Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Verborgene Bienwald-Schätze abgelichtet

Im zweiten Band dabei: Der Feuersalamander.
Im zweiten Band dabei: Der Feuersalamander.

Froschbiss, Teufelskralle, Wollhaarkäfer – Erwin Rapp hält diese und andere Bewohner des Bienwalds in seinem zweiten Buch fest. Dabei zeigt er eine Seite des Waldes, die flüchtige Besucher kaum zu sehen bekommen. Auf manche Fotos musste selbst der Fachmann zwei Jahre warten.

Der Wald lässt Erwin Rapp nicht los. Genauer gesagt: Der Bienwald. Nach einem Schicksalsschlag im Jahr 2016 zog es ihn regelmäßig dahin, wo er sich schon als kleiner Junge wohlgefühlt hatte: In den Wald bei Kandel. Die täglichen Ausflüge ließen ihn wieder zur Ruhe kommen. „Ich bin dem Wald etwas schuldig“, sagt Rapp noch heute. Aus den über 10.000 Bildern auf seiner Festplatte erstellte er in akribischer Feinarbeit und mit viel botanischer Recherche 2018 sein erstes Buch: „Der Bienwald, Momente eines Jahres.“

Inspiration kam im Schweden-Urlaub

Danach zog es Rapp, Jahrgang 1952, in die Ferne. Erst nach Norddeutschland, dann nach Schweden. „Dort ist noch intensivere Natur, das kann man mit Deutschland nicht vergleichen“, schwärmt der Waldkenner. Doch bevor er einen Umzug planen konnte, legten seine erwachsenen Töchter ein Veto ein: Skandinavien war ihnen als Wohnort des Vaters zu weit entfernt. Derzeit zieht Rapp zurück nach Kandel, später soll es vielleicht einmal Richtung Pfälzerwald gehen. Doch aus dem hohen Norden hatte er die Inspiration für Band 2 mitgebracht.

„Der Bienwald. Verborgene Welten“ ist gleichsam die Fortsetzung des ersten Buches. Diesmal hat er unter anderem Teichbewohner unter die Lupe genommen. Der Taumelkäfer ist genauso zu finden wie der Gelbrandkäfer oder die Spitzschlammschnecke. „Viele wissen nicht, dass der Bienwald ein einzigartiges Habitat für Käfer ist“, sagt Rapp. Bei einer Langzeitstudie habe man über 180.000 Käfer gefunden, die 1000 Arten angehörten.

Ziegenmelker versteckt sich noch

Nun konnte Rapp Begegnungen nachholen, die im ersten Band fehlten. „Der Feuersalamander kam diesmal vorbei.“ Zwei Jahre hatte es gedauert, bis er ein Foto von einer Wildkatze machen konnte. Zunächst dachte Rapp, einen Lagerplatz an der Lauterniederung gefunden zu haben. Wochenlang behielt er den Platz mit einer Wildkamera im Auge - nur um festzustellen, dass dort ein Waschbär unterwegs war. Dann ist ihm zufällig beim Hirschbrunnen im Sommer eine Wildkatze über den Weg gelaufen. Vom Ziegenmelker hat er bis heute nur eine Tonaufnahme, aber kein Bild. „Ich bin immer im Kreis gelaufen, hinter den typischen Tönen her, aber ich habe ihn nie gefunden“, sagt Rapp. Aber vielleicht kommt der Vogel ja in das nächste Werk.

Die Wahrscheinlichkeit für Band 3 ist höher, als es die Wahrscheinlichkeit für Band 2 war, sagt Rapp. Und merkt mit einem Schmunzeln an: Aber erst, wenn es wieder genug Material für 250 Seiten gibt. Das Thema eines dritten Bandes wäre indes ernst: Die Veränderungen durch den Klimawandel, die Auswirkungen der Trockenheit. „ Der Wald sieht so traurig aus. Ich bin erschrocken.“

Von Band 1 hatte er 500 Exemplare drucken lassen, von Band 2 gibt es 300 Exemplare. Einen Bienwald-Kalender gibt es in einer Auflage von 100 Stück. Nachfrage gibt es offensichtlich weit über die Region hinaus: Urlauber aus Aachen, Köln, sogar Berlin hatten sich bei ihm gemeldet und den ersten Band bestellt. „Auch ein Ornithologenverein aus Stuttgart hatte sich gemeldet“, sagt Rapp. Er plant schon die nächsten Projekte, darunter Bilder mit LED-Beleuchtung.

Allerdings wird er sich weiter, bevorzugt am Abend, Zeit für seinen Wald nehmen. „Man muss in den Bienwald reingehen, sich einen ruhigen Platz auf einer Lichtung suchen, innehalten“, rät Rapp. „Dann schärfen sich die Sinne und es kommt die Entspannung.“

Info

„Der Bienwald. Momente eines Jahres“ ( 39 Euro) und „Der Bienwald. Verborgene Welten“ (36,70 Euro) sind in der Buchhandlung Pausch, Kandel, im Naturfreundehaus Kandel und per Bestellung unter bienwald-bildband@online.de erhältlich. Von jedem Buch gehen drei Euro an das Kinderhospiz Sterntaler.

Buchautor und Fotograf Erwin Rapp.
Buchautor und Fotograf Erwin Rapp.
Auf dieses Bild musste Erwin Rapp zwei Jahre warten.
Auf dieses Bild musste Erwin Rapp zwei Jahre warten.
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