Steinweiler / Minfeld Verunreinigung im Trinkwasser: Brunnen bleibt vom Netz
In der Zeit vom 16. bis 28. Oktober galt in den Gemeinden Steinweiler und Minfeld sowie in Teilen von Winden und Kandel ein Abkochgebot für das Trinkwasser. Viele Betroffene besorgten sich in dieser Zeit stilles Wasser in Geschäften zur Zubereitung von Nahrungsmitteln oder zum Zähneputzen, wie ein Blick in oft leere Regale bestätigte. In Absprache mit dem Gesundheitsamt habe man das Trinkwassernetz permanent gespült und beprobt. Schließlich konnten die Verkeimungen erfolgreich entfernt werden. Aber was hatte sie ausgelöst? Diese Frage sei nicht einfach zu beantworten, sagte die Leiterin der Verbandsgemeindewerke Kandel, Inge Grein, bei der Sitzung des Werksausschusses am Dienstagabend. Bei intensiven Untersuchungen stellte man im Bereich des Wasserwerkes Steinweiler eine Verunreinigung in einem Brunnen fest.
Nachdem dieser Brunnen vom übrigen Trinkwassernetz getrennt und die Leitung mehrfach gespült worden war, gab es bei weiteren Proben keine Beanstandungen mehr. In einem Zwischenschacht, durch den die Rohwasserleitung des „Brunnens 4“ führt, hatte man eine tote Eidechse gefunden. Dieser Schacht war aufgrund der starken Regenfälle und dem zugleich hohen Grundwasserstand zu diesem Zeitpunkt mit Wasser gefüllt. Man nehme an, so war bei der Sitzung des Werksausschusses zu hören, dass durch Diffusion coliforme Bakterien in die Rohwasserleitung eingedrungen sind. Das sei bisher aber nur eine Vermutung, so Grein.
Rückblick: Ausgelöst wurde das Abkochgebot des Gesundheitsamtes durch Ergebnisse der routinemäßigen Trinkwasseruntersuchungen, die am Freitag, 11. Oktober vorgenommen worden waren. In einer Probe des Wasserwerkes Steinweiler war zuvor eine geringe Anzahl „coliformer Keime“ identifiziert worden. Sie gelten laut Trinkwasserverordnung als Verschmutzungsindikator beim Trinkwasser, dürfen also nicht enthalten sein. Dieser Verdacht bestätigte sich bei einer am darauffolgenden Montag genommenen Nachkontrolle, deren Ergebnis die Werke am Mittwoch, 16. Oktober erreichten.
Außer „coliformen Keimen“ wurden jetzt auch „E-Coli“ (Escherichia coli sind Bakterien, die im Darm von Vögeln, warmblütigen Säugetieren und auch in der Darmflora des Menschen vorkommen) und „Enterokokken“ (zur natürlichen Darmflora des Menschen gehörende Bakterien) nachgewiesen. Das Gesundheitsamt bei der Kreisverwaltung Germersheim erließ nun das „Abkochgebot“ und aktivierte den für solche Fälle aufgestellten Maßnahmeplan. Aktuelle Informationen erfolgten in der Presse, per Katwarn-App, in den sozialen Medien und auf der Homepage der Verbandsgemeinde Kandel. Außerdem druckte man noch Handzettel, die von Mitarbeitern der Verbandsgemeindewerke und Freiwilligen in den betroffenen Ortschaften verteilt wurden. Auch wurden Lautsprecherdurchsagen durchgeführt.
Mehr konnte man nicht mehr tun in dieser Situation, sagte jetzt die Leiterin der Verbandsgemeindewerke Kandel. Um die Ursachen für die Verkeimung herauszufinden, sei vorgesehen, nach den Brunnen 4 mit der Kamera zu untersuchen. Dies solle noch vor Weihnachten geschehen, so Grein im Werksausschuss. Derzeit sei der Brunnen 4 deshalb vom übrigen Netz getrennt, so Werkleiterin Grein auf Rückfrage dieser Zeitung. Ob dieser repariert oder gar neu gebaut werden muss, werde sich dann zeigen.