Minfeld
Tollkühne Leute in sausenden Seifenkisten
Der Renntag am Sonntag, ganz bestimmt nichts für schwache Nerven, war Höhepunkt und Abrundung des „Seifenkistenprojektes“. Eine Herausforderung war das Rennen für die vielen Beteiligten. Dabei hatte die Minfelder Herrengasse ihre „Seifenkisten-Tauglichkeit“ erneut unter Beweis gestellt. Die Teilnehmer setzten sich bei idealen Wetterbedingungen in die selbst gebauten Kisten. Genau das hat so großen Spaß gemacht, sagten die beiden jungen Fahrer Jannis Hülse und Levi Weingärtner, beide Schüler der 10a und von Anfang an im Projekt dabei. Man habe beim Bau versucht, vorhandene Materialien zu verwenden. Das fand sich reichlich, ebenso wie die benötigten Maschinen und Geräte, in der offenen Jugendwerkstatt in Karlsruhe. Jannis und Levi zeigten sich begeistert von all dem, was sie tun durften und was sie dabei gelernt haben. Begeisterung für Technik und handwerkliches Arbeiten wurden beim Bau der Seifenkisten gefördert, auch im Jugendzentrum, das eine besonders eigenwillige Konstruktion ins Rennen schickte.
Zum sogenannten „Promi-Rennen“ bestiegen nacheinander Minfelds Ortsbürgermeister Martin Volz, Schulleiterin Cornelia Geiser und der künftige Landrat Martin Brandl in eine Seifenkiste und sausten die Herrengasse hinunter. Gar nicht so einfach sei seine Premiere gewesen, die Kiste zum Stehen zu bringen, sagte Brandl anschließend. Dass der Minfelder Ortsbürgermeister und Schirmherr bei diesem Rennen Erster wurde, nahm er als gutes Omen. Denn am nächsten Sonntag geht er bekanntlich erneut ins Rennen!
Unfälle? Fehlanzeige
In die Sparten „Freestyle“ und „Profi“ eingeteilt wurden die Kisten je nach ihrer Bauart, und die Konstrukteure hatten sich hier sehr kreativ gezeigt. Alle Gefährte erreichten das Ziel – unfallfrei. Die Zuschauer am Rande zeigten sich beeindruckt, sparten nicht mit Beifall, der Fahrern und Kisten gleichermaßen galt.
Am längsten (43,50 Sekunden) brauchte „Der Thron“ des Kandeler Juze (Bewertung „Slow motion“), schnellster Profi (23,66 Sekunden) war der „Golden Blitz“ des Freckenfelders Emil Memmer, der mit 74 Jahren noch einmal seine Erfahrung ausspielte. Bei den Freestyle-Gefährten erwies sich der Granity Star mit dem Stern auf der Haube von Andreas Kluten aus Rastatt mit 23,28 Sekunden als schnellstes Gefährt. Was aber weiter nicht verwunderlich war, wenn man sich die Technik dieser „Kiste“ einmal genauer anschaute. Auch das Design der Gefährte wurde bewertet. Hier konnte „Der Thron“ (Moritz) vor „crazy Blue“ (Lars) und „Suits“ (Levi, Jannis) punkten. Dabeisein war am Sonntag aber wirklich alles, denn es ging nicht um Punkte oder Zeiten, auch wenn es am Ende von Sponsoren gestiftete Pokale und Sachpreise gab.
Cheerleader im Einsatz
Das Seifenkistenrennen bot aber auch dem Cheerleader-Team eine schöne Zuschauerkulisse. Die Nähgruppe gestaltete die Wimpel für die Absperrbänder und vieles mehr. Schüler übernahmen Aufgaben als Streckenordner. Und Yen Nguyen vom Jugendzentrum bewährte sich mit launigen Ankündigungen, aber auch als Mut machende Moderatorin, die den Startern persönliche Infos und auch „letzte Worte“ entlocken konnte, ehe sie die Holzrampe heruntersausten. Darüber hinaus ließen sich viele Eltern in die Pflicht nehmen, sorgten für Getränke und Kuchen.
Alles lief toll zusammen, sagte am Abend die erfreute Rektorin Cornelia Geiser. Schulsozialarbeiterin Anke Fichtenkamm war nicht nur die Freude über das Gelingen anzumerken, sondern auch die Erleichterung über den Abschluss eines anspruchsvollen Projektes des Zukunftspaketes „Jugend geht raus“, das seinesgleichen suche. Und nicht vergessen dürfe man, so Fichtenkamm, die großartige Unterstützung der Ortsgemeinde Minfeld und der Stadt Kandel sowie die Rücksichtnahme der Anwohner entlang der Rennstrecke.
Das Orga-Team
Das Seifenkisten-Projekt schulterte die Realschule plus in Kandel zusammen mit dem Jugendzentrum der Stadt. Das hatte die Schulsozialarbeit der Realschule plus mit Anke Fichtenkamm und Yvonne Kirchhoff zu Jahresbeginn beim „Zukunftspaket Jugend geht raus“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend angeregt und umgesetzt. Vorhabenträger war das Christliche Jugenddorfwerk, dessen Mitarbeiter Peter Seibel schon bei der Antragstellung unterstützt hatte und am Sonntag in Minfeld ebenfalls aktiv mit dabei war. Auch für den in vielen Schulprojekten des CJD erfahrenen Mitarbeiter war das mit den Seifenkisten schon eine außergewöhnliche Herausforderung.