Kreis Germersheim Wörth oder Kandel – ein Freibad ist genug!?

Der Wörther Badepark soll für 11 Millionen Euro ein Hallenbad bekommen und so zum Kombibad werden. Die Freibecken werden für 5 Millionen Euro saniert: Das Ziel unter anderem: Das Bad soll für junge Familien attraktiver werden. Mit der gleichen Zielsetzung geht Kandel an die Sanierung des bei Eltern beliebten Waldschwimmbades.
CONTRA VON VICTORIA KUNZMANN Im Jahr 2016 gab es so viele Badetote wie lange nicht mehr. Folglich fordert die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), dass Kinder unbedingt schwimmen lernen müssen. Dafür sollte eine optimale Ausgangslage geschaffen werden. Dazu gehört ein Schwimmbad in der Nähe. Im Kandeler Waldschwimmbad werden jedes Jahr verschiedene Schwimm- und Tauchkurse angeboten. Die Bedingungen für Familien sind optimal: niedrige Eintrittspreise, ein frisch sanierter Spielplatz, ein im nächsten Jahr frisch saniertes Kiosk. Vor allem aber ist das Bad übersichtlich. Mit drei Becken, darunter einem Nichtschwimmer- und einem Babybecken, ist das für Familien ein Vorteil, die es lieber klein haben wollen. Übersichtlichkeit ist also die große Stärke des Waldschwimmbads, von der nicht nur Familien profitieren. Viele Dauerkartenbesitzer besuchen das Bad, um Sport zu treiben. Sie wollen einfach nur schwimmen. Für sie hätte das Kombibad in Wörth mehrere Nachteile: Der Eintritt wäre unverhältnismäßig hoch. Bei einer Stunde Schwimmen lohnt sich das kaum. Zudem steht der Aufwand, nach Wörth zu fahren, für alle Kandler, Minfelder, Steinweilerer, Windener und Freckenfelder in keinem Verhältnis zu einer Stunde Schwimmen. Viele würden den Kosten-Nutzen-Faktor überdenken und sich andere Möglichkeiten überlegen, wie sie Sport treiben können. Für sportliche aktive Menschen der Verbandsgemeinde wäre es erheblich schwieriger, im Sommer spontan eine Runde schwimmen zu gehen. Nicht alle älteren Menschen haben ein Auto und selbst mit dem Fahrrad dauert es einiges länger. Obwohl die Verbandsgemeinde Kandel einen ausgeglichenen Haushalt hat, könnte an anderen Ecken und Enden gespart werden. Das gut besuchte Waldschwimmbad Kandel zu schließen, gehört definitiv nicht dazu. Zudem das Kandeler Waldschwimmbad auch für die Stadt und den Tourismus förderlich ist. Viele Besucher kommen von weiter her, zum Beispiel aus dem Elsass. PRO VON ANDREAS LAPOS Überall herrscht Geldmangel: Brücken sind marode, die Straßen voller Schlaglöcher und in Krankenhäusern und Altenheimen fehlen Pflegekräfte. Überall wird deshalb gespart: Eltern renovieren die Klassenzimmer, Ehrenamtliche kümmern sich bei den Tafeln um das Essen für Hartz-4-Empfänger. Trotzdem finden wir vielerorts noch überflüssigen Luxus. Sogar direkt vor unserer eigenen Haustüre. Auch wenn Lokalpatrioten das nicht gerne hören werden: Die beiden Schwimmbäder in Wörth und Kandel gehören dazu. Ein Schwimmbad ist genug, das kleinere Bad in Kandel gehört geschlossen.Warum? – Ganz einfach: Die beiden Bäder liegen für Fahrradfahrer 5,4 Kilometer auseinander. Ein junger Mensch schafft die Strecke in einer Viertelstunde. Das ist zumutbar, die Wege beispielsweise in der Stadt Karlsruhe sind meist weiter. Für Kandeler wäre es also überhaupt kein Problem, künftig in Wörth zu baden.Zudem wäre der Zeitpunkt jetzt günstig: In Wörth und Kandel soll investiert werden – unter anderem sollen beide Bäder für junge Familien attraktiver werden. Na toll: Dann streiten die Bäder sich auch noch für teuer Geld um die gleiche Zielgruppe. Und das wird noch schlimmer, denn die demografische Entwicklung werden auch die Bäder deutlich spüren. Zugegeben: Für manche, die von weiter her kommen und eine halbe Stunde schon nach Kandel brauchen, ist der Weg nach Wörth zu weit. Sie haben Pech gehabt. Aber erstens sind sie dann in der gleichen Situation wie viele andere Menschen in Deutschland. Es gibt eben kein Recht auf ein Freibad im Umkreis von 5 bis 10 Kilometern. Und zweitens müssen wir uns fragen, was den Steuerzahler diese Doppelstruktur kostet. Die Antwort: Knapp eine halbe Million Euro im Jahr. Man muss nur die beiden Defizite addieren. Denn wenn die Besucher des Kandeler Waldschwimmbads nach Wörth gingen, könnte der Badepark vielleicht sogar seine Kosten decken. Ein Bad ohne Defizit: Das wäre mal eine schöne Überraschung.