Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel „Traufest“ mit der Feuerwehr: Nochmal „Ja“ sagen in 32 Metern Höhe

Moritz und Janina Larissa gaben sich vor Pfarrrin Katharina Weber in 32 Metern Höhe das Jawort.
Moritz und Janina Larissa gaben sich vor Pfarrrin Katharina Weber in 32 Metern Höhe das Jawort.

In Kandel war am Wochenende einiges geboten: Stadtfest, verkaufsoffener Sonntag, Tag der Blaulichtfamilie – und ein „Traufest“, das sehr viel Zuspruch fand.

Wer am späten Samstagvormittag über den Marktplatz lief, dem fielen nicht nur die vielen Fahrzeuge der Blaulichtfamilie auf. Vor der Stadthalle hatten sich zwei Autos mit Drehleitern positioniert. Ein Rettungskorb war am Einstieg mit frischen Blumen geziert. Pfarrerin Katharina Weber wartete auf das erste Ehepaar, das sich an diesem Tage den Segen der Kirche erneut holen wollte. Janina und Moritz Woitelle aus Erlenbach, seit 2018 verheiratet, kamen zusammen mit ihren Kindern Emma und Henry und einigen Freunden und Verwandten an den etwas ungewöhnlichen Traualtar am Eingang der Stadthalle. Sie wollten noch einmal „Ja“ zu einander sagen – in luftiger Höhe.

Dazu betraten sie zusammen mit der Pfarrerin den Rettungskorb der Drehleiter. Feuerwehrmann Nico Mandery steuerte das Gerät. Ganz zügig hatte man eine beachtliche Höhe von 32 Metern erreicht. Nebenan begleitete Wehrleiter Alexander Ditz im Korb die Fotografin der RHEINPFALZ nach oben, der so ganz seltene Aufnahmen gelingen sollten.

Viele Gespräche mit interessierten Paaren

Nach kurzer Zeremonie ging es dann wieder nach unten, wo man sich das Gläschen Sekt mit Freunden genehmigen konnte. Weitere acht Mal wiederholte sich das von unzähligen Smartphone-Kameras festgehaltene Schauspiel, so Feuerwehrmann Nico Mandery. Während die Trauungen auf der Drehleiter der große Hingucker für viele Besucher waren, stand unten in der Hauptstraße, vor dem Brunnen beim alten Rathaus, das „Churchbike“ des protestantischen Dekanats Germersheim. Mit dabei war auch Dekan Michael Diener, der zusammen mit Pfarrerin Heike Messerschmidt zu Gesprächen mit den Passanten bereitstand. Auf Wunsch wurden die Menschen auch gesegnet.

Kirche, so meinte der Dekan, müsse einfach neue Wege beschreiten, um die Menschen anzusprechen. Das „Churchbike“ (ein Fahrrad mit Aufbau) stelle das Dekanat für Aktionen der Kirchengemeinden zur Verfügung. Auch hier gab es gute Gespräche mit interessierten Paaren, viele von ihnen waren erst beim Einkaufsbummel durch die Hauptstraße auf das Traufest aufmerksam geworden.

„So muss Kirche sein“

Im Gespräch lobten viele das Angebot der Kirche und deren Bereitschaft, sich mit neuen Formaten um den Kontakt mit den Menschen zu bemühen. Dies sah auch Pfarrerin Hildrun Groß so, die am Nachmittag ebenfalls am „Churchbike“ anzutreffen war. Ihr Mann, Pfarrer Martin Groß, hielt unterdessen Stellung in der St. Georgskirche. Sein Resümee kurz vor 15 Uhr und damit auch vor der ersten und einzigen richtigen Trauung des Tages: „Jetzt bin ich seit 12 Uhr hier in der Kirche und durfte nahezu ununterbrochen Ehepaare auf deren Bitte hin segnen“. Darunter seien auch langjährig Verheiratete gewesen. Es habe ihm Spaß gemacht, zu sehen, dass die Menschen doch noch Kontakt zur Kirche suchen, so Groß. „So muss Kirche sein“, meinte er.

Dieses Interesse möchte er auch nutzen beim Projekt „SeelenZeit“. Hier will er, zu unterschiedlichen Zeiten etwa einmal pro Woche, Menschen einladen zu Meditation, Körper- oder Stundengebet oder auch zu christlichem Yoga.

Premiere für Schönlaub

Eine weitere Premiere erlebte Mike Schönlaub, seit April Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel. Kraft seines Amtes ist er jetzt auch Standesbeamter – und er nahm seine ersten Trauungen überhaupt vor. „Er hat es ganz gut gemacht“, war von einem Beobachter zu hören. Auf dem Plätzl und unter den Augen des bayerischen Löwen hatte das Standesamt ein „Trauzimmer im Freien“ eingerichtet, wo Schönlaub für drei Paare die richtigen Worte fand.

Darunter waren Viviane und Philipp aus Hagenbach, die sich auf den Familiennamen Getto geeinigt hatten und um 15 Uhr von Schönlaub getraut wurden. Unmittelbar danach wiederholten die beiden ihr laut und deutlich zu vernehmendes Ja-Wort hoch oben über den Dächern von Kandel auf der Drehleiter der Stützpunktfeuerwehr.

Für Philipp Getto, den Feuerwehrmann aus Hagenbach, war dies wohl auch eine Ehrensache. Da die Trauungen an verschiedenen Orten so gut angenommen wurden, wolle man auch prüfen, ob solche Angebote von Zeit zu Zeit nicht ausgeweitet werden können, so Schönlaub anschließend. In Kandel böten sich ja durchaus reizvolle Plätze hierfür an.

Myriam und Marcus ließen sich am Plätzel von Bürgermeister Mike Schönlaub trauen.
Myriam und Marcus ließen sich am Plätzel von Bürgermeister Mike Schönlaub trauen.
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