Kreis Germersheim Teures Rückzugsgebiet für Prostituierte

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Vor allem Prostituierte aus Karlsruhe schliefen sich tagsüber in einer Pension in Wörth aus. Preise bis zu 400 Euro im Monat für ein Einzelzimmer oder 25 Euro die Nacht soll der Besitzer der Wohnungen über einem Café verlangt haben. Jetzt musste sich der 25-jährige Hausbesitzer wegen Mietwuchers vor dem Amtsgericht Kandel verantworten.

Sanitäre Anlagen und die Küche waren verschmutzt, eine Waschmaschine im Keller defekt. Schriftliche Mietverträge gab es nicht. Für dieses Vergehen droht das Strafrecht Geldstrafe und eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren an. Der 25-jährige Wörther betreibt die Pension sozusagen im Nebenerwerb und verdient dabei das Doppelte wie in seinem Hauptjob. Das Haus habe ihm sein Vater überschrieben, gab er an. Die Anklage wegen Mietwuchers war vermutlich seine erste Bewährungsprobe als Pensionswirt. Immerhin hat er rechtzeitig die Kurve bekommen: Nachdem die Polizei in seinem Haus ermittelt hatte, ließ er das Etablissement für über 10.000 Euro renovieren und die Waschmaschine reparieren. Ins Rollen kam die Sache, weil sich ein 15-jähriges Mädchen über den Mietpreis von 25 Euro pro Nacht beschwerte. Das Zimmer musste sie sich mit weiteren Frauen teilen. Eine Toilette pro Etage und zwei Duschen standen für die insgesamt sieben Zimmer zur Verfügung. Das minderjährige, „total verängstigte“ Mädchen wurde dem Jugendamt anvertraut. Die Polizei verschaffte sich mit Hilfe von drei Dolmetschern vor Ort einen Überblick über die Verhältnisse in dieser Pension. Eine Fotodokumentation zeigte, dass nicht jede Woche gereinigt worden sein konnte, wie der Angeklagte behauptete. Der wiederum verstand die ganze Aufregung nicht, denn im Mietpreis seien alle Nebenkosten, plus Strom plus Bettwäsche und Handtücher plus Reinigungskosten eingerechnet gewesen. Dann wäre die Pension eigentlich ein Hotel gewesen, die Bewohner nur kurzfristig eingemietet. Aber neben den Frauen wohnten auch Wanderarbeiter für längere Zeit in dem Haus. Ein 81-Jähriger lebt schon einige Jahre im Dachgeschoss. Er zahlt 300 Euro für das 12 Quadratmeter große, möblierte Zimmer mit Fernseher. Es sei tatsächlich renoviert worden und die Waschmaschine funktioniere auch wieder, sagte er aus. Frische Wäsche könne er sich im Erdgeschoss holen. Seine Mitbewohnerinnen habe er immer mal wieder auffordern müssen, Ordnung in der Küche zu halten. Mit seiner Wohnung sei er zufrieden. Wichtig für den Beweis von Mietwucher ist der Mietspiegel der Stadt. Der verantwortliche Mitarbeiter aus Wörth bezifferte Mieten zwischen 3,50 Euro bis 6,50 Euro pro Quadratmeter. Für Flüchtlinge, so beantwortete der Zeuge eine Frage des Verteidigers, zahle die Stadt circa 200 Euro Monatsmiete. Allerdings konnte sich der Angeklagte nicht so recht festlegen, wie die Preise für die Pension zu berechnen seien. Es handele sich mehr um ein Hotel, als eine Pension, hieß es da. Die gesamten Nebenkosten würden in den Mietpreis einfließen. Außerdem gebe es keine schriftlichen Mietverträge, mit Handschlag werde vieles geregelt. So wurde das Verfahren am Ende eingestellt. Als Auflage muss der 25-jährige Pensionswirt 2000 Euro an „Deutschland hilft“ zahlen. |mldh

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