Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wörth: Rückgang an Allergieärzten alarmiert Experten

Nicht nur Pollen machen Allergikern zu schaffen.
Nicht nur Pollen machen Allergikern zu schaffen.

Die 18-monatige praktische Ausbildung „Allergologie“ für Ärzte soll komplett wegfallen. Befürchtet werden erhebliche Qualitätsverluste. Verbände wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund laufen Sturm gegen den Beschluss des Deutschen Ärztetages. Sie befürchten, dass Allergiepatienten schlechter versorgt sind.

Fast jeder Dritte ist davon betroffen: Die Zahlen schwanken je nach Quelle, von 25 bis 30 Millionen Allergikern in Deutschland ist die Rede. War es bisher schon schwierig, einen Termin bei einem ausgebildeten Allergologen zu bekommen, wird es bald noch dramatischer. Denn die praktische Weiterbildung wird eingedampft. Allergieexperten warnen vor sinkender Qualität in der Versorgung von Patienten. Verbände von Betroffenen wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund laufen Sturm gegen den Beschluss des Deutschen Ärztetages.

Rückgang allergologisch spezialisierter Ärzte

Zurzeit praktizieren im Fachgebiet Allergologie nur rund anderthalb Prozent der gesamten Ärzteschaft. Seit Jahren ist ein Rückgang allergologisch spezialisierter Ärzte zu verzeichnen. „Bezogen auf rund 30 Prozent der Bevölkerung, die an Allergien leiden, ist der Rückgang an Fachärzten in diesem Bereich ohnehin schon sehr prekär, besonders im ländlichen Raum“, sagt Bettina Maier vom Ortsverband Wörth/Schaidt des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. „Lange Wartezeiten auf einen Arzttermin sind je nach Fachrichtung meist schon programmiert.“ Dass sich die Situation jetzt zum Schlechteren verändern soll, stößt auf Unverständnis. „Vor dem Hintergrund, dass praktisch in ganz Europa die Tendenz hin zu einem Facharzt Allergologie mit dreijähriger Weiterbildung plus Prüfung geht, finde ich diesen Beschluss des Deutschen Ärztetags gewagt“, kommentiert Dr. Peter Nienhaus, Internist in Minfeld und Vorsitzender des Hambacher Bundes, das Vorhaben. Für ihn ist klar, dass es sich hierbei um einen Schritt in die falsche Richtung handelt. Denn: Allergien sind weit mehr als ein bisschen Heuschnupfen zur Pollenzeit. Allergisches Asthma, Neurodermitis, Nesselsucht (Quaddeln, Juckreiz, nässende Haut), Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Insektengifte können schwerwiegende Folgen haben. Außerdem: Aus einem vermeintlich harmlosen Heuschnupfen entwickelt sich bei jedem vierten Patienten im Laufe seines Lebens allergisches Asthma.

Allergierisiko unterschätzt

Von Vielen wird das Allergierisiko unterschätzt. Besonders gefährlich ist diese Tendenz bei Kindern, wie umfangreiche Ergebnisse der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts darlegen: Allergien zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen; mindestens eines von zehn leidet an Heuschnupfen, mehr als vier Prozent haben Asthma. Allergologie ist wegen der Bandbreite der Symptome oft Detektivarbeit. Praxiserfahrung ist daher unerlässlich, um Symptome richtig deuten zu können und die richtige Behandlung einzuleiten. Sollte der Beschluss des Ärztetages umgesetzt werden, können Patienten die Qualifikation von Ärzten mit dem Zusatztitel „Allergologie“ gar nicht mehr einordnen. Für sie wird es dann nicht möglich sein zu erkennen, ob ein Arzt mit dem Zusatztitel Allergologe wirklich erfahren ist im Umgang mit Betroffenen. Er kann auch nicht erkennen, ob er nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde. „Der Deutsche Allergie- und Asthmabund protestiert entschieden gegen diese fatale Entwicklung in der Allergologie und fordert eine Rücknahme dieses Beschlusses des Deutschen Ärztetages“, so Bettina Maier vom Ortsverband Wörth/Schaidt des DAAB. „Um zu verhindern, dass der Beschluss des Ärztetages umgesetzt wird, rufen wir dazu auf, sich mit Protestschreiben an die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz und die Bundesärztekammer zu wenden.“

Zusatzausbildung soll wegfallen

Im Bereich Allergologie nimmt Deutschland bereits jetzt eine Sonderstellung in Europa ein. „Deutschland wird mit seiner Bagatellisierungs-Politik mehr und mehr den Anschluss in Europa verlieren“, unterstreicht Bettina Maier die Position des DAAB. Während in über 20 europäischen Ländern eine dreijährige Ausbildung zum Facharzt vorgesehen ist, gilt für Deutschland derzeit noch eine Zusatzausbildung von 18 Monaten als ausreichend, und die soll nun komplett wegfallen. „Auch im Medizinstudium wird das Thema Allergologie lediglich gestreift, sofern es in andere Fachgebiete hineinreicht“, betont Dr. Peter Nienhaus. „Deswegen bereitet mir der Beschluss des Ärztetages Kopfzerbrechen, denn die Qualität der Patientenversorgung wird darunter leiden“, sagt Nienhaus.

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