Kandel Von Spendenbereitschaft für Erdbebenopfer überwältigt
An Unterricht ist in Raum 130 der Realschule plus in Kandel nicht zu denken. Wo normalerweise die deutsche Sprache gefördert wird, stapeln Kartons, Plastiksäcke und große Einkaufstaschen voll mit Jacken, Mänteln, Pullovern und anderen warmen Kleidungsstücken. Bestimmt sind die Spenden für die Erdbebenopfer in der Türkei. „Wir sind total überwältig von der Spendenbereitschaft“, sagt Schulleiterin Cornelia Geiser. Am Montag und Dienstag, jeweils von 7.30 bis 12 Uhr, konnten die Spenden in der Schule abgegeben werden. Ein Teil der Spenden wurde bereits am Montagnachmittag weitertransportiert, der größte Teil lagert aber am Dienstag noch in dem Schulsaal. Die Arbeit ruht aber, denn: „Uns sind die Kartons ausgegangen, für morgen haben wir Umzugskartons organisiert“, informiert Cornelia Geiser.
Mitte vergangner Woche erhielt die Schulleiterin eine Whatsapp-Nachricht von einer jungen Kollegin, die aus der Türkei stammt und bis Ende Januar Referendarin an der Realschule plus in Kandel war. Die junge Frau fragte, ob es möglich sei, an der Schule eine Spendenaktion für die Erdbebenopfer zu organisieren. Sie habe Verwandtschaft in dem betroffenen Gebiet, die sich um die Verteilung der Spenden kümmern könnte. „Ich saß gerade in einer Sitzung des Schulelternbeirats, als die Nachricht kam. Ich habe das dann direkt in die Runde geworfen, die Zustimmung war groß“, erzählt Geiser. Sie hat dann zügig einen Aufruf im Schulmanager, der Web-Plattform für Schulorganisation, veröffentlicht. Darauf haben alle Schüler und Eltern Zugriff. Aber offenbar hat sich der Spendenaufruf ganz schnell auch unter Verwandten, Freunden und Kollegen der Eltern rumgesprochen.
Verwandte leben in Gaziantep
Die ehemalige Referendarin möchte ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, negative Erfahrungen im Netz nennt sie als Grund. Ihre Cousine lebt mit ihrer Familie in Gaziantep, der Millionenmetropole mitten im Erdbebengebiet. Die Familie habe Glück gehabt, das Haus sei zwar beschädigt, aber es sei niemand verletzt worden. Der Mann ihrer Cousine arbeite bei AFAD, der türkischen Katastrophenschutzbehörde. „Nur über AFAD können überhaupt Hilfsgüter ins Katastrophengebiet gelangen, denn das Militär hat das Gebiet abgeriegelt“, erzählt sie. Ihre Verwandten würden dafür sorgen, dass die Spenden auch dort ankämen, wo sie am nötigsten gebraucht werden, verspricht sie.
Zunächst wird alles in der Schule sortiert. Männer- und Frauenkleidung werden getrennt, Decken werden extra verpackt. „Wir haben auch viele Hygieneartikel und Windeln bekommen“, sagt Cornelia Geiser. Das Sortieren übernehmen die Schüler ab Klassenstufe 7. Dann werden die Spenden nach Heilbronn transportiert. Geplant war, dass die Lehrer den Transport mit ihren Privatautos übernehmen. „Da haben wir aber noch nicht geahnt, wie viel da zusammenkommt. Das funktioniert jetzt so natürlich nicht mehr“, betont die Schulleiterin. Nun wurde ein Kleintransporter organisiert.
Von Heilbronn aus übernimmt eine Hilfsorganisation den Transport. Zunächst geht es mit dem Lkw zum Stuttgarter Flughafen und von dort mit dem Flieger in die Türkei, wo der zügige Weitertransport per Lastwagen ins Katastrophengebiet erfolgt. „Ich würde auch gerne Hilfe für das syrische Erdbebengebiet organisieren. Ich weiß aber nicht, wie man die Spenden dort hinbringen kann“, sagt die Referendarin.