Schaidt
TuS 08: Bald keine Heimspiele in Schaidt mehr möglich
Gernot Sambach ist Vorsitzender des TuS 08 Schaidt, des mit mehr als 800 Mitgliedern wohl größten Vereins im Ortsbezirk Schaidt. Dessen Aktivitäten erstrecken sich bei weitem nicht nur auf den Fußballsport, es gibt auch rege Abteilungen für Gymnastik, Turner oder Kampfsportler, etwa Karate. Aber der Fußball spielt natürlich eine ganz herausragende Rolle. Wir treffen den Vorsitzenden Sambach zu einem seit längerem vereinbarten Gespräch in der „Grenzgrawehalle“, einem Anbau an das Clubhaus. Von hier hat Gernot Sambach einen guten Blick auf den Rasenplatz, auf dem seit längerem allerdings niemand mehr spielt, noch nicht einmal trainiert.
Und bei dessen Anblick gerät der Vorsitzende oft ins Grübeln. Nicht ohne Grund: Der Platz ist seit längerem schlicht und ergreifend gesagt nicht bespielbar. Der Zustand des Rasenplatzes ist derart schlecht, dass er eine Gefahrenquelle wäre für alle, die sich hierauf bewegen. Er muss allerdings unterhalten, das heißt regelmäßig gemäht werden, Mitarbeiter des städtischen Bauhofes und freiwillige Helfer des Vereins haben viel Arbeit mit dem Fußballplatz, auf dem nicht mehr gespielt wird. Alle Spiele werden auf dem südöstlich davon angelegten Kunstrasenplatz statt, und der wird dementsprechend kräftig strapaziert.
Der Countdown läuft
Angelegt wurde der Kunstrasen schon 1986, eine Sanierung erfolgte im Jahre 2010. Nach Angaben der Herstellerfirma kann dieser Platz wohl nur noch zwei, höchstens drei Jahre benutzt werden. Dann ist eine grundständige Erneuerung der Anlage unumgänglich. Und das genau treibt dem Vorsitzenden den Schweiß auf die Stirn: Denn wo soll dann trainiert werden, wo werden die Spiele ausgetragen, wenn auch der Rasenplatz seit Jahren schon unbenutzbar geworden ist? Ein Dilemma also, das sich hier abzeichnet für den Verein.
Längst sind auch die politischen Gremien alarmiert. Schon 2016 hatte die Stadt Wörth deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) aus Trier hatte sich damals mit der Gesamtproblematik befasst und Überlegungen zur Zukunft der Aschenbahn angestellt, die um den Rasenplatz herum angelegt war. Auch sie kann seit Jahren nicht mehr genutzt werden, wird auch nicht mehr gepflegt. Die Leichtathletikabteilung liegt derzeit auch brach, wie man auf der Homepage des TuS 08 Schaidt erfährt. Nachdem die Bundesjugendspiele in bekannter Form abgeschafft wurden, werden weder Laufbahn noch Sprunggrube unbedingt benötigt.
Hoffen auf das Land
Was zu tun ist, wird seit langem diskutiert. Etwa 2019 bereits im Ortsbeirat. Hier versicherte der damals gerade wieder neu gewählte Ortsvorsteher Kurt Geörger, dass die Stadt sich der Situation bewusst sei und man alles tue, um die Spielfähigkeit sicherzustellen. Mittel für die Planung der Neuanlage des Rasenplatzes seien in den Haushalt der Stadt eingestellt. Im Jahre 2023 stellte die Stadt einen Antrag auf Aufnahme in die Prioritätenliste des Landesprogrammes, auch als „Goldener Plan“ bekannt. Darin wurde erneut begründet, weshalb der Verein mit damals sieben Jugend- und zwei aktiven Mannschaften sowie einer AH-Mannschaft auf den zweiten Platz angewiesen ist. Damals konnte der Naturrasenplatz „nur noch wenig“ genutzt werden, auch fehlen hier eine Flutlichtanlage und eine Drainage, um den Platz nach starkem Regen rasch zu entwässern.
Verwiesen wird in dem Antrag an die Kreisverwaltung auch auf das ISE-Gutachten aus dem Jahre 2016, das drei Sanierungsvarianten empfahl. Welchem der Vorzug gegeben werden sollte, wollte man in einer Konzeptstudie ermitteln. Spätestens im Frühjahr 2024 wollte man ein Fachbüro mit dieser Aufgabe betrauen. Zwischenzeitlich hat der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) dem TuS Schaidt mitteilen können, dass der Kreis das Vorhaben in Schaidt den sechsten Platz auf der Prioritätenliste eingeräumt habe.
Eine Fraktion äußert sich nicht
Vorsitzender Sambach erinnerte in Mails kurz vor der Kommunalwahl die Stadtratsfraktionen an dieses Vorhaben und an die Probleme des Vereins, verwies auch auf Versprechungen der Stadt. Am 2. Juni erhielt er vom Mario Daum die Information, dass seine SPD-Fraktion fortwährend über den Stand der Dinge in Schaidt unterrichtet werde. Hierfür sorgten die Ratsmitglieder Hartmut Kechler und Herbert Hauck aus Schaidt. Daum bat um Verständnis, dass die Mitarbeiter der Verwaltung das Thema noch nicht angepackt hätten. Andere Vorhaben hätten Ressourcen gebunden, so Daum, der hier die Diskussionen um die Fußballplätze in Maximiliansau und Büchelberg als Beispiel nannte und an die Ideen rund um das Schauffele-Gelände.
Im Doppelhaushalt 2023/24 habe man jedoch vorsorglich 55.500 Euro für eine Konzeptstudie eingestellt, bleibe „gemeinsam am Ball“, so der SPD-Mann. Auch Beigeordneter Thomas Krämer teilte mit, dass die Grünen grundsätzlich der Meinung seien, dass man funktionierende Sportstätten benötige und sie sich dafür einsetzen würden. Auch der vor neugewählte Bürgermeister der Stadt Wörth, Steffen Weiß (Freie Wählergruppe Bienwald) antwortete dem TuS-Vorsitzenden. Er wünsche sich ein ganzheitliches Gesamtkonzept für die Sportstätten.
Seitens der CDU-Stadtratsfraktion habe er bisher allerdings keine Reaktion vernehmen können, bedauert Gernot Sambach. Die CDU stellt, ganz nebenbei bemerkt, im neu gewählten Ortsbeirat Schaidt nun die größte Fraktion, ebenso im neuen Wörther Stadtrat. Auch sind viele CDU-Vertreter aktive Mitglieder im TuS Schaidt, sagt Sambach und wundert sich darüber schon ein wenig.
Nun, die Wahlen sind gelaufen, der Stadtrat wird demnächst zu entscheiden haben, welches Fachbüro die Konzeptstudie für den Fußballplatz in Schaidt erstellt. Nun müsse langsam etwas Konkretes passieren, sonst müssten die Schaidter ihre Heimspiele bald auswärts austragen. So ähnlich wie vor einiger Zeit noch die Nachbarn aus Büchelberg, dem anderen Ortsbezirk mit erfolgreicher Fußballmannschaft. Das müsse verhindert werden, sagt Sambach und blickt erneut mit sorgenvoller Miene auf den unbrauchbaren Naturrasenplatz und die ihn umgebende zwischenzeitlich nun ganz mit Gras bewachsene Aschenbahn.