Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrslawine aus dem Elsass bleibt aus

Die neue Strecke kostet Maut, die alte nicht.
Die neue Strecke kostet Maut, die alte nicht.

Mit der 2. Rheinbrücke hat sie einiges gemeinsam: Die Westumgehung Strasbourg wurde Jahrzehnte diskutiert, war hoch umstritten und 2012 sogar schon quasi tot. Jetzt wurde sie für den Verkehr freigegeben - mit schlimmen Folgen für den Kreis Germersheim. Das war zumindest die Erwartung der Gegner einer Bienwald-Autobahn.

Verkehrstechnisch gesehen liegen der Kreis Germersheim und Strasbourg in einer Region. Das zeigen schon die Fahrzeiten: Der Wörther braucht nach Strasbourg nur etwas mehr als doppelt so lang wie nach Germersheim, der Kandeler nur doppelt so viel Zeit wie nach Karlsruhe-Hagsfeld: Dort sollte neben der 2. Rheinbrücke der andere Endpunkt der tot gesagten Karlsruher Nordtangente sein.

Vor allem aber ist die Route durch das Elsass für die Lastwagenfahrer im Fernverkehr interessant: als Alternative zur notorisch überlasteten A5 auf der deutschen Rheinseite. Allerdings hatte auch diese Route einen Haken: Sie war um Strasbourg herum sehr stauanfällig, weil sich dort der Fernverkehr mit dem städtischen Verkehr mischte.

Eng verknüpft mit Ausbau der Bienwald-B-9

Eine Autobahn im Westen von Strasbourg als Umgehung sollte dem abhelfen; die entsprechende Diskussion reicht in die 1990er-Jahre zurück. Damit verknüpft waren auf deutscher Seite Pläne zum Ausbau der Bienwald-B-9. Beide Vorhaben stießen auf massiven Widerstand von Umweltschützern. Im Elsass wurde deshalb 2012 von einer neu gewählten sozialistischen Regierung in Paris die Westumgehung Strasbourg zu den Akten gelegt.

Im Bienwald stemmte sich ein kleine Bürgerinitiative erfolgreich gegen den Ausbau der B9 vom Grenzübergang Langenberg bis zur Anschlussstelle Kandel-Süd zur Autobahn. Ihr Hauptargument: Vor allem Wildkatzen würden gefährdet. Damit stieß sie beim damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) auf offene Ohren: Als Alternative wurde die „Hagenbach-Variante“ vorbereitet, eine Autobahn knapp an Hagenbach vorbei. Ihr angeblicher Vorteil gegenüber dem Ausbau der Bienwald-B-9 war denkbar knapp: Mögliche Nistplätze für durchziehende Ziegenmelker würden etwas weniger gefährdet.

Lückenschluss zwischen den Autobahn-Netzen

Dann aber kam Anfang August 2012 nach dem Aus für die Westumgehung Strasbourg auch das Aus für die Bienwald-Autobahn. Beide Projekte waren nämlich damals eng verknüpft. Die Idee war, einen „Lückenschluss“ zwischen dem deutschen und dem französischen Autobahnnetz zu schaffen. Dazu sollte es angeblich sogar eine Vereinbarung zwischen Frankreich und Deutschland geben. Sie war aber schon damals in den Archiven nicht zu finden.

2016 wendete sich das Blatt abermals: Der private Betreiber Vinci erhielt den Zuschlag für eine neue Trasse der Westumgehung. Die 24 Kilometer sollten 553 Millionen Euro kosten. Auch gegen diese Variante gab es starke Proteste, unter anderem weil der Lebensraum von Feldhamstern tangiert war. Südpfälzer Umweltschützer schlossen sich den Protesten mit einem weiteren Argument an: Mit der Westumgehung werde ein „Flaschenhals“ bei Strasbourg geöffnet, danach rolle eine Verkehrs- und vor allem Lastwagenlawine auf den Bienwald zu.

Seit Mitte Dezember 2021 ist der „Flaschenhals“ nach knapp zweijähriger Bauzeit nun offen: Die Westumgehung Strasbourg ist fertig. Von einer Verkehrslawine ist im Bienwald aber nichts zu spüren. Der Grund: Die Maut. Die linksrheinische Verbindung sei keine Alternative zur A5, sagt beispielsweise Volker Nuss von der Spedition Nuss in Wörth. Auf der Bienwald-B-9 zwischen Kandel und Grenzübergang Langenberg müssen Lastwagen schon lange zahlen, die Westumgehung Strasbourg kostet jetzt ebenfalls.

Mautgebühren im Fernverkehr

Zwischen 9 und 16,60 Euro müssen Lastwagen im Fernverkehr zahlen, die genaue Höhe ist unter anderem abhängig von der Uhrzeit. Das gilt auch für Personenwagen: In den Stoßzeiten (7 bis 9 Uhr, 16 bis 19 Uhr) 5 Euro, nachts von 20 bis 7 Uhr 2,20 Euro, ansonsten 3,60 Euro. Mit Wohnwagen oder Wohnmobil kostet die Vorbeifahrt an Strasbourg 4 bis 7,20 Euro.

Wer für einen Tagesausflug nach Strasbourg fährt, muss im übrigen keine Maut zahlen: Er darf nur nicht der neuen Beschilderung folgen und kann weiter die alte mautfreie Strecke benutzen. Und im Bienwald bleibt es auch ruhig: Bis 2030 ist dort keine Autobahn geplant – so steht es im Bundesverkehrswegeplan.

Im Bienwald stemmte sich ein kleine Bürgerinitiative erfolgreich gegen den Ausbau der B9 vom Grenzübergang Langenberg bis zur An
Im Bienwald stemmte sich ein kleine Bürgerinitiative erfolgreich gegen den Ausbau der B9 vom Grenzübergang Langenberg bis zur Anschlussstelle Kandel-Süd zur Autobahn
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