Südpfalz / Kandel
Verkehrswende: Zuverlässige Zugverbindungen, stündlich eine Bahn mehr
Mehr und bessere Bahnverbindungen in der Südpfalz - einen möglichen Weg dahin hat das „Bündnis für Verkehrswende Südpfalz“ in einem Positionspapier skizziert. Gefordert wird ein abschnittsweiser Ausbau der Bahnstrecke Neustadt-Landau-Wörth-Karlsruhe. Zu den Vorschlägen gehören ein zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke Winden-Wörth, die Einrichtung einer dritten Verbindung auf dieser Strecke sowie der Bau eines vierten Gleises im Bahnhof Winden mit dem Ziel, möglichst immer bahnsteiggleiches Umsteigen in alle Richtungen zu ermöglichen.
Das „Bündnis für Verkehrswende Südpfalz“ ist sich darüber im Klaren, dass das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Das wird im Gespräch mit den Bündnis-Sprechern Volker Röske und Michael Wünstel deutlich. Im Bündnis haben sich acht Organisationen und Gruppen zusammen geschlossen: Fahrgastverband „Pro Bahn“, BUND Südpfalz, VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz, Fridays for Future Landau, Attac Südpfalz, ADFC Germersheim und Landau/Südliche Weinstraße sowie die BI Queichtal.
Bündnis rechnet mit Widerstand
Die Strategie sei langfristig angelegt, so Wünstel. Einmal sei bis heute nicht sicher, welche Gelder des Landes wann zur Verfügung stehen. Zudem dürfte mit Widerständen aus der Bevölkerung zu rechnen sein, da die Bebauung in Kandel stellenweise an die nicht aufgelassene zweigleisige alte Streckenführung heran reicht.
Das Ziel des Bündnisses lautet: „Der Ausbau soll bei den übernächsten Wahlen in etwa 15 Jahren Thema werden,“ so Wünstel. Bis dahin solle versucht werden, die Bevölkerung, die lokale Wirtschaft und die Politiker für das Thema zu interessieren. „Wir wollen eine positive Stimmung in Kandel schaffen, durch Vor-Ort-Aktionen wie Infostände oder vielleicht eine Demo.“ Mit dem Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd) fand bereits ein konstruktiver Austausch statt. „Der ZÖPNV würde gerne, hat aber kein Geld dafür“, so Wünstel. Aber es solle ein Fahrplan erstellt werden, bis wann was umgesetzt werden soll.
Auf Elektrifizierung verzichten
Vorgeschlagen wird vom Bündnis ein mehrstufiges Vorgehen mit abschnittsweisem zweigleisigem Ausbau zwischen Wörth und Kandel sowie zwischen Kandel und Winden, wo es früher bereits ein zweites Gleis gab. Ziel ist es, überall dort ein zweites Gleis zu bauen, wo die Kosten gering sind.
„Wenn das nicht läuft, läuft gar nichts. Das muss man so einfach sagen“, sagt Röske. Zudem soll auf eine Elektrifizierung der Strecke vorerst verzichtet werden, um teure Bauten und Umbauten etwa von Brücken zu vermeiden. Alleine durch den abschnittsweisen Ausbau wären mehr Bahnverbindungen pro Tag für den Personennahverkehr auf der gleichen Strecke möglich. Ein wichtiges Argument vor allem für den zweigleisigen Ausbau zwischen Wörth und Kandel dürften die Schließzeiten der Bahnschranken im Bereich des Bahnhofs Kandel sein, die sich so deutlich verkürzen ließen, weil die von Winden kommenden Züge nicht mehr auf die entgegenkommenden Züge warten müssten. Damit würden sich Verspätungen in der einen Fahrtrichtung nicht mehr auf die andere auswirken. Das sei ein altes Problem, so Röske: „Der Zubringer Richtung Karlsruhe und Neustadt ist nur attraktiv, wenn die Bahnen häufiger und vor allem zuverlässiger fahren.“
Entstanden ist das „Bündnis für Verkehrswende“ aus einer Reihe von Videokonferenzen während der Corona-Jahre, erzählen Röske und Wünstel. Der Teilnehmerkreis sei immer weiter gewachsen, den teilweise relativ kleinen einzelnen Gruppen war klar: „Um etwas bewegen zu können, müssen wir uns vernetzen.“
Termin
Vertreter des „Bündnis Verkehrswende Südpfalz“ sind zu Gast beim Montagstreff der Grünen Kandel, 20 Uhr, Altes Rathaus. Auch Verbandsbürgermeister Mike Schönlaub will sich die Ideen anhören.