Wörth / Kandel
Tafel-Helfer: „Wir sind jetzt Christen geworden“
Andarz (26) war einige Monate zusammen mit seinem fast 60-jährigen Vater auf der Flucht aus dem Iran über die Türkei, Griechenland und Polen unterwegs, ehe er nach Speyer kam. Der 23-jährige Goudarzi war ein Jahr ebenfalls über die Türkei und Griechenland geflüchtet, bevor er auch in Speyer „landete“.
Beide haben Sprachkurse bis A2 besucht, verstehen alles in deutscher Sprache, können sich recht gut verständigen, wobei sie aber noch ein wenig zurückhaltend sind. Deshalb haben sie zum Gespräch mit der RHEINPFALZ ihren Landsmann Mahmoud Khalaji dabei, der zwei Jahre in Deutschland lebt und fast perfekt unsere Sprache beherrscht.
Lieber Perser als Iraner
Er weist gleich zu Beginn des Gesprächs darauf hin, dass sie aus Persien – der historischen Bezeichnung des Irans – kommen und nicht als Iraner bezeichnet werden wollen. „Wir sind keine Muslime, haben eine andere traditionelle persische Religion. Daher hatten wir auch die politischen Probleme in unserer Heimat und flüchteten“, erzählen sie. Sie berichten auch von schrecklichen Erlebnissen in den Monaten der Flucht.
Nach ihrer Ankunft in Kandel hatten die beiden jungen Flüchtlinge bald nur einen Gedanken: „Wir wollen arbeiten.“ „Vom Sozialamt in Kandel wurden wir zur Tafel Wörth geschickt. Hier fragten wir gleich, ob wir irgendwie arbeiten und helfen könnten.“ Ihr Landsmann Khalaji, der in Hagenbach wohnt, ist schon eine Zeit lang dort beschäftigt. Die Vorsitzende der Tafel, Uschi Bisanz sagte sofort zu: „Sie machen fast alle Arbeiten, die anfallen, unter anderem putzen sie Gemüse, aber auch den LKW oder sortieren Waren.“
Flutopfern geholfen
Dann kommen beide auf ihre Religion zu sprechen. „Wir sind jetzt Christen geworden. Jeden Sonntag fahren wir nach Speyer zur Vineyard – eine evangelische Freikirche“ , erzählen sie. „Diese leistet auch Hilfe für die Flutopfer. Als nach Helfern gefragt wurde, haben wir beide und auch mein Vater sofort zugesagt“, so Andarz.
„Mit einem Van ging es nach Aachen, wo wir in der dortigen Vineyard-Kirche geschlafen haben. Dann ging es in die vom Hochwasser verwüstete Stadt Stolberg bei Aachen. Hier haben wir – zirka 25 Leute – eine Woche lang eine große Schule von Müll und Schlamm entrümpelt und gereinigt in Spezialanzügen und mit Masken. Das war ein schrecklicher Anblick – alles war kaputt“, schildern sie sehr betroffen. „Aber wir würden jederzeit wieder helfen.“
Allerdings wird das für Mohamad Reza Andarz vorläufig nicht zutreffen, denn er hat ab dem 12. dieses Monats einen Arbeitsvertrag bei der Firma Groke – Türen und Tore in Hagenbach erhalten. Tafel-Vorsitzende Bisanz freut das, aber sie bedauert es, einen „tollen Helfer“ zu verlieren. Dieser tröstet sie: „Dafür kommt mein Vater als Ersatz.“ Iman Goudarzi sucht dagegen noch einen Ausbildungsplatz als Bau-Elektriker.