Wörth Was Leser ärgert: Bewohner klagen über Parkplatzmangel bei Seniorenresidenz
Seit gut einem Jahr wohnt Holger Reinsperger in der Bienwald-Seniorenresidenz. Er unterscheidet sich ein wenig von seinen Mitbewohnern. Reinsperger ist 65 Jahre alt und noch voll berufstätig. Er ist als Bauüberwacher bei der Deutschen Bahn in Karlsruhe beschäftigt und somit viel unterwegs auf Baustellen in ganzen Region. Reinsperger ist auf sein Auto angewiesen. Und da beginnt sein Problem: Er hat keinen Parkplatz für sein Auto. „Ich würde gerne einen Parkplatz mieten, aber es gibt keinen“, sagt Reinsperger.
Die 11 Stellplätze in der Tiefgarage sind alle vermietet, ebenso die Parkplätze im Hof. Die werden den Dienstfahrzeugen der Ökumenischen Sozialstation belegt. Die Sozialstation hat ihre Büros und Besprechungszimmer im Erdgeschoss der Seniorenresidenz. Verschärft hat sich die Situation dadurch, dass die fünf Parkplätze vor der Seniorenresidenz gestrichen wurden, dort herrscht inzwischen ein absolutes Halteverbot. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar, hier sind fünf eingezeichnete Parkplätze, die jetzt nicht mehr genutzt werden können. Das Ordnungsamt ist fast jeden Tag hier, um zu kontrollieren“, ärgert sich Reinsperger.
Auch für Besucher gibt es keine Parkplätze
Auch an anderer Stelle in der Arthur-Nisio-Straße ist nachmittags oder abends fast unmöglich einen Parkplatz zu finden. Hier sind in jüngster Vergangenheit viele Häuser neu gebaut worden. Zumeist wohnen hier Familien mit mehreren Fahrzeugen in ihrem Besitz. „Ich muss oft in den Nachbarstraßen parken“, so Reinsperger. Für ihn ist das besonders beschwerlich, weil er oft in der Nacht und in den frühen Morgenstunden raus muss. Und er es häufig sehr eilig hat, wenn er zu einem Einsatz gerufen wird. „Die Stadt muss doch hier etwas unternehmen, die Parkplatzsituation wird immer schlimmer“, meint Reinsperger. Er denkt dabei nicht nur an sich: „Die Senioren, die hier leben, bekommen ja auch Besuch. Für die Besucher gibt es auch keine Parkplätze. Das kann doch eigentlich nicht sein!“ Reinsperger ist nicht der einzige Bewohner, der sich wegen der Parkplatzsituation schon bei der Stadt beklagt hat.
Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass sie nur Auskunft zu öffentlich ausgewiesenen Parkplätzen geben könne. Soweit die Parkplatzsituation privat zugeordnete Stellplätze der Wohneigentümer beziehungsweise der Sozialstation betreffe, falle dies nicht in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung Wörth. Die Seniorenresidenz Bienwald wurde 2001 als erste betreute Wohnanlage in der Stadt Wörth gebaut. Voraussetzung für den Einzug in eine der Wohnungen ist ein Alter von 60 Jahren und mehr. In der Baugenehmigung wurde laut Stadtverwaltung ein reduzierter Stellplatzschlüssel aufgrund der altengerechten Wohnungen von nur 0,2 Stellplätzen pro Wohnung (statt üblicherweise 1,5 Stellplätzen pro Wohnung) festgelegt. „Das bedeutet, dass für die vorhandenen 22 Altenwohnungen insgesamt 5 Stellplätze in der Tiefgarage geplant wurden, sie befinden sich in Privatbesitz. Auch die von der Sozialstation genutzten Parkplätze befinden sich in deren Privateigentum“, teilt die Stadt auf Anfrage mit.
Fragliche Fläche als Wendehammer ausgewiesen
Die fünf gestrichenen Parkplätze vor der Seniorenresidenz sind laut Stadtverwaltung gar keine Parkplätze: „Im geltenden Bebauungsplan ist für die fragliche Fläche ein Wendehammer ausgewiesen. Die Stadtverwaltung hat die Funktionsfähigkeit des Wendehammers zu gewährleisten. Die Stellplätze waren dort unzulässigerweise markiert worden und mussten entfernt werden.“ Eine Anweisung an das Ordnungsamt, dort verstärkt zu kontrollieren, gibt es laut Mitteilung der Stadt nicht, aber: „Aufgrund von zunehmenden Parkverstößen im gesamten Verlauf der Arthur-Nisio-Straße kam es schon häufiger zu Behinderungen, bei denen im Ernstfall die Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr nicht hätten durchfahren können.“
Mehrfach war Reinsperger mit seinem Problem schon bei der Stadtverwaltung, bei Ortsvorsteher Helmut Wesper beziehungsweise Bürgermeister Steffen Weiß oder dessen Vorgänger Dennis Nitsche vorstellig. „Im Wahlkampf zeigen immer alle viel Interesse, aber dann passiert nichts“, sagt Reinsperger. Bürgermeister Weiß habe ihm versprochen, nach Lösungen zu suchen, behauptet Reinsperger.
Es sei geplant im Rahmen eines Verkehrsversuchs ein eingeschränktes Halteverbot zuzulassen, um Anwohnern ein Be- und Entladen zu ermöglichen, sofern es nicht länger als drei Minuten dauert und der Fahrer so dicht bei seinem Fahrzeug bleibt, dass er es jederzeit wegfahren kann, teilt die Stadt mit. Und weiter: „Der Versuch wird erstmal für 6 Monate angelegt. In dieser Zeit wird kontrolliert, ob diese Haltemöglichkeit ausgenutzt wird oder vermehrt Dauerparker festgestellt werden.“