Kreis Germersheim Um Geld für Astropolis gebeten

Zum Bürgerfest beim Bundespräsidenten war diesmal auch Silvia Kempf-Diehl, die Leiterin Soziale Arbeit Südpfalz für den Internationalen Bund (IB) und Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses (MGH) eingeladen. Ein paar Fotos vom Schlosspark Bellevue und von dem Kleid, das sie laut Dresscode tragen musste, streute sie in ihren turnusmäßigen Bericht über die Arbeit des MGH ein. Denn dieses Kleid hat Martha genäht. Jene Frau aus Kamerun, die einige Zeit im MGH betreut wurde und sich jetzt als Schneiderin in Wörth selbstständig gemacht hat.
Eines von vielen Beispielen erfolgreicher aber auch mühsamer Sozialarbeit. Bei der Herbsttagung des Kuratoriums des MGH ging es darum, wie diese Arbeit organisiert, gemanagt und finanziert wird. Das Kuratorium, ein Ausschuss der Stadt Wörth, setzt sich aus Vertretern der Stadtratsfraktionen und Mitarbeitern des MGH unter Vorsitz der ehrenamtlichen Beigeordneten Ursula Radwan zusammen. Gerhard Justus vom IB Soziales Pfalz/Saarland stellte den Doppelhaushalt 2015/16 mit Einnahmen von insgesamt 134 000 Euro und Gesamtkosten von 287 050 Euro vor. Ein Schwerpunkt ist die Kinderstadt Astropolis, die 2016 wieder in Wörth sein wird. Dieser dreiwöchige Höhepunkt der Sommerferien wird hauptsächlich mit Elternbeiträgen und Spenden finanziert. Bleiben 218 000 Euro, die die Stadt für das MGH einsetzen möge, so der Haushaltsbeschluss als einstimmige Empfehlung des Kuratoriums an den Stadtrat. 32,5 Stunden hat das Kinder-und Jugendzentrum im MGH pro Woche geöffnet, berichtete Diplom-Sozialpädagoge Mathias Rösler von gemeinsamem Töpfern, Kochen oder Sport. Das Hip-Hop-Studio im Keller werde rege genutzt und der Disco-Raum werde von jeder Generation neu gestaltet. So gut, dass sie in den Herbstferien wiederholt werden musste, kam die Mädchenübernachtung an Pfingsten an. Den wöchentlichen Obstteller, den die Wörther Tafel spendiert, wollen die Kinder und Jugendlichen nicht mehr missen. Beim bevorstehenden Weihnachtsmarkt in Wörth, so Rösler, sei das Kinder und Jugendzentrum mit einem Fotostudio im Lupperthaus vertreten. Maria Pröllochs und Jonathan Walz haben neuen Schwung in das Jugendzentrum Maximiliansau gebracht. Das Team hat die Räume renoviert, demnächst werde noch ein Kellerraum hergerichtet. Sehr beliebt sei freitags die Koch-AG. Ebenso gut komme das Mädchenzimmer mit Schminkzeug und Spiegeln an. Aufsuchende Jugendarbeit lautet die zweite halbe Planstelle von Walz. Also ist er als Streetworker vor allem abends und nachts dort unterwegs, wo die Jugendlichen sich treffen. Da er mit dem Studium beginnt, kommt 2016 eine Nachfolgerin, teilte Kempf-Diehl mit. 50 unterschiedliche Angebote gab es im Haus der Familie unter dem Dach des MGH für 1500 Besucher im vergangenen Jahr. Das Familienbüro, die Ehrenamtsbörse, die Schulsozialarbeit werden von Diplom-Pädagogin Christine Stolz geleitet. In Zukunft, so kündigte die Koordinatorin an, werde das Team zunehmend mit der Betreuung von Flüchtlingen vor allem unbegleiteten Minderjährigen gefordert sein. Das Hauptproblem sei die Personalsituation, der Arbeitsmarkt von Pädagogen sei geradezu leer gefegt, auch die Bezahlung sei ein Knackpunkt. Dem werde zunächst mit einer geringfügigen Erhöhung der Bezüge Rechnung getragen, führte Gerhard Justus aus. „You are welcome“ brachte Kempf-Diehl am Ende der Kuratoriumssitzung die Herausforderung der nächsten Monate auf den Punkt. (mldh)