Lustadt Stoffwindeln: Einige Städte zahlen Zuschüsse
Sie sind günstiger und umweltschonender: Im Gegensatz zu Wegwerfwindeln lassen sich Stoffwindeln bis zu 300 Mal waschen, was Müll deutlich reduziert. Auch die Hautverträglichkeit soll besser als bei Einwegprodukten und mit Stoffwindeln gewickelten Babys früher sauber sein. Warum es dennoch so viele Vorbehalte gegen die gute Alternative gibt? Die Stoffwindelberaterin Sandra Volkert führt mehrere Gründe an: „Es gibt Berührungsängste und eine Unwissenheit bei den Eltern. Sie werden dann noch vom persönlichen Umfeld beeinflusst und entscheiden sich letztlich gegen Stoffwindeln.“
Windeln müssen nicht ausgekocht werden
Oftmals sei noch das alte Bild vom Auskochen der verunreinigten Mullwindel im Kopf, was mit den heutigen modernen Stoffwindel-Modellen überhaupt nichts mehr gemein habe. Zudem seien die Anschaffungskosten für Stoffwindeln zunächst mit 150 bis 300 Euro recht hoch. Jedoch bleibt es dabei, während für Einwegwindeln etwa 1500 Euro im Jahr ausgegeben werden. In Beratungskursen beantwortet die Mama von zwei Kindern die gängigsten Fragen: Wie viel zusätzliche Arbeit machen die Stoffwindeln? Was ist mit den Ausscheidungen im Stoff und der Hygiene? Kostet das Waschen nicht unheimlich viel Energie? „So wie bei einer Trage- oder Stillberatung sollte man auch eine Stoffwindelberatung in Anspruch nehmen. Denn man muss sich mit dem System schon erst einmal auseinandersetzen“, sagt Sandra Volkert. Zudem ist der Stoffwindelmarkt groß und nicht jede Windel passe an jedes Kind.
Stoffwindelzuschuss gefordert
Sandra Volkert und ihr Mann Christian machen sich für einen Stoffwindelzuschuss im Kreis Germersheim stark. Letztlich würde ja auch deutlich weniger Müll produziert, da Windeln rund zehn Prozent des Restmülls ausmachen. „Dazu kommt, dass der chemische Kern eigentlich ein Brandschutzmittel ist und deshalb in den Müllverbrennungsanlagen gar nicht komplett verarbeitet werden kann“, sagt Christian Volkert.
In einigen Städten und Gemeinden erhalten Eltern, die sich für Stoffwindeln entscheiden bereits einen finanziellen Zuschuss. Dieser fällt sehr unterschiedlich aus: In Neustadt beispielsweise gibt es bis zu 120 Euro, in Mannheim bis zu 100 Euro. Im Jahr 2020 gab es die Überlegungen über einen Stoffwindelzuschuss auch im Kreis Germersheim. Auf Antrag der FDP-Fraktion sei in der Kreistagssitzung vom 7. Dezember das Thema Förderung von Stoffwindeln behandelt worden. „Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt“, schreibt die Kreisverwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage dazu.
Man habe sich seitdem mehrfach sowohl mit einem Stoffwindel-Zuschuss als auch über das Thema von zusätzlichem kostenlosen Windelvolumen beschäftigt. Denn Haushalte, in denen mit Einwegwindeln gewickelt wird, aber auch solche, in denen pflegebedürftige Personen leben, müssen oftmals eine größere Restmülltonne beantragen – und bezahlen. „Eine soziale Staffelung der Abfallgebühren ist aus rechtlichen Gründen nicht zulässig“, so die Kreisverwaltung. Kosten für einen Stoffwindel-Zuschuss, aber auch von Mehrentleerungen, einer größeren Mülltonne oder Windelsäcken können nicht über den Gebührenhaushalt der Abfallwirtschaft abgedeckt werden. Entsprechend der Rechtslage müsste die Finanzierung als freiwillige Leistung im Kreishaushalt abgedeckt werden. Der Landkreis ist jedoch überschuldet und darf keine Schulden für freiwillige Leistungen aufnehmen.
„Wenn man die richtige Windel gefunden hat und ein bisschen recherchiert, liegen die Vorteile von Stoffwindeln klar auf der Hand“, sagt Christian Volkert. Er wundert sich, dass Stoffwindeln nach wie vor als Nischenprodukt gelten und sich nicht am Markt durchsetzen können: „Die Einwegwindel-Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten hervorragende Arbeit geleistet“.
Seine Frau bietet Stoffwindel-Kurse in Kooperation mit dem Haus der Familie in Landau oder den Familienbüros im Kreis an. Mal seien die Kurse komplett voll, mal kämen nur ein oder zwei Interessierte. „Es gibt ja auch Alternativen zu den gängigen Feuchttüchern oder Wickelunterlagen, die gesünder für die Haut sind und weniger Müll produzieren“, sagt Sandra Volkert.
Info
Ein Stoffwindelworkshop in Schwegenheim startet am Samstag, 21. September, im Hebammenzentrum . Kontakt zu Sandra Volkert: info@wickelküken.de, 0174 3525554, www.wickelkueken.de