Kreis Germersheim Tafeln am Schwanenweiher

Miteinander für eine offene, demokratische Gesellschaft.
Miteinander für eine offene, demokratische Gesellschaft.

Toleranz, Vielfalt, Großzügigkeit und Gastfreundschaft: Das sind nur einige Begriffe, die für eine funktionierende Demokratie maßgeblich sind. Um den Wert dieser Ideen anschaulich zu gestalten, organisierten sich am Samstag zahlreiche Menschen in ganz Deutschland. Gemeinsam tafelten sie auf Dorfplätzen, Wiesen, in Straßen und Parks. In Kandel hatte „Kandel aktiv“ zum „Tag der offenen Gesellschaft“ eingeladen. Am Kiosk am Schwanenweiher konnten Besucher mitgebrachte Speisen und Gespräche teilen. Gekommen waren rund 30 Bürger aus Kandel und Umgebung.

Noch ein wenig dünn besetzt ist die lange Tafel um kurz nach fünf am Kandeler Schwanenweiher. Das wird sich im Laufe des Abends ändern. „Wir haben vor zwei Wochen erst von der Aktion erfahren und auf sämtlichen Kanälen für heute geworben“, erzählt Initiatorin Hedelis Jung-Georgy von „Kandel aktiv“. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ein solches Vorhaben zu realisieren, unter anderem aufgrund bürokratischer Hindernisse, freut sich Jung-Georgy, dass sie am Kiosk am Schwanenweiher Kandel tafeln dürfen. Der lange Tisch ist mit mitgebrachten Speisen gefüllt. „Vielfalt sieht man schließlich auch am Essen“, scherzt ein Besucher. Jutta Wegmann, Beigeordnete des Kreis Germersheim, findet die Idee toll. „Die Aktion zeigt, dass es auch eine andere Öffentlichkeit gibt, als die negativen Stimmen mancher Gruppierungen.“ Ist die Demokratie denn in Gefahr? Steht unsere Gesellschaft unter Druck, wie es auf den Flyern der Aktion heißt? „Vielleicht unter Druck von Rechts“, antwortet eine Frau aus Wörth. Die AfD sollte mit mehr Ignoranz behandelt werden, auch und vor allem von den Medien. Die Öffentlichkeit nimmt die Stimmen ihrer offenen Gesellschaft sonst zu wenig wahr. Wie stärke man denn eine offene Gesellschaft? „Kritische Hintergrundfragen zu Entscheidungen sollten erlaubt sein, Ängste geäußert werden dürfen“, so die Dame, die auch Deutschunterricht für Flüchtlinge gibt, weiter. Sie hält den Zulauf zur AfD in vielen Fällen für „emotionale Protestentscheidungen“. Optimistisch sieht es ihr Tischnachbar: „Jüngere Leute sind toleranter geworden und der Widerstand gegen rechts ist größer“, findet der Kandeler. „Offene Gesellschaft? – So weit sind wir noch nicht“, antwortet ein Wörther Besucher. „Bildung ist der Schlüssel für eine offene Gesellschaft“, meint er und sieht dort genügend politische Baustellen. „Die Demokratie ist vielleicht unter Druck, aber noch flexibel und stark genug, die steckt das weg“, vermutet der Pensionär. Mittlerweile sind drei Flüchtlinge zur Tafel gestoßen. Sie seien hier sehr offen empfangen worden und ja, eine offene Gesellschaft hat Deutschland in jedem Fall. Obwohl die drei sich zu Beginn oft wunderten, dass manche Deutsche den eigenen Nachbarn nicht kennen. „In Syrien kennt sich das ganze Dorf, es wird gemeinsam gefeiert und getrauert“, erzählt Hasan Dilschad. Abgrenzen, das sei immer schon eine Schutzreaktion gewesen, erzählt Werner Esser von der Volkshochschule Kandel. „Man muss die Meinung eines anderen ja nicht teilen, aber versuchen, sie zu verstehen“, so Esser. „Reden um Ängste zu nehmen“, das sei wesentlich, um einer offenen Gesellschaft wachsen zu helfen. Solche Aktionen laden dazu ein.

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