Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Venture Campus Pfalz: Gründer dringend gesucht

Michael Englert.
Michael Englert.

Deutschland spielt in der Forschung eine wichtige Rolle. Bei der Gründung von Start-ups hinkt das Land hinterher. Das will Venture Campus Pfalz nachhaltig ändern.

Vom Büro von Michael Englert, dem Vorsitzenden des Technologie-Netzwerks Südpfalz, reicht der Blick über die Gebäude von ITK Engineering bis hin zum Pfälzerwald. Also über einen der vielen Technologiestandorte und die Südpfalz. „Wir haben hier so viele kluge Köpfe“, sagt Englert. Aber es gelinge Deutschland nicht, dies in Unternehmen umzusetzen. Das will Englert mit Mitstreitern ändern.

Regionale Wirtschaft stärken

Die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz und das Technologie-Netzwerk Südpfalz gründen zusammen den Venture Campus Pfalz (VCP). Ziel ist die Stärkung der regionalen Wirtschaft durch die „effiziente Transformation wissenschaftlicher Spitzenforschung in marktfähige Produkte und Dienstleistungen“, so Englert. Dass das gelingen kann, davon ist Englert überzeugt. Es sei das erste Mal, dass länderübergreifend kooperiert werde. „Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz investieren beide in den Campus“, freut sich Englert sichtlich. Zu beiden Hochschulen unterhält der ITK-Gründer hervorragende Beziehungen. Entstehen soll ein „innovatives Ökosystem“. Der „Campus wird eine GmbH ohne Gewinnerzielungsabsicht“, verdeutlicht Englert.

Talente werden gesucht

„Wir machen Scouting“, fährt der Kuhardter fort. An jeder Universität, an jeder Hochschule schlummerten gute Studenten mit Ideen. Diese sollen direkt aus dem Studium oder bei ihrer Dissertation abgegriffen werden. Es werden Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen vernetzt, um wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Lösungen zu überführen. „Wir ermutigen sie, wir bieten Unterstützung bei der Erstfinanzierung an“, beschreibt Englert das Vorgehen des Campus. Es werde zudem Unterstützung bei der zweiten Finanzierungsrunde erfolgen. Oftmals gibt es Englert zufolge hierbei Probleme, und Start-ups stünden vor dem Aus. Der VCP gehe Themen mit einer mittelständischen Denkweise an – „schnell, pragmatisch und unbürokratisch, was zu einer hohen Erfolgsquote führen wird“, ist sich Englert sicher.

Finanzstarke Kooperation

Die Finanzierung ist Michael Englert zufolge gegeben. Zusammen mit den drei Banken in der Südpfalz, der IHK und der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) sei Geld durch die Venture-Capital Südpfalz (VCS) vorhanden. „Es fehlen nur die Gründer“, sagt Englert. „Wir machen die Vorprüfung, übernehmen das Mentoring und die Bürokratie und empfehlen das Start-up der VCS“, erläutert der Firmengründer die Vorgehensweise. So stehe die erste Finanzierung. Für die weitere Finanzierung kämen unter anderem auch Privatpersonen, Family Offices, regionale Banken oder Private Equity (privates Geld, das Investoren in nicht börsennotierte Unternehmen zum Ziel der Wertsteigerung investieren, Anmerk. d. Red.) zum Zuge.

Büros und Labore

Für die neuen Unternehmen bietet der Campus in Rülzheim und auch in Landau die Infrastruktur. Es werden Co-Working-Spaces, Büros oder Labore bereitgestellt. Letztlich ist für Englert der Venture Campus Pfalz ein Schulterschluss von mittelständischen Unternehmen mit der Wissenschaft in der Pfalz und Nordbaden. Es werde ein lebendiges Start-up-Umfeld geschaffen und die Pfalz als Innovationsstandort positioniert. Die Kapitalausstattung erschließt sich durch die Beteiligungen der Gesellschafter und Gründungsmitglieder – insgesamt stehen rund 500.000 Euro zur Verfügung. Das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz hat ebenfalls eine Förderung in Aussicht gestellt. Und auch die Gebietskörperschaften der Region wollen sich beteiligen. Wenn alle Unterschriften vorhanden sind, steht Michael Englert zufolge die Gründung der GmbH an.

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