Kreis Germersheim Tafel in Wörth: Deutliche Worte für Drängler
Nein, die Figur eines trainierten Kampfsportlers hat Peter Wenner nicht. Die braucht der 64-jährige Bürokaufmann im Vorruhestand auch nicht. Er steht zwar seit einem halben Jahr während der Ausgabetermine an der Tür der Wörther Tafel. So auch am Donnerstagnachmittag. Der Grund: Es gab Drängeleien. Aber in einem solchen Fall genügen ihm einige Worte, um sich durchzusetzen.
„Das Hauptproblem ist: Wenn welche zu spät kommen“, sagt Wenner. Denn bei der Tafel ist die Reihenfolge der Ausgabe genau geregelt, unterteilt nach Farben und Nummern. Die Gruppen werden dem Plan entsprechend von Wenner aufgerufen. Wer zu spät kommt, muss sich hinten einreihen. Manchen muss Wenner das klar machen. Wobei die Erfahrungen, die er als Kontrolleur an der Türe macht, ganz unterschiedlich sind: „Manchmal ist es schwierig, aber überwiegend sind die Leute sehr nett.“
Jede Tafel habe ein Eigenleben
Bei der Wörther Tafel arbeitet der Steinweilerer seit eineinhalb Jahren mit. „Ich habe etwas gesucht, wo ich der Gemeinschaft helfen kann“, sagt er. Weshalb er morgens hilft, Gemüse und Obst für die Ausgabe vorzubereiten: „Ich finde es sehr schön, wenn ich sehe, welche Lebensmittel hier rausgehen, die normalerweise vernichtet werden.“ Sagt Wenner und hält während des ganzen Gesprächs Männern und Frauen die Türe auf, die mehr oder weniger beladene Einkaufswagen nach draußen schieben. Die Tafel in Essen hat auf Drängeleien und ähnliches anders reagiert: Sie nimmt nur noch Deutsche neu auf. Der Fall wird bundesweit diskutiert. „Keine andere Tafel hat aus meiner Sicht ein Recht, über die Essener Tafel zu urteilen“, sagt der Wörther Tafel-Leiter Thomas Stuhlik. Jede Tafel habe ein Eigenleben und gewachsene Strukturen. Er meint aber: „Ich würde nie jemanden ohne zwingenden Grund bei der Tafel ausschließen.“
„Es brodelt in der Tafellandschaft“
Das bedeutet aber auch: Störer, die trotz freundlicher Aufforderung weiter drängeln, werden in Wörth ausgeschlossen. „Aber es brodelt in der Tafellandschaft“, so Stuhlik. Woanders würden Männer oder Alleinstehende nicht mehr mitversorgt oder nur anerkannte Asylbewerber aufgenommen. „Aber warum werden alle Flüchtlinge zur Tafel geschickt?“, fragt Stuhlik: „Die Tafeln sind kein Vollversorger für bedürftige Menschen, sondern haben als Grundsatz: Essbare Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten, diese an Menschen in Not weitergeben.“ Die sparen dadurch etwas Geld und werden so entlastet.