Kreis Germersheim
Wörth: Europa-Gymnasium ins Verzeichnis der Kulturdenkmäler aufgenommen
Das Europa-Gymnasium ist jetzt ganz offiziell ein Denkmal: Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz hat die Schule in das neueste „Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Germersheim“ aufgenommen. Das zeichnete sich bereits im Sommer ab.
Das Europa-Gymnasium wurde in zwei Abschnitten zwischen 1967 und 1975 gebaut. Entworfen hatte es der Architekt Egon Seidel (Ludwigshafen). Das Wandrelief des bekannten Jockgrimer Künstlers Karl-Heinz Deutsch entstand 1976. Den Denkmalschützern gilt es als ein Zeugnis des „Brutalismus“.
„Brutalismus“
Der Name dieses Baustils leitet sich nicht aus dem deutschen „brutal“ ab. Er kommt vom französischen Begriff „beton brut“, gemeint ist roher, sichtbarer Beton. „brut“ bedeutet aber „rau“, „grob“ und „ehrlich“. Die Vertreter des „Brutalismus“ befanden sich ab den 60er-Jahren in einer Aufbruchsbewegung. Sie meinten, dass die modernen industrialisierten Gesellschaften eine möglichst kraftvolle Kunst benötigen, die einen unverstellten und selbstbewussten Blick auf die sozialen Verhältnisse ermöglicht.
Rasante Entwicklung
So gesehen, passte der Baustil das Europa-Gymnasium zu Wörth: Dessen Entwicklung verlief nach dem Krieg rasant. Alleine von 1950 bis 1970 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf rund 17.000, 1977 wurde das früher arme Dorf zur Stadt. Gründe waren das wirtschaftliche Wachstum der Region Karlsruhe sowie vor allem die Ansiedelung des Daimler-LKW-Montagewerks und der längst wieder geschlossenen Groß-Raffinerie von Mobil Oil.
Die Gemeinde reagierte und schuf ab Mitte der sechziger Jahre auf dem Dorschberg ein neues Zentrum mit Rathaus, Kirchen, Schulen, Einkaufspassage sowie Sport- und Grünanlagen – darunter das Europa-Gymnasium.
Großer Sanierungsbedarf
In der Schule ist mittlerweile der Sanierungsbedarf an vielen Stellen groß. So beklagten die Lehrer bei einer Begehung im Sommer, dass man die Heizungen nur noch an oder ausschalten, aber nicht regulieren könne. Auch die mangelnde Dämmung sowie die starke Hellhörigkeit seien sehr störend. Hier ist einiges mittlerweile schon in Arbeit. Zuständig ist der Kreis Germersheim als Schulträger.
Am „K-Bau“ wird gearbeitet
Aktuell werde am Gebäudeteil „K-Bau“ des Europa-Gymnasiums die Fassade energetisch saniert, so die Kreisverwaltung. Dies beinhalte den Austausch der Fenster, eine neue vorgehängte Fassade, Dachsanierungsarbeiten, neue Heizungsverteilung und weiteres. „Daneben werden alle naturwissenschaftlichen Fachräume (Physik, Biologie und Chemie) inklusive Sammlungsräume ertüchtigt und auf den neuesten Stand angepasst.“
Weitere Sanierungen 2021
Bis Spätjahr 2020 werden die Bauarbeiten andauern, so die Kreisverwaltung. Die Kosten der energetischen Sanierung beziffert sie auf 2,7 Millionen Euro, die naturwissenschaftlichen Räume seien auf 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Im nächsten Sanierungsabschnitt sei vorgesehen, das Dach der Sporthalle und des Gymnastikbereichs zu sanieren. Die Ausführung wird voraussichtlich in 2021 erfolgen, die Sanierungskosten werden auf eine Million Euro geschätzt.
Heizungssystem erneuern
Darüber hinaus bestehe noch weiterer Sanierungsbedarf am Europa-Gymnasium, hauptsächlich im Bereich der Fassade. Zudem muss das Heizungssystem erneuert werden. Aufgrund der Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmäler werden alle Maßnahmen mit der Denkmalpflege abgestimmt. Derzeit werde von der Kreisverwaltung ein Sanierungs- und Investitionsplan 2030 erarbeitet.