Kreis Germersheim Verbandskassen geplündert

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Hier stimmt etwas nicht. Das dachte sich der neue Geschäftsführer des Germersheimer Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine, Eugen Niederer, schon kurz nachdem er am 15. März sein Amt angetreten hatte. „Die Übergabe der Unterlagen hat sechs Wochen in Anspruch genommen, das Sparbuch wurde zurückgehalten“, sagt Niederer auf Anfrage der RHEINPFALZ. Ein Vor-Ort-Termin bei der Sparkasse bestätigte Mitte Mai schließlich den Verdacht des ehemaligen Leiters der Polizeiinspektion Wörth: Auf dem verbandseigenen Konto fehlten 14.000 Euro. Bei einer Überprüfung stieß der Vorstand auf „offenkundige“ Fälschungen im Kassenbuch. Während seiner Amtszeit habe der vorherige Geschäftsführer Karlheinz Croneiß gegenüber den Kassenprüfern etwaige Unregelmäßigkeiten mit „abenteuerlichen Dingen“ begründet, sagt Niederer. Das Sparkassenbuch sei erst verschwunden gewesen, dann angeblich aus Versehen fast verbrannt. Der Kreisverband hat 15 Mitgliedsvereine und 2150 Mitglieder. Auf dem Konto finden sich vor allem Beiträge der Ortsvereine, die diese je nach Mitgliederzahl zu entrichten haben. „Da fehlt ein großes Stück“, sagt Niederer. „Wir hatten immer ein gutes Polster“ für Investitionen oder Geräte. Jetzt „steht uns das Wasser bis zum Hals“. Innerhalb von zwei Wochen hatte der Vorstand die Hintergründe so weit aufgearbeitet, dass der ehemalige Geschäftsführer mit den Vorwürfen konfrontiert werden konnte. Tatsächlich habe Croneiß ein Schuldeingeständnis unterschrieben, den Rückzug von seinen Ämtern und die Rückzahlung des Geldes zugesagt, sagte Niederer. Doch danach sei mehrere Wochen nichts geschehen. Bei einer außerordentlichen Ausschusssitzung wurden alle Vorsitzendenden der Ortsvereine noch einmal auf den aktuellen Stand gebracht. Dann ging Niederer zur Polizei und erstattete Anzeige wegen des Verdachts auf Betrug, Unterschlagung und Urkundenfälschung. „Wir hätten uns auch einen anderen Weg vorstellen können“, sagt Niederer mit hörbarem Bedauern. Die Staatsanwaltschaft in Landau bestätigte auf Anfrage den Eingang der Anzeige. Der RHEINPFALZ liegen Informationen vor, nach denen es auch im Ortsverein des Beschuldigten schon vor einigen Jahren finanzielle Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. In Rheinzabern ist Croneiß weiter Vorsitzender, damals sollen ebenfalls unter seiner Ägide mehrere Tausend Euro verschwunden gewesen sein. Croneiß, bis zur Kommunalwahl 2. Beigeordneter der Ortsgemeinde Rheinzabern, wollte sich auf Anfrage der RHEINPFALZ nicht zu den Vorwürfen äußern. Er bestätigte jedoch, dass er in dieser Woche eine Vorladung bei der Polizei hat. Den Vorsitz in seinem Ortsverein wolle er noch bis zu den Wahlen Ende des Jahres behalten. Allerdings erklärte er, dass er seine Aktivitäten im Kreisverband einschränken und dort keine Veranstaltungen mehr besuchen werde. Außerdem habe er alle politischen Ehrenämter im Gemeinderat Rheinzabern und Verbandsgemeinderat Jockgrim niedergelegt. Der Beschuldigte war bis vor kurzem auch Schatzmeister des Grünen-Ortsverbandes in Jockgrim. Als der Kreisverband der Grünen von den Vorwürfen erfahren hat, wurden umgehend die Kassenunterlagen geprüft und Kontobewegungen nachvollzogen, sagte gestern der Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes, Bundestagsabgeordneter Tobias Lindner. Das Ergebnis: „Auch dort ist es zu Unregelmäßigkeiten gekommen“, mehrere Tausend Euro fehlen. Da strafbare Handlungen nicht auszuschließen seien, habe der Kreisverband ebenfalls Polizei und Staatsanwalt informiert, sagt Lindner. Noch am Pfingstmontag sei ein Parteiausschlussverfahren auf den Weg gebracht worden. Anders als Gartenbauvereine habe eine Partei keine andere Möglichkeit, auf einen solchen Verdacht zu reagieren. Denn es gehe um öffentliches Geld, laut Paragraf 31d im Parteiengesetz seien unrichtige Angaben ein Straftatbestand. „Und wir können nicht ausschließen, dass der Rechenschaftsbericht falsch ist“, sagt Lindner.

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