2022 eine Ausbildung zum Straßenwärter bei der Autobahnmeisterei Kandel begonnen. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie ersetzen Verkehrsschilder, kümmern sich um die Reinigung der Entwässerungseinrichtungen oder sorgen durch die Grünpflege dafür, dass der Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt wird. Aktuell im Winterdienst, kämpft die Autobahnmeisterei vor allem gegen Glätte und Nässe auf den Fahrbahnen an, etwa durch das Verteilen von Streusalz. „Diese Abwechslung gefällt mir sehr gut“, sagt Eren Ayaz aus Kandel. „Ich mag es nicht, jeden Tag dasselbe zu machen.“ Auch die Arbeit draußen mache ihm Spaß, vor allem mit dem Freischneider. Die Arbeit im Freien und mit den eigenen Händen mag auch Marwin Brinner. „Das ist mit das Beste am Job“, erklärt der 17-Jährige aus Jockgrim. „Ein weiterer Pluspunkt für mich ist die Arbeit mit den großen Maschinen, das hat mich schon immer gereizt.“

Umfangreicher Fuhrpark

Insgesamt verfügt die Meisterei über einen umfangreichen Fuhrpark mit Lkw und Transportern, eine Kehrmaschine, zwei Unimogs und diverse große und kleine Mähgeräte. Da besteht reichlich Auswahl für alle, die eine Faszination für große Maschinen haben. Aufgrund der Fahrzeuge, die man als Straßenwärter bedienen können muss, sind sowohl der Pkw- als auch der Lkw-Führerschein Pflicht – und man muss sich gründlich in die unterschiedlichen Regeln und Techniken einlesen. Die Kosten der Führerscheine werden von der Autobahn GmbH bei der Ausbildung übernommen.

Die Azubis mögen die familiäre Atmosphäre in der Meisterei. „Jeder Tag bei uns ist ein witziger Tag“, findet Marwin Brinner. Alles in allem arbeiten in der Autobahnmeisterei über 30 Angestellte. Einige davon haben selbst ihre Ausbildung in Kandel absolviert, wurden dann übernommen und sind heute Straßenwärter, Streckenwarte oder Kolonnenführer. Der vertraute Umgang miteinander wird bei jeder Interaktion deutlich. Die erfahreneren Kollegen greifen den Azubis unter die Arme und reden mit ihnen auf Augenhöhe. Vertrauen ist durchaus wichtig, denn wer tagtäglich am Rand einer vielbefahrenen Autobahn sein Tagwerk verrichtet, setzt sich großer Gefahr aus. „Man muss sich da draußen bei der Arbeit aufeinander verlassen können“, stellt Marwin Brinner klar.

„Vertrauen ist einer der wichtigsten Aspekte bei der Zusammenarbeit als Straßenwärter“, bestätigt auch Tim Knoblauch. 1997, ein Jahr nach Eröffnung der Autobahnmeisterei, begann er in Kandel seine Ausbildung und ist heute der Leiter der Meisterei. Besonders wichtig sei ihm bei seiner Arbeit, „die Steuergelder sinnvoll zu verwenden“. An die Autofahrerinnen und Autofahrer hat Knoblauch eine Bitte: „Wenn man am Straßenrand Orangene sieht, bitte Fuß vom Gas, Abstand halten und erhöhte Aufmerksamkeit. Was wir tun, ist nicht ungefährlich.“

130 Kilometer A65

Aus diesen Gründen vermeide man auch, im Dunkeln zu arbeiten, was jedoch manchmal – vor allem bei stark befahrenen Strecken – aber nicht möglich sei. Die Autobahnmeisterei in Kandel ist für den Abschnitt der A65 zuständig, der sich von Haßloch bis zur Rheinbrücke erstreckt. Auf dieser Strecke sind auf 130 Kilometern in beide Richtungen täglich zwischen 45.000 und 80.000 Fahrzeuge, mit einem hohen Lkw-Anteil unterwegs. „Bei allen Arbeiten geht es in erster Linie um die Sicherheit aller“, so Knoblauch. Bei größeren Arbeiten müsse man vor allem auf sinnvolle Verkehrsführung und einen guten Bauverlauf achten. In den Jahren, die er in der Meisterei verbracht hat, hat sich einiges verändert. Erst vor drei Jahren ging die Meisterei vom Land Rheinland-Pfalz auf die Autobahn GmbH des Bundes über. Um die Zukunft seiner Autobahnmeisterei macht Knoblauch sich keine Sorgen. „Gefahren wird immer, egal mit welchem Antrieb.“

Erst ein Praktikum

Auch im Bereich der Ausbildungen sind die Aussichten gut. Im kommenden Jahr kommt ein weiterer Azubi dazu. „Alle 15 Autobahnmeistereien im Südwesten bilden aus, an einigen gibt es noch freie Plätze für die im Herbst beginnende Ausbildung“, sagt Knoblauch. So suche die Autobahnmeisterei Ruchheim bei Ludwigshafen auch noch nach Nachwuchskräften. Für alle, die sich vorstellen können, als Straßenwärter zu arbeiten, hat Marwin Brinners einen Rat: „Man sollte nicht voreingenommen sein. Am besten ist es, sich selbst einen Eindruck bei einem Praktikum zu verschaffen.“

Die beiden Auszubildenden der Autobahnmeisterei .
Die beiden Auszubildenden der Autobahnmeisterei .
Eines von vielen Fahrzeugen ist der Unimog.
Eines von vielen Fahrzeugen ist der Unimog.
Halle, wo das Streusalz gelagert ist.
Halle, wo das Streusalz gelagert ist.
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