Kreis Germersheim Tiefgaragen bilden Hochwasserschutz

Wo jetzt nur Industrieruinen ihr trauriges Dasein fristen, sollen Wohnungen entstehen. Die Gremien der Stadt werden sich vorauss
Wo jetzt nur Industrieruinen ihr trauriges Dasein fristen, sollen Wohnungen entstehen. Die Gremien der Stadt werden sich voraussichtlich ab dem Spätjahr mit den Planungen befassen.

Seit 2008 hat es mehrere Ansätze gegeben, dem Gelände der ehemaligen Schiffwerft in Germersheim Leben einzuhauchen. Nun scheint es voranzugehen. Die A-RT Rheinpark GmbH & Co. KG, einer deren Geschäftsführer ist Jean-Pierre Baron aus Kandel, will das Gelände entwickeln (wir berichteten mehrfach). Der Umweltausschuss der Stadt Germersheim hatte sich am Dienstagabend mit der Vorverlegung der Hochwasserschutzlinie beschäftigt. Der bisherige Hochwasserschutz verläuft entlang der Werftstraße, die auf einem Deich gebaut wurde. Die neue Hochwasserschutzline soll vor die neuen Wohn- und Gewerbegebäude in Richtung Rhein verlegt werden (siehe Grafik). Insgesamt plant die A-RT Rheinpark GmbH sieben bis acht Mehrfamilienhäuser, ein bis zwei Geschäftsgebäude und ein Hotel auf dem Gelände zu errichten. Das ist aus dem Plan abzulesen, den die Ausschussmitglieder vorliegen hatten. Die Gebäude sind zu ihren Nachbargebäuden versetzt angeordnet. Entsprechend soll die neue Hochwasserschutzlinie verlaufen, sie mäandert entsprechend der Gebäude. Eine wasserundurchlässige Tiefgaragenwand soll den Hochwasserschutz sicherstellen. Gert Müller, 2. Beigeordneter der Stadt, stellte diesen Plan dem Umweltausschuss vor. Die Stadt werde nur gehört, die Pläne habe der Investor mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd ausgehandelt. Jens Schafberg (Grüne) fragte nach dem Zeithorizont des Projektes. Müller konnte sich dazu nicht äußern und verwies auf die kommenden Sitzungen der Gremien, bei der der Bebauungsplan behandelt werden soll. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ im Nachgang der Sitzung sagte Investor Baron, dass man derzeit in der Gutachtenphase ist und wenn alles vorliege, der Bauantrag bei der Stadtverwaltung abgegeben wird. Dies werde noch einige Wochen dauern. Ferdinand Brosch (CDU) merkte an, dass für den Hochwasserschutz Überschwemmungsflächen verloren gehen. Gert Müller dazu: „Wir haben einen Bauansatz, der jetzt schlüssig ist. Da sollten wir nicht Gründe dagegen suchen. Der Ausgleich für die Flächen die verloren gehen, ist nicht unser Problem.“ Verwundert zeigte sich Jens Schafberg darüber, dass für ein Kiosk am Rhein es Probleme wegen der fehlenden Überschwemmungsfläche seitens des Landes gegeben habe, die Kosten für ein Kiosk deswegen gestiegen sind, aber beim Projekt eines Privatinvestors das kein Problem ist. Müller: „Das steht hier jetzt nicht zur Debatte.“ Schafberg: „Dennoch erwähnenswert.“ „Ich gehe davon aus, dass sich die SGD um die benötigten Ausgleichflächen kümmert“, sagte Müller abschließend. Die Vorverlegung der Hochwasserschutzlinie führt zu einem Retentionsraumverlust von rund 40.000 Kubikmetern. Diese Zahl nannte die SGD auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Auch ist der SGD zufolge der „errechnete Retentionsraumverlust orts- und zeitnah auszugleichen“. Der Investor kann dies auf eigener Fläche verwirklichen oder an anderer Stelle ein Retentionsvolumen dazukaufen. Die SGD führt eine Retentionsraumbilanz und stellt so sicher, dass der Gewinn von Retentionsraumvolumen nur einmal verwendet werden kann. Laut Unterlagen wurde die Vorverlegung der Hochwasserschutzlinie von einem Fachingenieurbüro auf die wasserwirtschaftlichen Auswirkungen geprüft. Die Oberlieger, also die Stadt Germersheim selbst oder Wörth, haben keinen Nachteil dadurch zu erwarten. Die Unterlieger, also alles was nördlich von Germersheim liegt, „erfahren eine minimale Veränderung der Wasserspiegellage von wenigen Zentimetern, welche unterhalb der Signifikanzgrenze liegen und räumlich sehr begrenzt sind“. Es gebe keine negativen Auswirkungen auf die Abflussverhältnisse beim Bemessungshochwasser. Bei einer Enthaltung stimmte der Ausschuss der Vorverlegung der Hochwasserschutzlinie zu.

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