Weingarten RHEINPFALZ Plus Artikel Suppencafé: Mehr als nur gemeinsam essen

In großen Töpfen dampft die Suppe: Helferin Gerlinde Horn bei den Vorbereitungen.
In großen Töpfen dampft die Suppe: Helferin Gerlinde Horn bei den Vorbereitungen.

„Gutes für die Seele für Jung und Alt“ – das ist das Motto des Suppencafés in Weingarten. Hier gibt es zwei Mal im Monat mehr als „nur“ eine wohlschmeckende Mahlzeit.

Um Bürger nach der schweren Coronapandemie-Phase wieder zusammenzubringen, hat Martina Weller das Suppencafé im Juni 2022 ins Leben gerufen. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die am zweiten und vierten Donnerstag im Monat nicht nur Ortsansässige begeistert.

Es ist Donnerstag, kurz vor 11.30 Uhr. Eine Tafel im Außenbereich weist auf die beliebte Veranstaltung im katholischen Pfarrheim hin. Immer mehr Bürger strömen dort hinein. Wenige kommen mit dem Auto, viele mit dem Rad und zu Fuß, manche mit Rollatoren. Der erste Blick wandert auf die Anzeigetafel im Saal. Erst dort erfahren die Gäste, welche saisonale Suppe serviert wird. In der Regel gibt es Gemüsesuppen.

Zwischen 15 und 20 Liter sind es immer: „Lieber etwas mehr als zu wenig“, sagt Martina Weller. Oft spenden umliegende landwirtschaftliche Betriebe die Zutaten. Manchmal wird aber auch zugekauft. Heute gibt es Maronen-Pilzcreme-Suppe. Die ist fast fertig. Schließlich ist die Küchencrew schon seit etwa zwei Stunden tätig.

Gäste aus der ganzen Verbandsgemeinde

Zwölf Personen zwischen 60 und 73 Jahren, von denen meist acht anwesend sind, engagieren sich im Suppencafé-Team, kochen, spülen, schenken aus, servieren, räumen ab, geben Kuchen aus, beschaffen Zutaten, organisieren und dekorieren. Neben Weller sind heute Fatima Almousa, Traudel Histing, Gerlinde Horn, Martina Krell, Brigitte Kurz, Annegret Piske, Ellen Purpur und Diana Roth im Einsatz.

Das Miteinander ist so wichtig wie die wohlschmeckende Suppe.
Das Miteinander ist so wichtig wie die wohlschmeckende Suppe.

Passend zur Suppe, ist die Dekoration herbstlich. Eine Kerze brennt. Brot steht auf dem Tisch. Bevor es aber leibliche Genüsse gibt, erzählen die Zweitklässler der Grundschule mit viel Muh und Mäh die tierisch gute Weihnachtsgeschichte. Applaus! Dann wird die Suppe serviert. „Sehr gut! Lecker!“, urteilen die Gäste, die teilweise Nachschlag ordern und aus allen sechs Orten der Verbandsgemeinde Lingenfeld kommen.

Heute sind es „nur“ 45. „40 sind es generell. Es waren aber auch schon 60. Ab 65 wird es jedoch von der Infrastruktur her kritisch“, weiß Weller. Und fügt an: „Wir haben viele Stammgäste. Es kommt aber auch immer mal jemand Neues dazu – durch Mundpropaganda. Sogar Urlauber aus München waren schon da, weil sie das Schild gelesen haben“, berichtet sie.

Freude an Suppe und Begleitveranstaltung

Sarah Groß stammt aus Amerika, ihr Mann Daniel ist Schwabe. Das Paar wohnt seit fünf Jahren in Weingarten und besucht mit den Kindern das Suppencafé seit dessen Öffnung regelmäßig: „Es ist für uns wie eine große Familie. Ich finde das ganz super, ein schönes Projekt“, lobt die junge Frau. Der Großteil der Gäste ist aber älter. Hugo Wegner und seine Liesel sind ebenfalls Stammgäste: „Das ist eine hervorragende Einrichtung“, betont der 85-Jährige, der das saisonale Suppenangebot und dazu stattfindende thematische Veranstaltungen lobt: „Ich hoffe, das wird noch lange fortgeführt.“

Guten Appetit: Die Suppen wechseln je nach Saison.
Guten Appetit: Die Suppen wechseln je nach Saison.

Mittlerweile konnten auch die Helferinnen die Suppe genießen. Während einige schon wieder das reichhaltige Kuchenbüfett vorbereiten, lauschen die Gäste aufmerksam Geschichten und Gedichten. Heute gibt es sechs Kuchen und Gebäck. Meist sind die süßen Leckereien, die guten Anklang finden, selbst gebacken.

1000 Stunden Ehrenamt im Jahr

Selbst überlassen bleibt den Gästen, was ihnen der Besuch des Suppencafés, das eigenständig agiert, sich aber aus finanziellen Gründen der Kulturgemeinschaft angeschlossen hat, wert war, was sie in die Spendendose werfen: „Wenn jemand nichts reinwirft, ist das auch in Ordnung“, sagt Weller. Was mit dem Geld passiert? „Was wir nicht brauchen, um Kosten zu decken, wird an soziale Projekte im Umfeld gespendet“, sagt Weller. Sie freut sich über die gut besuchten Veranstaltungen und die vielen positiven Rückmeldungen: „Die Gäste merken, dass wir das mit Herz machen.“ Laut Weller leistet das Suppencafé-Team rund 1000 Ehrenamtsstunden jährlich. Jetzt heißt es erst einmal ausruhen. Im Februar geht es dann weiter.

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