Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Treffpunkt auch an Heiligabend: Bistro „Don C.“ bleibt geöffnet

Alexander Zeiß und Stammgast Peter Krauß.
Alexander Zeiß und Stammgast Peter Krauß.

An Heiligabend öffnet das Bistro „Don C.“ in Kandel für Gäste, die den Tag nicht allein verbringen wollen. Auch darüber hinaus ist das Lokal für viele ein fester Treffpunkt.

„Ich will den vielen Menschen etwas zurückgeben, die mich das ganze Jahr unterstützen. Sie sollen an diesem Tag nicht alleine sein“, sagt Alexander Zeiß. Der Pächter des Bistros „Don C.“ lädt an Heiligabend von zehn bis 13 Uhr zu einem Weißwurstfrühstück ein. Ab 21 Uhr ist wieder geöffnet zum gemütlichen Beisammensein. Weil viele seiner Stammgäste über den Jahreswechsel Urlaub haben, öffnet er auch an den beiden Montagen vor und nach Weihnachten. Der Montag ist sonst der einzige Ruhetag. An allen anderen Tagen öffnet das Bistro ab 9 Uhr.

Einer, der fast täglich vorbeischaut, ist Michael Hirsch (57). Er erinnert sich: „In den vergangenen Jahren war am 24. Dezember immer richtig was los, oft ging es bei gelöster Stimmung bis in die frühen Morgenstunden.“ Der Name „Don C.“ hat Tradition. In den Räumen in unmittelbarer Nähe von Sparkasse und Verbandsgemeindeverwaltung wurde früher die Pizzeria „Don Camillo“ betrieben.

Einer der letzten Treffpunkte in Kandel

Das Bistro mit Dartautomat und Kickerkasten hat nicht nur an Heiligabend ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist einer der wenigen verbliebenen Treffpunkte in Kandel und Umgebung, an dem man sich abends bei einem Getränk ungezwungen unterhalten kann. Vorbei sind die Zeiten, als der „Grüne Baum“ oder die „Bauernschänke“ zu den mehr als 20 Traditionswirtschaften in der Bienwaldstadt gehörten.

Ein Urgestein am Viehstrich ist Peter Kraus. Der 66-jährige Rentner steuert häufig den Kleinbus der Fußballer zu Auswärtsspielen, liefert für eine Apotheke Medikamente aus und ist aktiver Musiker im Spielmannszug Schaidt. Kraus erzählt: „Das waren einfach schöne Zeiten. Im ,Don C.’ ist es ähnlich, absolut authentisch. Jeder gibt sich so, wie er ist. Zudem treffe ich hier immer andere FCK-Fans.“

Bei den TV-Übertragungen der Spiele der Roten Teufel ist der Andrang groß: Die Kneipe ist voll besetzt, bei Siegen gibt es Ouzo aufs Haus. Die Fußballer des FC Bienwald haben nach der Zwangsschließung ihres Clubhauses wegen eines Brands eine zweite Heimat gefunden. Sie feiern bei Zeiß häufig ihre Siege gemeinsam mit den Fans, die sich vor Auswärtsspielen hier treffen und Fahrgemeinschaften bilden. Nach dem Derbysieg montags in Herxheim öffnete Alexander Zeiß eigens sein Lokal.

Die Tradition nicht aussterben lassen

Seine Eltern stammen aus Kandel. Durch den Beruf seines Vaters bei einer Wörther Raffinerie hat Zeiß viele Länder kennengelernt, darunter Singapur, Indonesien und Venezuela. Erfahrungen in der Gastronomie sammelte er in Berlin, wo er im Stadtteil Reinickendorf eine Gaststätte betrieb.

2009 kehrte er nach Kandel zurück. Ähnlich wie in der Hauptstadt lädt er regelmäßig zu Veranstaltungen ein, etwa zu einem Sommerfest, einer Faschingsparty oder einem Kickerturnier. Während der Fußball-WM im kommenden Jahr möchte er in einem Biergarten Grillspezialitäten zu den Übertragungen anbieten.

Seinen Vorgänger unterstützte Zeiß freitags als DJ. So erfuhr er frühzeitig, dass dieser nach vielen Jahren aufhören wollte, und entschloss sich zur Übernahme. Der 40-Jährige arbeitet hauptberuflich als Elektriker bei einem städtischen Fachbetrieb, fünf Servicekräfte unterstützen ihn im Lokal. Sein Tagesablauf ist eng getaktet, Langeweile kennt er nicht. Warum tut er sich das an? „Ich durfte in England erleben, dass die Pubkultur für viele Menschen ein wichtiger Teil des Lebens ist. Ich wollte helfen, zu verhindern, dass diese Tradition in meiner Heimatstadt irgendwann ganz ausstirbt.“

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