Kreis Germersheim Waldwege sind Wirtschaftswege

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Wörth/Hagenbach. Die „Lösung“ der Ressourcenproblematik nach dem 2. Weltkrieg führte im Wald wie im Offenland zu einem deutlichen Wandel der Landschaftsnutzung und des Landschaftsbildes und gleichzeitig zur Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Forstwirtschaft wie auch der gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald.

Bis Anfang der 1960er Jahre waren große Teile der um den Bienwald lebenden regionalen Bevölkerung zur Sicherung von Einkommen und Lebensbedarf regelmäßig selbst im Wald von den damaligen Forstämtern beschäftigt oder in Eigenregie zu Gange. Heute sind nur noch wenige Menschen im Wald beschäftigt und auch der direkte Bezug von Gütern des Waldes spielt heute allenfalls bei der Brennholzgewinnung noch, beziehungsweise wieder eine gewisse Rolle. Der überwiegende Teil der regionalen Bevölkerung kommt allenfalls noch zur Erholung in den Wald. Damit wandelte sich der Wald auch in der Wahrnehmung großer Teile der Gesellschaft von einer Ressource zum Erhalt des eigenen Lebensbedarfs zum Erholungsraum. So wundert auch nicht, dass ältere Menschen der Region, die in ihrer Jugend ihren täglichen Lebensbedarf selbst noch im Wald erstritten, diesen aufgrund des heute vorkommenden vielen Totholzes oft als „unaufgeräumt“ bemängeln (die Forstverwaltung lässt zu viel Holz „verkommen“), während viele jüngere Menschen, die den Wald nicht mehr als unmittelbare Lebensgrundlage erlebten, ihn heute oft nur noch als „Kulisse“ für die Nah- und Freizeiterholung sowie als „Naturraum“ wahrnehmen. Forstwirtschaft wird dabei oft als störend empfunden. Zu regelmäßigen Ärgernissen kommt es, wenn mit Holzerntemaßnahmen Wegeschäden entstehen und die Begehbarkeit beeinträchtigt wird. Letzteres war auch früher regelmäßig der Fall, war jedoch leichter zu akzeptieren, denn die forstlichen Maßnahmen brachten auch immer wieder eine Versorgung mit Walderzeugnissen die von Vielen unmittelbar benötigt wurden. Damit wurden früher die Waldwege auch von der regionalen Bevölkerung als „Wirtschaftswege“ wahrgenommen. Regelmäßig verkannt wird heute, dass die weit überwiegende Zahl der Waldwege zwar zu Erholungszwecken genutzt werden kann, sie eigentlich jedoch Wirtschaftswege sind, deren Erhaltung aus dem Forstbetrieb und damit auch aus dem Holzeinschlag finanziert werden muss. Dass Waldwegen bei Einstellung der Unterhaltung schon in wenigen Jahren zuwachsen, kann auch im Bienwald beobachtet werden. Ohne den Forstbetrieb müssten die zur Erholung zu nutzenden Wege von den Kommunen oder von Dritten unterhalten werden. Wie sollte dies heute jedoch finanziert werden? Insofern ist beim Auftreten von Wegeschäden auch immer wieder etwas Verständnis und Geduld gefragt. Viel frequentierte Waldwege werden vom Forstamt nach Möglichkeit zeitnah wieder hergerichtet; dies nicht nur im Bienwald. Wie Umfragen zeigen, spielt in der Wahrnehmung der heutigen Gesellschaft die Rolle des Waldes als Lieferant von Rohstoffen für den Lebensbedarf nur noch eine untergeordnete Rolle. Man schätzt zwar Möbel und sonstige Produkte aus dem umweltfreundlichen Rohstoff Holz im persönlichen Gebrauch, aber: Müssen dafür unbedingt Bäume gefällt werden? Enorm ist heute der Zwang zur Rechtfertigung des eigenen Tuns auf Seiten der Forstbetriebe und dies, obwohl der Holzbedarf Deutschlands für den eigenen Verbrauch, wie auch die Weiterverarbeitung und den späteren Export größer ist, denn je. Es ist einfach selbstverständlich geworden, dass über die Sicherstellung des eigenen Lebensbedarfs an Holz nicht weiter nachgedacht werden muss. Während über viele Jahrhunderte Holz und andere Produkte aus dem Wald knappe Güter waren, stehen heute die benötigten Ressourcen über den Welthandel so umfangreich zur Verfügung, dass in Deutschland auch die Stilllegung von Wald möglich ist, teilweise sogar staatlich gefördert wird. Auch Rheinland-Pfalz kann es sich heute leisten, im Sinne des Naturschutzes einen Nationalpark und im Zuge des Naturschutzgroßprojektes im Bienwald eine Naturwaldfläche auszuweisen und auf die weitere Holzproduktion der Flächen zu verzichten. Gleiches gilt auch für im Wirtschaftswald heute regelmäßig verbleibendes Totholz, Alt- und Biotopbäume. In einem in den letzten Jahrhunderten nicht gekannten Umfang kommen diese ökologisch sehr wertvollen Elemente heute im Bienwald vor und wurden zu einem wesentlichen Aspekt seiner Gesamterscheinung.

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