Meinung
Stolpersteine: Dabei wollen doch alle das Gleiche
Dieses Jahr gedenken sie an den Stolpersteinen nun also getrennt – mal die Schüler, mal der Stadtrat, mal die Kandler Omas. Die einen am liebsten ganz unöffentlich, die anderen mit einer Mahnwache. Dabei wollen sie ja alle das Gleiche: an das grausame Schicksal der Kandeler Juden erinnern und mahnen, dass man wachsam bleiben müsse, damit sich so etwas nie mehr wiederholt.
Dafür, dass das im vergangenen Jahr so gar nicht funktionieren mag, ist auch die inzwischen vergiftete Debattenkultur verantwortlich. Nur so ist es zu erklären, dass Kommunalpolitiker gleich Proteste oder einen Shitstorm befürchten, wenn sie sich in irgendeiner Form äußern. Also lieber schweigen, statt zu riskieren, in eine politische Ecke geschoben zu werden. Also lieber gar nicht auf eine freundliche Einladung antworten, statt auch nur in die geringste Gefahr zu geraten, sich zu positionieren. Aber warum muss man überhaupt zum Nahost-Konflikt ausholen – der ja aus guten Gründen für Deutsche argumentativ ein Minenfeld ist –, wenn man an die Verbrechen während der Nazizeit erinnern will?
Der verdiente Historiker Werner Esser, dem es auch zu verdanken ist, dass der Künstler Gunter Demnig in Kandel überhaupt Stolpersteine verlegt hat, hat mit seinen Aktionen in den vergangenen Jahren große Fußstapfen hinterlassen. Es liegt nun an der Stadt, ab 2026 würdig in diese Fußstapfen zu treten – möglichst gemeinsam mit allen anderen, die ebenfalls der Kandeler Juden gedenken wollen.
