Kreis Germersheim „Wählen gehen ist Bürgerpflicht“

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Für die Zeitung bleibt den drei freien Mitarbeitern am Sonntag aber keine Zeit. Paul und Hans wissen jetzt schon, dass sie den ganzen Sonntag im Wahllokal verbringen werden, Burck wird mindestens einen halben Tag lang dort sein und natürlich abends bei der Auszählung. „Da müssen wieder alle Wahlhelfer im Wahllokal sein“, erzählt Burck. Was aber auch kein Problem ist, denn dann wird’s ja erst richtig spannend. Der 34-jährige Maximiliansauer war während des Studiums schon Mitglied im Ortsbeirat, ist so auch von der Verwaltung als Wahlhelfer „rekrutiert“ worden. Kommunalpolitik macht er schon eine ganze Weile nicht mehr – „aber Wahlhelfer mache ich weiter. Das ist für mich selbstverständlich, weil ich mich für Politik interessiere und im Ort engagiert bin.“ Er habe auch schon Freunde animiert, bei der Wahl zu helfen. Auch die seien bis jetzt hängengeblieben. Einer der Germersheimer Wahlhelfer ist Ludwig Hans, auch seit mehr als drei Jahrzehnten freier Mitarbeiter der RHEINPFALZ. Er ist dank seines Jobs bei der Stadtverwaltung sozusagen „zwangsverpflichtet“, gewinnt den Wahlsonntagen im Wahllokal aber durchaus positive Seiten ab. „Man erlebt gelegentlich kuriose oder amüsante Dinge“, erzählt Hans. Nach mehreren Jahren im selben Wahllokal waren Gewohnheiten der Bürger zu erkennen. Die, die schon morgens um 8 Uhr an der Tür zum Wahllokal standen, waren bei jeder Wahl dieselben. Auch die, die abends auf den letzten Drücker kommen. „Es gab auch schon einmal einen Mann, der für seine erkrankte Frau wählen wollte“, erinnert sich Hans. „Er hatte sogar ihre Wahlbenachrichtigung und ihren Ausweis dabei. Es war ziemlich schwer, ihn davon zu überzeugen, dass das trotzdem nicht geht.“ Solche Erlebnisse werde es dieses Mal sicher nicht geben, Hans ist als Schriftführer im Briefwahlbezirk eingesetzt. Aber da sollen ja gelegentlich auch lustig-merkwürdig-bösartige Anmerkungen aus den Kuverts herauskommen. „Eigentlich ist es schade, wenn Stimmzettel aus Protest zerkritzelt oder sonst wie ungültig werden“, sagt Hans. „Damit hat sich der Protest nämlich sofort erledigt.“ Absoluter Routinier in Sachen Wahlhelfer ist Joachim Paul in Wörth. Er ist seit über 40 Jahren dabei, mittlerweile Wahlvorsteher. Das heißt, er hat die Aufsicht und ist für alles verantwortlich, was im Wahllokal passiert. Große Befürchtungen hegt er indes nicht. Nur verzählen und Schlagzeilen wie bei der Bürgermeisterwahl in Bellheim, das kann er gar nicht gebrauchen. Lieber zwei- oder dreimal hinschauen beim Auszählen. Der Tag der Wörther Wahlhelfer beginnt wie überall im Kreis mit Treffpunkt am Wahllokal um 7.30 Uhr. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, alle Wahlkabinen mit Stiften ausgestattet und die „Schichten“ der Helfer eingeteilt. Ab 8 Uhr geht’s dann nonstop bis 18 Uhr. Fertig sind die Wahlhelfer mit dem Auszählen Landtagswahl in etwa einer Stunde. In Wörth dauert’s ein bisschen länger, direkt nach der Landtagswahl wird die Bürgermeisterwahl gezählt. Bei der Auszählung wie auch am gesamten Wahltag können Bürger zuschauen, alles ist öffentlich. Nur der Blick hinter die Wahlkabine ist tabu. Dort hat nur der Wähler selbst etwas zu suchen. Auch wenn manche ihre Partner oder Kinder mitnehmen möchten, erinnert sich Paul an Erlebnisse. Aber wenn dann mal ein Kleinkind partout nicht vom Arm von Mama oder Papa will – „dann geht das auch irgendwie“, schmunzelt der Wahlvorsteher. Den Job als Wahlhelfer aufgeben, daran habe er nie gedacht, sagt Paul. Als aktiver Kommunalpolitiker könne man sich da nicht drücken. „Außerdem sehe ich es als Bürgerpflicht, genau, wie zur Wahl zu gehen.“ Schließlich sei es auch nicht langweilig. „Man trifft viele Leute, hat immer mal ein bisschen Zeit zu plaudern. Und es ist immer genügend zu essen und zu trinken da – alkoholfrei versteht sich“, beschreibt Paul den Tag im Wahllokal. Tabu ist im und um das Wahllokal herum übrigens Wahlkampf. Weder darf vor dem Wahllokal ein Plakat aufgestellt noch das Auto mit dem Konterfei eines Kandidaten geparkt werden. Im Wahllokal ist sogar die Anstecknadel mit dem Parteilogo am Revers verpönt – auch wenn viele der Wahlhelfer Parteimitglied sind. Die Wahlparty beginnt für die Helfer erst, wenn die Stimmzettel im Safe liegen und die Tür zum Wahllokal geschlossen ist.

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