Hatzenbühl Theaterstück „Blooschimmel“ erzählt vom Ende als Tabakdorf
Diese Zäsur durch einen schädlichen Pilz, den Tabakblauschimmel, wird am kommenden Wochenende in einem Theaterstück noch einmal lebendig. Der Hatzenbühler Norbert Werling hat das Stück mit drei Szenen, die in den Jahren 1958, 1960 und 1964 spielen, anlässlich des diesjährigen Dorfjubiläums in Mundart geschrieben. Seine Heimatgemeinde feiert ihren 750. Geburtstag mit mehreren Höhepunkten. Dazu gehörten ein großes Festwochenende und dazu gehört auch das Theaterstück mit dem Titel „Blooschimmel“.
„Die Idee zu dem Stück entstand vor zwei Jahren, als das Dorfjubiläum immer näher rückte“, erzählt Autor Werling. Um 1960 hat es in Hatzenbühl, das damals etwa 1700 Einwohner hatte, riesige Veränderungen gegeben. Der Befall der Tabakkulturen mit dem falschen Mehltau-Pilz, der den Tabak unverkäuflich machte, zwang viele Bauern in der ganzen Südpfalz zum Aufgeben ihrer Kulturen. Das Daimlerwerk in Wörth wurde gebaut und stieg um 1963/64 in die LKW-Produktion ein, 1961 kam sogar eine Schuhfabrik nach Hatzenbühl. „Im Jahr 1964 durften nur zwei Mädchen einen Beruf erlernen, alle anderen halfen auf den elterlichen Hof mit. Das Dorf erlebte eine technische Umwälzung, denn Traktoren ersetzten immer schneller die auf den Feldern arbeiteten Pferde“, so Norbert Werling. Im Jahr 1960 hätte es noch 111 Familien gegeben, „die vum Duwack gläbt hän“, erzählte der Autor und Heimatforscher in seinem Mutterdialekt. Schon lange gibt es keine einzige mehr, dafür gebe es wieder viele andere Arbeitsplätze im Ort, er spricht von ungefähr 800.
Schauspieler müssen Dialekt sprechen
Damit sein Theaterstück möglichst authentisch wird, besuchte er rund 20 ehemalige Hatzenbühler Tabakbauern. „Mein Stück hat einen eher ernsten Charakter, klar, hin und wieder darf auch gelacht werden. Und für mich war klar, dass die Schauspieler auf der Bühne Dialekt sprechen müssen.“
Dies nehmen die zwölf Akteure, sie sind zwischen 13 und 64 Jahre alt, auch tatsächlich sehr ernst. Sie gehören alle zum Ensemble der Theatergruppe Schischiphusch/Hatzenbehler Duwacksbiehn und bringen entsprechende Bühnenerfahrung mit. Regie führt der erfahrene Christian Braun, der sich wie die Schauspieler genau an das Skript von Norbert Werling hält. „Es ist manchmal gar nicht so leicht für uns, eine echte Herausforderung, denn manche der Wörter werden schon nicht mehr aktiv gesprochen“, berichten die Akteure. Schönes Beispiel ist der Begriff „Schiganekraut“ für Tabak. Das Bühnenbild entwickelt sich von Szene zu Szene, passend zum Fortschritt im Dorf. Die authentischen Requisiten kommen zum Teil aus dem Bestand des örtlichen Heimatvereins.
„Die Theateraufführungen dauern jeweils ungefähr 60 Minuten und werden in einen Heimatabend eingebunden“, erklärt Werling das Konzept für die beiden Theaterabende. Er und weitere Hatzenbühler werden über den Abend moderieren, außerdem werden historische Fotos und Filme aus der Zeit um 1960 gezeigt, und es wird Musik geben. „Wir wollen, dass die Besucher nach dem Stück dableiben und sich austauschen. Ach: Ortsbürgermeister Karlheinz Henigin hat das Stück schon vorab gelesen und findet es gut“, ergänzt der Autor.
Info
Aufführungen sind am Samstag, 1. Oktober, 19 Uhr, und am Sonntag, 2. Oktober, 18 Uhr, jeweils im Dorfgemeinschaftshaus. Die Karten kosten 8 Euro, für Kinder bis 14 Jahre ermäßigt vier Euro. Karten im Vorverkauf können bei Helga Großardt, mobil 01522 7331735 bestellt werden, es wird außerdem eine Abendkasse geben.