Germersheim
Vom Lehrling zum Chefeinkäufer bei Nolte
Nach fast 51 Jahren bei Nolte in Germersheim sagt Gerhard Mohr: „Ich habe es noch nie bereut.“ Mohr war der Chef-Einkäufer des Schlafzimmer-Herstellers und hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Jetzt blickt er auf das Erreichte zurück, an seine Schulzeit aber eher mit gemischten Gefühlen. So kam es auch, dass er im 1969 als noch 15-Jähriger die Lehre als Industriekaufmann antrat – bei einer Firma, die dem ehemaligen Germersheimer unbekannt war, ebenso wie der Beruf, der ihm die Prokura einbringen sollte.
Mit Hubschrauber zur Möbelmesse
Im Januar findet in Köln neben der Internationalen Möbelmesse auch die „interzum“, die Weltleitmesse für Möbelfertigung und Innenausbau statt – „ein Pflichttermin für die Einkäufer“, sagt Mohr. Als junger Mitarbeiter in der Einkaufsabteilung sollte er zur Messe fahren. Georg Nolte kam Tage zuvor in der Abteilung vorbei und fragte, wie er nach Köln komme. „Mit dem Auto, habe ich geantwortet“, sagt Mohr. „Sie fliegen mit mir“, habe der Firmenchef gesagt. Und „es war ein tolles Gefühl, morgens über die Autos, die bei Köln im Stau standen, mit dem Hubschrauber hinweg zu fliegen und auf dem Dach der Halle 6 zu landen“, erinnert sich Mohr. Auch an den Firmengründer, Konrad Nolte, könne er sich gut erinnern. Als es Anfang der 1970er Jahre während der Ölkrise einen kalten Winter gegeben hatte, „haben wir überlegt, wie wir an Öl zum Heizen der Gebäude und Werkhallen kommen können“, sagt Mohr. Da sei Konrad Nolte in den Einkauf gekommen und habe gesagt: „Ihr müsst was dafür bezahlen, dann bekommt ihr auch euer Öl.“ Das sei untypisch gewesen, weil man ja immer so wenig wie möglich Geld im Einkauf ausgeben sollte. Auf jeden Fall seien die Öltanks danach schnell gefüllt worden. Auch habe die Digitalisierung früh Einzug bei Nolte gehalten, sagt Mohr mit einem Lächeln um die Mundwinkel. Er selbst habe für den Verkaufsleiter schließlich den ersten Taschenrechner gekauft: „Ein Modell mit Grundrechenarten und Prozent-Taste, damit er die Konditionen für die Möbelhäuser besser berechnen konnte“, erinnert sich Mohr, der mit Blick auf den heutigen Stand der Technik darüber nur lachen kann.
Immer mit Unterstützung der Nolte-Familie
Wenn Mohr an die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, ist er der Familie Nolte und den Geschäftsführern Hans-Peter Baer und Karl-Heinz Weiß dankbar. Vom Sachbearbeiter im Einkauf habe er sich bis April 1991 zum Leiter der Einkaufsabteilung bei Nolte Möbel hochgearbeitet. „Immer mit Unterstützung der Nolte-Familie. Das muss man ganz klar sagen.“ Die Abteilung hat sich unter seiner Leitung „sukzessive zu einer systematisch vorgehenden strategisch orientierten Einkaufsorganisation“ gewandelt. Neuheiten wurden schnell für die Firma nutzbar gemacht. 1996 erhielt Mohr die Prokura. Dann wechselte er 2015 als Einkaufsleiter in den Gruppeneinkauf der Nolte Holding und betreute in den vergangenen Jahren „verschiedene Projekte“.
Bei seinem Werdegang geholfen hat ihm der Ausdauersport – Triathlon. „Mitte 25 habe ich damit begonnen“, sagt Mohr. „Kondition im Berufsalltag ist nie verkehrt“, ist er überzeugt. Fehltage habe es nur gegeben, „wenn ich mal von Rad gefallen bin“, sagt der noch 65-Jährige. Nach seinem Ausscheiden bei Nolte will Mohr wieder etwas mehr trainieren – an einem Ironman-Wettkampf teilnehmen, „wenn die Kniegelenke es mitmachen“, sagt er. Dann habe er zwei erwachsene Kinder und drei Enkel, um die sich auch schon seine Frau sehr gut kümmere. Und von Nolte so ganz weit weg sein wird der Hördter sicherlich nicht.