Hatzenbühl / Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz gutem Schloss Fahrrad entwendet

Wo viele Fahrräder sind, haben Diebe eine große Auswahl.
Wo viele Fahrräder sind, haben Diebe eine große Auswahl.

Die Nächte waren in den vergangenen Tagen stürmisch. Das hat ein Dieb oder vielleicht sogar eine ganze Bande ausgenutzt. Aus einem Schuppen wurde ein teures E-Bike gestohlen. Und es gibt sogar einen Film.

Nach dem Sturm in der Nacht von Sonntag auf Montag ging der Bewohner eines Hauses in den Hof und vorbei am Unterstand, in dem seine beiden Fahrräder stehen. Doch das „Top-Rad, ein E-Bike“ im Wert von über 4000 Euro war weg, sagt der Radbesitzer. Da es sich um ein geleastes Job-Rad handelt, war es mit einem entsprechenden Schloss gesichert und „ich habe den Akku und den Tacho mit Steuerung“ ausgebaut und mit in die Wohnung genommen, sagt er weiter. Die Versicherung der Leasing-Firma sei inzwischen benachrichtigt. Die habe nicht nur Fotos der Fahrräder und der Fahrgestellnummer gewollt, sie wollte sogar Fotos vom Unterstand. Der Radbesitzer ist sich sicher, dass der oder die Täter das Fahrrad durch den Ort getragen haben müssen.

Mann mit Kapuze im Hof

Nach der Online-Anzeige bei der Polizei Wörth stellte er den Vorfall in eine Social-Media-Gruppe – und „es hat keine fünf Minuten gedauert, erhielt ich die Nachricht einer Nachbarin, dass in derselben Nacht ein Unbekannter in ihrem Hof war“, sagt er. Davon gebe es ein Video. Auf dem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie ein schlanker Mann mit dunkler Jacke und Kapuze, Jeans, um 2.01 Uhr am Montag den Hof betritt, sich zwischen geparkten Autos umschaut und wieder geht. Das Video und die Fotos seien inzwischen an die Polizei in Wörth weitergeleitet worden.

In der Nachbarschaft wurde indes bekannt, dass in der Nacht zwei Häuser weiter ein weiteres Fahrrad gestohlen wurde – diesmal ein Rad mit Kinderanhänger. Der Bestohlene geht davon aus, dass eine Bande Hatzenbühl heimgesucht hat. Für ihn ist es ärgerlich, weil er wegen einer Operation derzeit nicht richtig gehen kann und mit seinem E-Bike jedoch mobil war. Nun hofft er auf ein Ersatzfahrrad. Sein Vermieter hat ihm inzwischen erlaubt, an der Wand des Unterstands eine Befestigung anzubringen, um ein potenzielles neues Rad dort zusätzlich anzuschließen.

Geringe Aufklärungsquote

Der Leiter der Polizeiinspektion Wörth, Thomas Lederer, zeigt sich froh über Hinweise, die aus der Bevölkerung kommen. Das Videomaterial werde Kollegen gezeigt, die vielleicht die Person kennen könnten. Auch wenn an einem Abend wie in dem Fall in Hatzenbühl mehrere Räder entwendet wurden, gibt es vielleicht weitere Aufnahmen von Überwachungskameras, die dieselbe Person an einem anderen Ort zeigen, vielleicht klarer zu erkennen.

Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre wurden im Bereich der Polizei Germersheim und Wörth etwa 350 Fahrräder jährlich entwendet – Tendenz sinkend. Im Bereich Landau werden durchschnittlich weitere 250 Räder pro Jahr gestohlen. Die Aufklärungsquote pendelt zwischen 6,5 und knapp 20 Prozent. In den meisten Fällen haben also die ehemaligen Besitzer kaum Glück, ihr Fahrrad wieder zu bekommen. Anders als der 14-Jährige aus Lustadt, der am Dreikönigstag dieses Jahr sein Rad unverschlossen vor einem Supermarkt abgestellt hatte und es dann weg war. Diesen Montag rief der Jugendliche die Polizei, weil er einen Fremden auf seinem Rad gesehen hatte. Polizisten stellten den Dieb, das Fahrrad ging an den rechtmäßigen Besitzer zurück.

Rund 81.483 Euro Schaden entstand im Bereich der Germersheimer Polizei durch Fahrraddiebstähle im Jahr 2020. Im Vorjahr waren es 113.335 Euro – also rund 480 Euro je gestohlenem Rad. Natürlich sind darunter sehr teure Fahrräder, aber auch solche mit geringerem Wert. Entkommen ist der Germersheimer Polizei im Juli vergangenen Jahres nämlich, wie sie selbst schreibt, ein „Neandertaler“, der auf eher ungewöhnliche und offensichtlich wenig effektive Art das Schloss eines Fahrrades zu knacken versuchte. Eine Anwohnerin hatte über seit eineinhalb Stunden andauernde Klopfgeräusche beschwert. Ein Mann hatte versucht mit zwei großen Steinen ein Fahrradschloss zu knacken. Das Objekt seiner Begierde war ein altes lilafarbenes Damenrad. Wert: zirka 30 Euro.

ADFC rät zur Codierung

Ist ein Fahrrad codiert, wird der Verkauf schwerer. Darauf weist der ADFC hin. Denn die Codierung zeigt, wer der Eigentümer ist. Der Code, der bei Aktionen des ADFC an dem Rahmen eines Rades angebracht wird, setzt sich aus Ziffern und Buchstaben zusammen. So ist ein Bestandteil des Fahrradcodes das Autokennzeichen und der Gemeindecode des Wohnortes. Weiter gibt eine fünfstellige Zahl die Straße an und drei weitere Ziffern die Hausnummer. Die Initialen der Eigentümerin sowie die zweistellige Jahreszahl der Codierung runden den individuellen Fahrradcode ab. Der ADFC weist darauf hin, dass bundesweit etwa 90 Prozent aufgefundener Räder nicht zu ihren Besitzern – trotz Rahmennummer – zurückfinden, weil die Fahrer ihr Fahrrad nicht eindeutig beschreiben können. Deshalb rät der ADFC zur Fahrradcodierung und dem bundeseinheitlichen Fahrradpass der Polizei.

Fahrradpass auch als APP

Mit dem Fahrradpass können gestohlene Räder zweifelsfrei identifiziert, Raddiebe direkt überführt und die Fahrräder den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Der Pass beinhaltet neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radbesitzers. Darüber hinaus gehört ein Foto des Rads dazu. Den Fahrradpass gibt es analog als Printversion oder digital in den jeweiligen App-Stores.

Der Vorteil der App ist, dass sich darin die Angaben mehrerer Räder problemlos verwalten lassen. Sämtliche Inhalte können ausgedruckt, per Mail im Textformat oder als PDF-Anhang verschickt werden. Wenn also das Fahrrad unterwegs gestohlen wird, kann die Polizei vor Ort sofort informiert werden und bei Bedarf auch der Versicherer. Denn in den meisten Fällen hat der Radbesitzer sein Smartphone mit dabei.

Kürzlich entdeckten Polizisten in Ludwigshafen in einem Keller 37 Fahrräder sowie Fahrrad-Teile. Bilder der Gegenstände sind unter https://s.rlp.de/0tjdY veröffentlicht. Auch in Wörth wurden drei Räder sichergestellt. Ausgehändigt werden die Räder oder Radteile nur gegen Vorlage eines Eigentumsnachweises (z.B. Rechnung).

Gut ausgestattet, können Diebe schnell Beute machen.
Gut ausgestattet, können Diebe schnell Beute machen.
In vielen Fällen kommen auch technische Hilfsmittel zum Einsatz.
In vielen Fällen kommen auch technische Hilfsmittel zum Einsatz.
Mit einem guten Schloss, mit dem das Fahrrad zum Beispiel an einem Ständer befestigt werden sollte, kann man Langfingern ihr Tun
Mit einem guten Schloss, mit dem das Fahrrad zum Beispiel an einem Ständer befestigt werden sollte, kann man Langfingern ihr Tun zumindest erschweren.
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