Erlenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Theater: Ein Bahnhof voller Narren

Die Mitglieder der Laienspielgruppe des Sportvereins Erlenbach in einer Foto-Pause bei den Proben zu „Es fährt kein Zug nach Irg
Die Mitglieder der Laienspielgruppe des Sportvereins Erlenbach in einer Foto-Pause bei den Proben zu »Es fährt kein Zug nach Irgendwo«.

Die Laienspielgruppe des Sportvereins bringt ein neues Stück auf die Bühne. Die dafür in einen Provinzbahnhof verwandelt wird. Mit gestrandeten und illustren ICE-Fahrgästen.

Zugegeben, die gewählte Örtlichkeit wirkt schon etwas surreal: Erlenbach (des bei Kannel) mit einem Bahnhof, durch den sogar die ICE der Deutschen Bahn fahren. Oder, wie in dem Fall, abweichend vom Fahrplan halten müssen und die Fahrgäste aufgefordert werden, den Zug zu verlassen. Da muss also schon etwas Fantasie aufgebracht werden, um sich diese Szenerie auf der Bühne des Bürgerhauses im wahren Leben vorzustellen. Das Stück heißt jedenfalls „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“, in Anlehnung an den Schlager „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“, den Sänger Christian Anders in den frühen 1970er-Jahren bekannt gemacht hat.

Gleich an sechs Abenden präsentiert sich die Laienspielgruppe des Sportvereins in bester Verfassung. Man kann erleben, was passieren würde, wenn eben ein ICE in einem trostlosen Provinzbahnhof zum Halt gezwungen wäre. Allen Passagieren wäre eine Zwangspause verordnet, ob sie wollen oder nicht. Eine Pause ganz ohne Handyempfang, ohne Taxistand und ohne Aussicht auf eine baldige Weiterfahrt. Da kommt es schon auch auf die Mitreisenden an, mit denen man sich jetzt auf dem Bahnsteig aufhält, und die eine oder den anderen gleich näher kennenlernen wird.

Echte Typen

Da wären zunächst die drei Damen eines illustren Kegelclubs: die eine wird als „verfressen“ (Tanja Flick), die andere als „tollpatschig“ (Christine Rittershofer) und die dritte als „versoffen“ (Angie Mühldorfer) beschrieben. Da irrt aber auch eine gehetzte Businessfrau, dargestellt von Sonja Kammerer, umher, stets bemüht, ihre ach so kostbare Zeit auch absolut effizient zu nutzen. Wie im Wahn schaut sie ständig auf die Uhr und kalkuliert ihre Zeit. Ganz anders hält es da der gemütliche Landstreicher, der für die abgehetzten Fahrgäste nur lockere Sprüche übrig hat. Den gutmütigen Kerl auf seinem Bettlager am Bahnsteig stellt Gerd Mühldorfer ausgezeichnet dar.

Als spannende Herausforderung nicht nur für sich selbst sieht der abgedrehte Motivationstrainer (Maik Wünstel) das Chaos am Provinzbahnhof. Der selbsternannte Experte für den persönlichen Erfolg sieht eine Gelegenheit, die übrigen Fahrgäste mal so richtig zu motivieren und ihnen einheizen zu lassen. Gewisse Parallelen zu seiner Aufgabe als Ortsbürgermeister mag Wünstel da schon gesehen haben. Auch als solcher muss er seine Mitbürgerinnen und Mitbürger ja immer wieder ermuntern und aufbauen. Aber am Bahnhof von Erlenbach? Nein, daran mag er nicht mehr glauben.

Dorfpolizist und Monster

Dem Bahn-Komplott auf der Spur zu sein glaubt der eigenwillige Verschwörungstheoretiker, gespielt von Dirk Scheid. Ganz und gar überkorrekt versieht indes der Dorfpolizist (Karlheinz Müller, der die Laienspielgruppe auch organisatorisch betreut) seinen Dienst, der durch die Turbulenzen am Bahnhof jedoch geradezu auf den Kopf gestellt wird. Und zu alledem gesellt sich noch der psychisch erkrankte Fahrgast Eugen (Jordan Di Cesare), in dessen Wahnvorstellungen sogar Monster auftauchen, die nicht nur ihn selbst verfolgen. Man darf also gespannt sein auf die Turbulenzen auf der Bühne, und, versprochen: Alle dürfen oft ganz herzhaft lachen. Unterstützt wird die Gruppe von Jenny Nauerth und Jürgen Ößwein, die als Souffleure bereitstehen. Gerd Mühldorfer hat auch das Bühnenbild gestaltet und Tanja Flick spielt nicht nur eine Kegelschwester, sondern führt auch wieder Regie.

Termine und Tickets

Aufgeführt wird der Dreiakter am 14., 15. und 16. November sowie am 21., 22. und 23. November, jeweils um 19.30 Uhr im Bürgerhaus. An den beiden Sonntagen beginnt die zwei Stunden dauernde Aufführung bereits eine Stunde früher um 18.30 Uhr. Einlass ins Bürgerhaus ist jeweils eineinhalb Stunden vor Beginn. Karten gibt es noch dienstags und donnerstags im Clubhaus des Sportvereins sowie unter Telefon 07275 4202.

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