Rheinzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Vertraute Schule nach Zwangspause neu entdeckt

Matheunterricht am Montag in der 11. Klasse der IGS Rheinzabern.
Matheunterricht am Montag in der 11. Klasse der IGS Rheinzabern.

Laufwege sind durchdacht, Abstände vermessen und Pausenregeln erstellt: Am Montag kamen viele Schüler nach der Corona-Zwangspause in die Klassensäle zurück. Es ist ein bisschen wie ein Wiedersehen nach den großen Ferien – und fühlt sich doch ganz anders an. Ein Rundgang durch die Integrierten Gesamtschule in Rheinzabern.

Die Ansage von Sascha Gottschall ist freundlich, aber bestimmt: „Geht bitte auseinander! Denkt an die Ein-Meter-Fünfzig, auch wenn es nervt.“ In der IGS ist gerade Pause am ersten Schultag nach den Corona-Zwangsferien, und dem Schulsozialarbeiter ist im Vorübergehen aufgefallen, dass eine Gruppe Schüler im Foyer ein wenig zu dicht beisammensteht. Tatsächlich mag es sich noch manches Mal so anfühlen, als kämen alle aus den großen Ferien zurück an einen Ort, der trotz jahrelanger Vertrautheit plötzlich neu kennengelernt werden will.

Zollstock auf Abstandsmaß abgesägt

Plötzlich steht Hausmeister Josef „Joschi“ Adam im Treppenhaus. Er kontrolliert in allen Räumen den Bestand der Desinfektionsmittel und kündigt bei Rektor Axel Weinstein an, dass er nach Schulschluss auch die notwendigen Tischabstände wieder herstellen will. „Ich habe mir extra einen Meterstab auf 1,55 Meter abgesägt, damit auch ja alles den passenden Abstand hat“, sagt er. Und, dass das alles jetzt ein „ganz anderer Job ist und sich die Arbeit in eine ganz andere Richtung entwickelt“ hat. Seit 13 Jahren ist er hier Hausmeister. „Ich kann ja keine meiner bisherigen Aufgaben vernachlässigen. Und dann kommt immer mehr Arbeit dazu. Aber ich krieg das schon irgendwie hin, auch wenn es halt ein paar Stunden länger dauert.“

Abläufe anders denken

Wenige Schritte weiter spricht Weinstein darüber, wie wichtig Adam und dessen Arbeit für die Schule seien. Die Herausforderungen seien für alle Beteiligten nicht normal. Sie sind neu. Auch die Schüler müssten vormals alltägliche Dinge und Abläufe anders denken: „Der Druck ist schon riesig. Denn man ist ja nicht nur Lehrer, sondern auch Mensch. Und wir geben alles, was wir können.“ Immerhin sei man relativ gut vorbereitet gewesen, als am 18. April die Nachricht zur Wiederöffnung kam. Mit Vorüberlegungen habe man überwiegend richtig gelegen. Und nach vielen guten Gedanken sieht es im Schulhaus tatsächlich aus: Ob Richtungsschilder, Toilettenzugänge oder Schutzmaßnahmen, alles wirkt und funktioniert durchdacht.

Die Schulsprecher Maylin Özbilgic (16 Jahre) und Simon Hoffmann (17 Jahre) müssen nicht den Aufstand proben. Im Gegenteil ist Maylin, „froh, dass die Lehrer die Arbeit übernommen haben, weil sie es eben doch besser wissen, wie man alles macht“. Ihr Kollege Simon nickt derweil eifrig. Der junge Mann sitzt in Arbeitsklamotten da, denn er kommt direkt vom Feld. Er arbeitet seit Mitte März als Erntehelfer und findet „es wichtig, die regionalen Landwirte nicht nur durch den Kauf ihrer Produkte zu unterstützen“. Seinen Lohn möchte er erst einmal sparen. „Man hat ja nichts zum Ausgeben, wo will man denn hin?“, sagt er lapidar.

Mundschutz wird zur Wurfschleuder

Und auch er lobt die Verantwortlichen seiner Schule, die in der Not offenbar viel richtig gemacht und vor allem auf Information und Kommunikation mit allen Betroffenen gesetzt hat. Ob mit Lehrern, Eltern oder Schülern. Weinstein: „Es war wichtig, Nähe und Vertrauen noch weiter aufzubauen und auch zu halten.“ Dennoch ist dem Schulleiter klar, dass man nachjustieren werden müsse. Das beginne bei sich rasch ändernden Vorgaben bei Desinfektionsmitteln und ende in der Koordinierung eines Unterrichts, der sich je nach Jahrgangsstufe zwischen Präsenz und Online oder beidem im Wechsel bewegt. Viele Schüler sind froh, wieder hier zu sein und fühlen sich gut betreut. So finden es die Zwillingsbrüder Jan und Patrick Krahn (16 Jahre) aus Hatzenbühl schlicht „gut, wie alles gelöst worden ist“. Katharina Gutschmidt (17) aus Maximiliansau war sich zunächst unsicher, „aber so wie es jetzt geht, ist das schon okay“. Was so trocken klingt, darf bei Heranwachsen durchaus als Lob gewertet werden.

Ein weiter Weg zur Normalität

In einem Raum im Erdgeschoss sitzt der Leistungskurs Englisch der 11. Klasse. Elf Schüler sind es, nur einer trägt eine Schutzmaske. Im Unterricht muss das auch nicht sein. Beim Weitergeben eines Arbeitsblattes wird gekichert, ob der Abstand auch ausreichend war. Um halb Eins läutet es zum Unterrichtsende. Langsam kommen die Schüler nach draußen, um den Schulbus zu nehmen oder abgeholt zu werden. Und gerade bei den Jungs menschelt es jetzt. Viele stehen wieder so eng und cool beisammen, wie sie es vor zwei Monaten gewohnt waren. Ein Mädchen wird geneckt und der Mundschutz schon einmal zur Wurfschleuder umfunktioniert. Schon kommt der 549er-Bus mit Fahrtziel Freckenfeld. Natürlich wird der Mundschutz erst im allerletzten Moment angelegt. Erst in diesen wenigen Momenten wirkt alles wie ein ganz normaler Schultag. Und es wird dem Betrachter bewusst, wie weit der Weg zur Normalität eigentlich noch ist.

Immer wieder Hinweise auf Abstandsvorschriften.
Immer wieder Hinweise auf Abstandsvorschriften.
Auf dem Schulhof gilt Abstands- und Maskenpflicht.
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Für die Benutzung des Treppenhauses gibt es eigene Corona-Regeln.
Für die Benutzung des Treppenhauses gibt es eigene Corona-Regeln.
Gegenverkehr ausgeschlossen. Schulleiter Axel Weinstein mit Gesichtsschutz.
Gegenverkehr ausgeschlossen. Schulleiter Axel Weinstein mit Gesichtsschutz.
Klare Regeln und Desinfektionsmittel für die Toiletten.
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Hinweise auf Abstandsregel und Maskenpflicht.
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Zwangspause auch für die Schulgastronomie.
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