Kandel
Volkshochschule: Verein wird aufgelöst
Nur keine Angst! Die Volkshochschule Kandel, die schon seit 1955 ein weithin anerkanntes und sehr breitgefächertes Weiterbildungsangebot unterbreitet, wird es auch weiter geben. Aber: Der Verein, der dies bisher alles vorbildlich organisiert hat, soll aufgelöst werden. Schon zum 1. Januar 2024 wird die VHS in die Verbandsgemeindeverwaltung eingegliedert und von hier aus gesteuert.
Über all diese Veränderungen haben wir mit Dr. Werner Esser gesprochen. Der Kommunalpolitiker, derzeit auch 3. Beigeordneter der Stadt Kandel, kennt sich bestens aus. Er steht seit mehr als 25 Jahren an der Spitze des eingetragenen Vereins „Volkshochschule Kandel“. Und er ist damit erst dessen zweiter Vorsitzender, der erste war der langjährige Stadt- und Verbandsbürgermeisters Oskar Böhm.
Als „städtischer Ausschuss“ gegründet
Die Kandeler VHS war 1955 nämlich als „städtischer Ausschuss“ ins Leben gerufen worden. Anerkannt als Mitglied im Landesverband wurde sie zehn Jahre später. Immer war der Bürgermeister Vorsitzender, und der geschäftsführende Beamte, zunächst der Stadt, später dann ab 1972, der Verbandsgemeinde, sorgte als „Geschäftsführer“ für die Erledigung der Büroarbeiten. Unterstützt wurde er dabei durch Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle.
Esser, acht Jahre lang als Kreisbeigeordneter auch „Schuldezernent“, übernahm 1994 den Vorsitz. Eigentlich hätte der heute 78jährige dies Aufgabe schon gerne abgegeben. Aber es habe sich kein Nachfolger gefunden. Neben dem Vorsitzenden ist im Vorstand auch Geschäftsführer Heinz Wüst tätig, und in der Geschäftsstelle, die im Rathaus der Stadt untergebracht ist, sorgen Christiane Arch und Nicole Görrißen für die Veranstaltungsorganisation und die Programmplanung. Der pensionierte Schulleiter Rolf Geiser ist pädagogischer Leiter.
Teilnehmerzahl geht zurück
Die Angebote der VHS können sich sehen lassen, jedoch musste man in den vergangenen zehn Jahren feststellen, dass die Zahl der Kursteilnehmer immer mehr zurückging. Dies dürfte vor allem auch mit dem räumlichen Engpass zu tun haben, nachdem die frühere Diakon- und evangelische Lehrerdienstwohnung (Turmstraße 7), in dem die VHS früher untergebracht war, aus Gründen des Brandschutzes nicht mehr benutzt werden darf. In Teilen des VHS-Gebäudes am „Plätzl“ ist auch ein Familienbüro (AGFJ-Bella) untergebracht ist.
Es fehlen schlicht Räume, die tagsüber genutzt werden können, so Esser. Denn das Angebot der VHS ist nicht nur auf den späten Nachmittag oder den Abend beschränkt, heute belegt man auch Kurse am Vormittag, und da sind die Schulräume nicht frei. Für die Abendkurse nutzt die VHS Kandel gerne auch Räume in der Realschule plus in der Jahnstraße.
Sanierungsbedarf
Doch zurück zum Haus in der Turmstraße. Das steht unter Denkmalschutz, was auch damit zu erklären ist, dass von 1717 bis 1718 jener Diakon Johannes Schweppenhäuser wohnte, der als einer der Vorfahren des Fürstenhauses Battenberg/Mountbattan gilt. Der britische Thronfolger Prinz Charles etwa ist einer seiner Nachkommen. Das Haus in der Turmstraße 7 müsste dringend saniert werden, doch dafür fehle wohl vorerst das Geld. Ein Kostenvoranschlag habe sich vor Jahren bereits auf rund 700.000 Euro belaufen, erzählt Esser.
Gesucht werden aber auch Kursleiter, die kreative Angebote unterbreiten können. Solche auch, die mit ihren attraktiven Angeboten das Themenspektrum erweitern würden, schwebten ihm vor. All das muss aber organisiert werden, so dass man auf der Suche nach neuen Strukturen gegangen ist. Schließlich kam man überein, die VHS in die Verbandsgemeindeverwaltung einzugliedern, das Personal zu übernehmen und die gesamte Organisation von hier aus zu leiten. Verantwortlich wäre dann in erster Linie der Verbandsbürgermeister oder ein von ihm beauftragter Beigeordneter. Weiterbildung ist schließlich eine Pflichtaufgabe der Kommunen, sagt Esser.
Die Übernahme der VHS durch die Stadt Kandel sei ebenfalls im Gespräch gewesen, doch dann hätte man, alleine aus Kostengründen, auch die Nachbargemeinden mit einbinden müssen. Durch die Eingliederung in die Verbandsgemeindeverwaltung sei dies nun eh der Fall. Wie auch immer, eine Auflösung der VHS ist damit jedenfalls abgewendet.
Weiter Verluste erwartet
Die ebenfalls in die Überlegung einbezogene Weiterführung als rechtlich selbstständiger Verein erschien den Beteiligten weder zukunftsfähig und noch zielführend zu sein. Auch aus finanziellen Gründen: Denn den jährlichen Verlust zu verringern oder gar einen Gewinn zu erwirtschaften, sei nicht zu erhoffen. Esser glaubt, dass man mit der Eingliederung in die Verwaltung einen Weg gefunden habe, die Angebote auch in der Zukunft zu sichern. Allerdings wünsche er, dass sich die Stadt Kandel wie bisher bereits an den Kosten beteiligt, etwa durch Bereitstellung der städtischen Räume am Plätzl.
In der Geschäftsstelle geht unterdessen die Arbeit weiter. Das Wintersemester steht vor der Tür. Und nur im Hintergrund werden die Vorbereitungen getroffen für die Auflösung des Trägervereins. Hierzu werde er in den nächsten Monaten zu einer Mitgliederversammlung einladen, so Esser. Ob viele der zurzeit rund 100 Mitglieder kommen werden, das könne er nicht vorhersagen. Bisher jedenfalls fanden sich immer nur wenige ein. Aber für eine klare Perspektive seien die Weichen zwischenzeitlich gestellt.