Kreis Germersheim „Strafe“ für ärztliche Hausbesuche wird abgeschafft

„Es darf nicht sein, dass Ärzte für ihre Hausbesuche bestraft werden, wenn Patienten eine Praxis etwa aus medizinischen Gründen nicht mehr selbstständig aufsuchen können.“ Thomas Gebhart (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, kündigte eine Veränderung im neuen Versorgungsgesetz an: Wer 25 Prozent mehr Hausbesuche als der Durchschnitt macht, wird nicht mehr regresspflichtig.
An die Öffentlichkeit gelangt war die Praxis solcher Regressforderungen im vergangenen Jahr, als der Leimersheimer Hausarzt Dr. Ekkehard Pilz so eine Forderung in der RHEINPFALZ publik machte. Er sollte für die letzten zehn Jahre 75.000 Euro Honorar zurückzahlen, weil die Zahl seiner Hausbesuche um 25 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt lag. Die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) war nach Protesten reduziert, aber nicht aufgehoben worden. „Wir sind gerade dabei, den Regress abzustottern“, sagte Pilz gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Für ihn komme die Gesetzesänderung zwar zu spät, er sei aber doch erfreut, dass die Argumente auch seiner Frau, die die Praxis managt, angekommen sind. Gebhart erläuterte, dass nach dem neuen Gesetz (Versorgungsgesetz), das noch sehr viel mehr als diese Regressforderung neu regeln wird, keine Obergrenze für Hausbesuche mehr festgelegt wird, die automatisch Prüfungen von KV und Kassen nach sich zieht. Gebhart: „Die Hausbesuche müssen wie alle anderen ärztlichen Leistungen medizinisch notwendig sein. Punkt.“ Der Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete weist darauf hin, dass KV und Krankenkassen nach Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) nach wie vor zu Prüfungen von medizinischen Leistungen verpflichtet sind. „Da kommt rein, dass Hausbesuche kein Regressgrund mehr sind.“ Hinter dieser und noch weiteren Veränderungen der Gesetzgebung steckt laut Gebhart auch die Hoffnung, eine Landarztpraxis für junge Mediziner interessant zu machen. „Das ist ein Baustein von vielen, die Ärzte dazu bewegen sollen, sich auf dem Land niederzulassen.“ Es sei aber auch klar, dass das alleine nicht reiche, so Gebhart. „Wir brauchen mehr Studienplätze für Medizin.“ Außerdem sollten die Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium erleichtert werden. „Die Länder sind jetzt am Zug.“ Der Leimersheimer Allgemeinmediziner und Hausarzt Dr. Ekkehard Pilz bleibt dagegen skeptisch. Der 73-Jährige glaubt nicht, dass er noch einen Nachfolger für seine Dorfpraxis findet. „Viele junge Mediziner gehen ins Ausland, weil sie in Skandinavien, England oder der Schweiz bessere Arbeitsbedingungen finden“, glaubt Pilz. Auch das Aufkommen der sogenannten medizinischen Versorgungszentren sieht er eher kontraproduktiv – weil sie attraktivere Arbeitszeiten bieten als eine Hausarztpraxis im Dorf. Wie viel Aufhebens um die Kosten für Hausbesuche gemacht worden sei, habe er ohnehin nie verstanden, sagte Pilz. Für einen Hausbesuch erhalte er 23,30 Euro brutto von den gesetzlichen Kassen. Die ersatzweise Einweisung der Patienten ins Krankenhaus mittels Krankentransport schlage für Hin- und Rückfahrt mit rund 800 Euro zu Buche. Ohne Krankenhauskosten. Allein das führe Regressforderungen für zu viele Hausbesuche ins Absurde.