Wochen-spitzen
Tricks schnell durchschaut
Aufhören, wenn’s am schönsten ist?
Michael Niedermeier ist nicht nur Bürgermeister von Kandel. Er ist auch in der CDU sehr engagiert. Und er ist sehr erfolgreich. Das sieht zumindest er so. Er habe viel für die CDU in Kandel gemacht und werde dies auch noch weiterhin tun, zitiert ihn die CDU Kandel jetzt in einer Pressemitteilung, die er selbst verschickt hat. „Erfolgreich habe ich mit einem großartigen Team und einer super Gemeinschaftsleistung, gemeinsam mit Euch die Kommunalwahlen 2019 gewonnen. Auf allen Ebenen. Und seither dreht sich das Rad viel schneller. Kandel kann mehr; dieses Motto will gefüllt werden. Das tun wir und ich im Amt des Bürgermeisters in der Stadt ununterbrochen auf allen Ebenen“, so laut CDU der Wortlaut von Niedermeiers Rede bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung. Natürlich ist dieses Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. Denn einmal wäre die ganze Rede zu lang. Und zum anderen haben wir die Pointe von vorne nach hinten verlegt: Des Spannungsbogen wegen. Hier ist sie: Niedermeier begründet mit dieser überwältigenden Leistungsbilanz seinen Rückzug vom Amt des CDU-Vorsitzenden in der Stadt Kandel.
Aber vielleicht war Niedermeiers Botschaft ja auch eine ganze andere: „Gleichzeitig möchte ich auch weiterhin mein Amt als Vorsitzender der CDU in der Verbandsgemeinde weiter ausfüllen und als stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender an Bord bleiben und mich einbringen“, sagte er nämlich auch. Könnte heißen: Mehr Aufhören habe ich aber nicht vor, auch wenn’s gerade so schön ist.
Fast ausgefallener Kerwesonntag
„De Riesling werd knapp“ – diese Katastrophenmeldung war das einzige „K“, das von Karussell, Karamellen und Kerwe in Lingenfeld noch übrig war. Dafür jagte ein „G“ dem anderen nach: Geimpft, genesen oder getestet waren alle Gäste im großen, voll besetzten Garten des Gesangvereins. Gesang, Geselligkeit und gute Laune beherrschten die Stimmung unter glänzend-blauem Himmel. Gute Laune, dafür hatten die Dorfmusikanten schon zum Frühschoppen gesorgt. Gesang boten die genialen Altrheibuwe am Nachmittag und begeisterten mit ihren originellen Texten. Gemütliche Geselligkeit stellte sich unter diesen Voraussetzungen ganz schnell ein, zumal auch die Gastronomie stimmte. So bleibt an diesem fast ausgefallenen Kerwesonntag ein Gefühl der Freude und Zufriedenheit, sowohl bei den Gästen, die Stunden gepflegter Fröhlichkeit erlebten, wie auch bei den Veranstaltern, deren gebeutelte Kasse sich etwas erholen konnte, um die kommenden kulturellen Aufgaben bewältigen zu können. Es zeigte sich aber auch, wie wichtig solche Initiativen Einzelner sind, um langsam das große Trauma zu überwinden und auch gefühlsmäßig aus grauem Nebel in die Normalität zurückzufinden.
Die Möwe vom Gollenberg
Vor einigen Tagen auf dem Bellheimer Gollenberg: Wir waren am hellen Vormittag mit dem Rad unterwegs - plötzlich ein Eulenruf, wie ihn jeder aus Gruselgeschichten kennt. So klingt ein Käuzchen. Aber jetzt hier im Wingert - tagsüber bei strahlendem Sonnenschein? Das kann nicht sein. Und ein paar Minuten später Möwengeschrei - das gibt's doch nun wirklich nicht bei uns. Schließlich noch Greifvogelrufe. Und dann dämmert es uns - da ist Technik im Spiel. Hier sollen die traubenliebenden Vögel aus den Weinbergen vertrieben werden. Wir sahen dann von weitem auch den Drachen mit der Greifvogel-Silhouette, der sich über den Reben im Wind bewegte. Es könnte allerdings sein, dass die klugen Stare den Trick schneller durchschauen und sich die Trauben trotzdem schmecken lassen.
Ein schönes Wochenende
Andreas Lapos, Hermann Settelmeyer und Erhard Vortanz