Kreis Germersheim Taucher holen BMW aus Hafen

Am Muttertagsonntag drückt eine starke Windböe ein Auto ins Hafenbecken. Der Wagen treibt fast bis ans andere Ufer, wo er sinkt. Gestern haben Berufstaucher den BMW zurück an Land gebracht.
Ein großer weißer Sack taucht wie ein Ballon aus dem Wasser des Germersheimer Hafenbeckens auf. Das gesunkene Auto ist gefunden und hängt am Haken. Die Bergung des BMW durch das Mannheimer Tauchunternehmen Kesberg steht bevor. Es ist 10.15 Uhr und die Schaulustigen, die vom Ufer aus aufs Wasser starren, gehen davon aus, dass es jetzt nicht mehr lange dauern wird. Sie irren. Die dreiköpfige Besatzung des Bergungsbootes gibt einen weiteren Hebesack ins Wasser, dazu Leinen und Bänder. Das Boot der Wasserschutzpolizei (Wapo) Germersheim ist nur wenige Meter entfernt. Die Besatzung beobachtet die Szenerie. Wenige Minuten später taucht ein zweiter Hebesack aus dem Wasser auf. Kurz darauf der Helm des Berufstauchers Dirk Kesberg, Chef der Firma. Er zieht sich zurück ins kleine, schwarze Boot. An der Bootsrampe am Hafen ist zwischenzeitlich die Feuerwehr mit drei Fahrzeugen und einem Boot eingetroffen. Die Wapo gibt Bescheid, dass Öl aus dem Fahrzeug austritt, nachdem es mit den mit Luft gefüllten Hebesäcken aus 12 Metern Tiefe angehoben worden ist. Das Einsatzzeichen für die Feuerwehr, die sofort das mit Bindemittel und Ölsperre beladene Boot zu Wasser lässt und ans gegenüberliegende Ufer zum gesunkenen BMW fährt. Die Zaungäste, inzwischen eine stattliche Zahl, starren derweil immer noch aufs Wasser. Es ist 10.40 Uhr. Das Feuerwehrboot sowie das Taucherboot ziehen eine Ölsperre und den unter der Wasseroberfläche schwebenden BMW-Kombi langsam hinter sich her. An der Rampe angekommen, muss das auf dem Dach schwimmende Auto gedreht werden. Zwei weitere Hebesäcke werden an den Leichtmetallfelgen befestigt und mit Luft aufgeblasen. Dann ist es soweit: Die Zuschauer, die um 11.35 Uhr immer noch aufs Wasser starren, werden fürs stundenlange Warten belohnt: Die Dachreling schimmert durch das graugrün des Wassers. Der BMW hat festen Boden unter den Rädern. Doch es soll noch über eine Stunde dauern, bis der Abschleppdienst das silberfarbene Auto endgültig aus dem Wasser zieht. Dann gehört das Auto der Wasserschutzpolizei: Die Tür wird geöffnet, Wasser fließt aus dem Innenraum: War der Gang eingelegt? Die Handbremse gezogen? Fotos werden gemacht. Zweimal nein. Das könnte für den Fahrer versicherungstechnische Konsequenzen haben. Er hat zumindest etwas Glück im Unglück, denn seine Geldbörse liegt immer noch im Auto. „Wir übergeben den Fall jetzt der Staatsanwaltschaft – wegen fahrlässiger Umweltverschmutzung“, sagt Kurt Mistler, Leiter der Wapo in Germersheim. „Das Auto ist reif für den Schrott“, sagt einer der Männer, die seit Stunden aufs Wasser starren.