Wörth / Maximiliansau
Vogelgrippe-Plan liegt griffbereit in der Schublade
Die Tore des Rassegeflügelzüchtervereins im Klammengrund geschlossen, die gesamte Anlage übernetzt. Vereinsvorsitzender Eric Poppensieker und die 60 Vereinsmitglieder und zehn Aktiven sind wachsam. Als bekannt wurde, dass die Vogelgrippe im Karlsruher Zoo grassierte, haben sie sich sofort in einer Videokonferenz zusammengeschaltet und Maßnahmen ergriffen.
540 Tiere vor Keulung
Zu tief sitzt den Wörther Rassegeflügelzüchtern noch der Januar 2017 in den Knochen, als 45 Proben mit dem Vogelgrippevirus nachgewiesen worden waren. Damals war der Rasseflügelzuchtverein Wörth bundesweit in den Medien. Vom Veterinäramt war das Keulen der 540 Vögel angeordnet worden. Das konnte zum Glück per Ausnahmebeschluss des Verwaltungsgerichts Neustadt abgewandt werden. Eric Poppensieker, der damals noch nicht Vereinsvorsitzender war, ist froh, jetzt auf die Hygienepläne und Anordnungen sowie die Erfahrungen der Vereinsmitglieder zurückgreifen zu können.
Ganz wichtig ist, den Erreger nicht mit den Schuhen in die Anlage zu schleppen. Das kann vor allem beim Füttern passieren. Deshalb müssen die Schuhe vor den Toren gewechselt, oder Überzüge übergestreift werden. Wer Gummistiefel anhat, kann das Schuhwerk in der Wanne reinigen und desinfizieren.
Netzmaschen bei zweieinhalb Zentimeter
Auf dem Vereinsgelände leben 540 Hühner, Enten, Gänse, Nandus, Emus und Fasane. Jeder Tierhalter hat sowieso über sein Gehege die vorgeschriebenen Netze gespannt. Jetzt musste die gesamte Anlage wieder mit Netzen überspannt werden. Kein Wildvogel darf durchkommen, deshalb darf der Maschenabstand nur zweieinhalb Zentimeter sein. Vor fünf Jahren hat sich der ganze Aufwand gelohnt, kein Tier ist gestorben. „Wir wollen alles tun, damit es auch in der jetzigen Situation so bleibt“, sagt Vereinsvorsitzender Eric Poppensieker.
„Für die zehn Kilometer von Karlsruhe braucht ein Vogel keine 20 Minuten“, ist Andreas Giese besorgt über die Nachrichten aus dem Karlsruher Stadtgarten. Der neu gewählte Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins P107 Maximiliansau weiß genau, was im Fall der Fälle zu tun ist. In der Zuchtanlage des Kleintierzuchtvereins in der Cany-Barville-Straße sind die Tierhalter auf der Hut. Dort halten 30 aktive Vereinsmitglieder insgesamt 150 Hühner, zehn Puten, acht Gänse und 60 Tauben. Der Verein widmet sich vor allem dem Erhalt der Rasse, zeigt seine Tiere auf Ausstellungen.
Die Gefahr, dass die Vogelgrippe auf die Anlagen eines Vereins übergreift, schätzt Vereinsvorsitzender Giese zur Zeit noch nicht als groß ein. Ein einzelner Hühnerhof zum Beispiel sei mehr gefährdet. Denn der Verein muss einen strengen Stufenplan abarbeiten, sollte die Vogelgrippe ausbrechen. Zunächst dürfe nicht mehr im Freien gefüttert werden. In einer nächsten Stufe müssen die Volieren engere Maschen erhalten. Stallpflicht und das Keulen als ultima ratio müssten hoffentlich nicht nötig sein, hofft Giese.
Schuhe werden desinfiziert
Auch die Mitglieder des Vogelzucht- und Waldliebhabervereins Wörth sind alarmiert. Bruno Daum verfolgt die Nachrichten aus der Fächerstadt. Doch die 30 Jahre, die der Vogelpark des Vereins schon besteht, sind „wir Gott sei dank sind noch nie betroffen gewesen“. Sprich, es ist noch kein Tier an der Vogelgrippe verendet.
Bisher sei vom Veterinäramt Germersheim noch keine offizielle Warnung ausgesprochen worden. Doch die beiden Vereine wissen, was zu tun ist, sollte die Vogelgrippe tatsächlich übergreifen. Vereinsvorsitzender Wilhelm Graf erinnert sich genau daran, als vor einigen Jahren die hoch ansteckende Tierseuche schon einmal in Rheinland-Pfalz aufgetreten war. Damals habe der Verein einen genauen Maßnahmeplan erarbeitet, der griffbereit in der Schublade liege. Auch im Luisenpark in Mannheim sei jetzt ein Wildvogel verendet, ist Vereinsvorsitzender Wilhelm Graf wachsam. In Wörth wurden die Vorkehrungen verstärkt. Eine ständige und wichtige Maßnahme sei, die Schuhe bei jeder Fütterung zu wechseln und zu desinfizieren.
Im Vogelpark sind die Enten besonders gefährdet, weil sie im Freigehege sind. Futter und Kot können die Erreger schnell übertragen. Jeden Morgen kontrolliere der Futterwart sowieso, ob alle Tiere wohlauf sind. Die meisten der rund 80 Vögel im Vogelpark leben in Volieren, wo das Risiko der Übertragung nicht ganz so hoch ist. Gleichwohl sei es wichtig, dass die Maschen dicht sind und nicht doch einmal ein Wildvogel durchkommt. Momentan werde außerdem verstärkt kontrolliert, ergänzt Bruno Daum. Denn der Vogelpark werde neu gestaltet und freiwillige Helfer seien auf dem Gelände tätig.