Wörth
Verwirrung um Einbahnstraßen-Regelung
„Pendler sollen draußen bleiben“, titelte die RHEINPFALZ Mitte Mai, als sie einen „neuen Verkehrsversuch“ der Stadt Wörth ankündigte. Das Ziel: Im Altort die Durchfahrt für Autofahrer unattraktiv machen. Das gewählte Mittel: Eine Einbahnstraßen-Regelung, die nicht für Radfahrer gilt. Wer mit dem Auto vom Ortskern aus der Ludwigstraße kommend jetzt zum Bahnhof fahren will, darf nicht mehr in die Bahnhofstraße einbiegen, sondern muss über die Hanns-Martin-Schleyer-Straße zum Ziel fahren.
Die Verkehrsführung an dieser Stelle sorgte in den letzten Tagen für viel Zündstoff. In der Facebook-Gruppe „Alle aus Wörth am Rhein“ berichteten etliche Menschen von Verstößen gegen die Einbahnstraßen-Regelung. Ein Mann schrieb: „Ich habe eben Geld in der VR Bank geholt und einfach mal 15 min geschaut wie sich die Anwohner verhalten…. 15 von 23 sind wie normal in die Bahnhofstraße rein ohne die Schilder zu beachten – also Falschfahrer.“ Das Durchfahrtsverbot an der besagten Ecke Bahnhof-/Ludwigstraße ist durch das rote Verkehrsschild mit weißem Balken gekennzeichnet – ergänzt um den Zusatz „Fahrräder frei“. Nach Meinung einiger Diskutierender ist die Verkehrsführung aber nicht eindeutig genug. Eine Frau schreibt auf Facebook: „Das ist ja bald noch gefährlicher wie davor…. Warum hat man in der Kurve, am Sportschädler, keine halbseitige Absperrung hingerichtet?“ Sie appelliert, die Kinder hier zu schützen.
Fünf in zehn Minuten
Auch die RHEINPFALZ hat am Wochenende Falschfahrer an der besagten Stelle gezählt. Das Ergebnis: In zehn Minuten bogen fünf Pkw mit Germersheim-Kennzeichen und zwei weitere mit auswärtigem Kennzeichen von der Ludwig- in die Bahnhofstraße ein – und fuhren damit gegen den Einbahnstraßen-Verkehr. Hinzu kamen vier Motorräder. Auch die Polizei Wörth war am Montagvormittag für eine Stunde vor Ort, weil auch sie Hinweise auf Falschfahrer bekam. Ihr Sprecher Franz Heintz berichtet von zehn festgestellten Verstößen innerhalb dieser Stunde – vermutlich „aus alter Gewohnheit“, wie er sagt. „Die Fahrzeugführer wurden verwarnt. Das war’s von unserer Seite“, sagt er.
Unbeeindruckt von aller Kritik über die angeblich unübersichtliche Verkehrsführung gibt sich Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) gegenüber der RHEINPFALZ: „Die Verkehrszeichen sind sehr deutlich und unmissverständlich, sogar ein Schild mit der Vorankündigung der Neuregelung steht“, schreibt er: Es gebe aber – und das sei nicht überraschend – gerade in den ersten Wochen einer Einbahnstraßenregelung noch den einen oder anderen, der die Schilder übersieht. „Das legt sich binnen kürzester Zeit“, ist Nitsche überzeugt, der davon berichtet, dass die Aufregung mittlerweile „deutlich“ abflache.
Keine Nachbesserungen
Nachbesserungen hinsichtlich der Beschilderung sind laut Nitsche aber „nicht geplant und auch nicht erforderlich“. Jedoch ergänzt der Bürgermeister: Man werde zur optischen Aufwertung einen Blumenkübel „mit Leitbord“ auf die weggefallene Fahrspur setzen und damit „ein physisches Hindernis einbauen.“ Nitsche betont, dass dies „von Anfang an geplant gewesen“ sei. Die Ottstraße – 2017 zur Einbahnstraße umfunktioniert – diene als Vorbild. „Wir gehen da routinemäßig so vor“, sagt Nitsche.