Kandel
Verbandsbürgermeisterwahl: So lief der Abend im Foyer der Verwaltung
Mike Schönlaub (SPD) ist künftiger Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel. Er konnte die Wahl am Sonntag für sich entscheiden, wenn auch mit einem knappen Vorsprung von nur 97 Stimmen. Für seinen Mitbewerber Martin Volz, der von den Freien Wählern und der CDU unterstützt worden war, sprachen sich 49,2 Prozent der Wähler aus, auf Schönlaub entfiel ein Anteil von 50,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 45,7 Prozent und damit unter dem Wert (46,9 Prozent) der letzten Bürgermeisterwahl.
Die Auszählung im Foyer der Verbandsgemeindeverwaltung hätte spannender nicht verlaufen können. Auf einem großen Bildschirm konnten viele Anwesende, darunter auch Freunde und Unterstützer der Kandidaten, deren Ehepartner mit gekommen waren, die Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen verfolgen.
Die Briefwahl dauert am längsten
Am schnellsten lag das Ergebnis der Ortsgemeinde Winden vor, es wurde gegen 18.22 bereits gemeldet. Hier lag Mike Schönlaub mit 212 Stimmen (55,1 Prozent) deutlich vor Martin Volz, für den 173 Windener (44,9 Prozent) gestimmt hatten. Volz hatte in Minfeld, wo er seit 2019 auch Ortsbürgermeister ist, die Nase deutlich vorne und erzielte 65,3 Prozent. Auch Steinweiler stimmte mehrheitlich für Volz. In Erlenbach, Vollmersweiler und vor allem in Freckenfeld, Schönlaubs Heimatgemeinde, sprach sich die Mehrheit für den SPD-Bewerber aus. Auch in Kandel lag er schließlich vorne. Hier sorgten die vielen Briefwähler, insgesamt 2637, dafür, dass die Feststellung des Endergebnisses etwas länger dauerte. Die Briefwahlen aus Kandel wurden in der Stadthalle durch einen eigenen Wahlvorstand ausgezählt. Die Beobachter vor Ort zeigten sich mehrfach irritiert von den Zahlen, weil immer wieder Zwischenergebnisse eingeblendet wurden.
Büroleiter Jens Forstner konnte gegen 18.50 das vorläufige Endergebnis bekanntgeben. Bei den Anhängern von Schönlaub, gekommen waren SPD-Kommunalpolitiker aus dem ganzen Kreis, auch die frühere Abgeordneter Barbara Schleicher-Rothmund vor Ort, brach daraufhin lauter Jubel aus. Zu den ersten Gratulanten zählten aber der unterlegene Mitbewerber Martin Volz, der amtierende Bürgermeister Volker Poß und dessen Vorgänger Günther Tielebörger.
Freunde und Unterstützer für beide Kandidaten
Schönlaub konnte man die Anspannung den ganzen Abend über anmerken. Er war mit Frau und Tochter schon kurz nach 18 Uhr in die Verwaltung gekommen und beobachtete die eingehenden Ergebnisse. Als Büroleiter Jens Forstner ins Foyer kam, signalisierte dieser ihm unauffällig, dass er sich nun entspannen dürfe. Das Rennen war gelaufen, der umfangreiche und intensive persönliche Wahlkampf bis in die letzten Stunden des Samstags hinein hatte sich gelohnt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ dankte er seinem Mitbewerber Martin Volz (FWG und CDU) für einen fairen Wahlkampf, bei dem man sich gegenseitig respektiert und geachtet habe. Jetzt sei er froh, wieder Zeit für seine Familie zu haben und sich in Ruhe auf die neuen Aufgaben vorbereiten zu können. Er werde sich bemühen, mit der Mehrheitskoalition aus CDU und Freier Wählergruppe im Verbandsgemeinderat und den drei Beigeordneten gut und konstruktiv im Interesse der Verbandsgemeinde zusammen zu arbeiten, so Schönlaub.
Martin Volz, der bei aller Enttäuschung über die Niederlage doch froh über ein so gutes Abschneiden sein darf, wird im Verbandsgemeinderat weiterhin Fraktionssprecher der Freien Wählergruppe bleiben. Und Ortsbürgermeister von Minfeld. Auch er hatte in den letzten Wochen und Monaten fleißig für sich geworben. Das hat sich bezahlt gemacht, fuhr er doch ein respektables Ergebnis ein. Anders als Schönlaub wurde er spät nominiert und musste sich in den Nachbargemeinden erst bekannt machen.
Die SPD bleibt an der Macht
Am Abend kamen auch viele Freunde und Mandatsträger der FWG und auch der CDU zur Auszählung, unter ihnen auch Wörths Bürgermeister Steffen Weiß. Sie alle hatten auf einen Erfolg von Volz gehofft, weil man einen Neuanfang an der Spitze der Verbandsgemeindeverwaltung wollte. Hier stellt die SPD seit Gründung der Verbandsgemeinde jeweils den Bürgermeister mit Oskar Böhm, Günther Tielebörger und Volker Poß, der nach 16 Jahren nicht noch einmal antreten wollte.
Poß auf unsere Frage, wie er sich an diesem Abend so fühle: „Jedenfalls besser als vor acht Jahren“. Damals hatte er mit Michael Niedermeier einen Gegenkandidaten der CDU. Gegen ihn holte er mit 54,5 Prozent aber einen deutlicheren Vorsprung. Schönlaub, sein bisheriger Fachbereichsleiter Bürgerdienste, wird nun sein Nachfolger.
