Hagenbach
Stellenabbau bei Faurecia geplant: Betriebsrat will Restrukturierung
Der französische Automobilzuliefer-Konzern Faurecia plant in Hagenbach den Rückzug: Diesen Eindruck haben Karl-Friedrich Wingert (60, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, Gesamt- und Konzernbetriebsrat, Aufsichtsrat) und Udo Häfele (58, Betriebs- und Gesamtbetriebsrat, IG-Metall-Vertrauenskörperleiter). Denn wenn wie geplant 172 der derzeit 350 Stellen abgebaut und verlagert werden, bleiben in Hagenbach nur noch der IT- und der SAP-Bereich; letzterer betreut SAP-Netzwerke weltweit. Die große Halle wäre dann leer: In ihr wurden Prototypen gebaut und getestet. Und auch das restliche Gebäude wolle Faurecia verkaufe, um einen Teil der Büros daran zurück zu mieten. „Es stehen jetzt schon viele Räume leer“, sagt Häfele.
Das Werk Hagenbach ist Teil eines Verbunds von fünf Standorten: Dazu gehören noch Hannover (130 Beschäftigte), Mörfelden (6), Köln (12) und München (20). Anfang 2022 hat Faurecia für vier Milliarden Euro den deutschen Lichtspezialisten Hella übernommen; seitdem firmieren beide unter einem Dach mit dem Namen Forvia. Der neue Großkonzern gilt als der siebtgrößte Automobilzulieferer weltweit. Forvia hat rund 150.000 Beschäftigte.
Fragenkatalog an die Geschäftsleitung
Ziel der Betriebsräte in Hagenbach ist, den geplanten Stellenabbau zu verhindern. „Unsere Intention ist kein Sozialplan, sondern eine Restrukturierung“, sagt Wingert. Um darüber zu verhandeln, braucht der Betriebsrat aber Informationen. Dazu hat er einen Fragenkatalog an die Geschäftsleitung geschickt. Die könne offenbar aber nicht sagen, was durch einzelne Verlagerungen jeweils eingespart werde. „Es kommt uns so vor, als sei ein Einsparziel einfach durch das Durchschnittsgehalt geteilt worden“, befürchtet Wingert.
Dabei ist die Diskussion offenbar nicht neu. Der Prototypenbau beispielsweise soll nach Valencia (Spanien) verlagert werden. „Dort gibt es ein Pendant zu Hagenbach, die sollen das übernehmen“, sagen die Betriebsräte: „Wir haben aber schon in der Vergangenheit nachgewiesen, dass Projekte mit Blick auf die Gesamtkosten in Hagenbach billiger sind als in Valencia, auch wenn die Spanier weniger verdienen.“ Hinzu komme, dass die Erwartungen der deutschen Automobilhersteller an einen Entwickler deutlich höher seien als die der französischen Hersteller.
Mitarbeiter sind hochspezialisiert
Solange es vom Konzern keine Informationen gibt, arbeitet Häfele daran, noch mehr Mitstreiter zu finden. „Der Organisationsgrad hat sich in den letzten Wochen stark verbessert“, sagt er. Nach den Ingenieuren treten mittlerweile auch Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen ein: „Die sind solidarisch ihren Mitarbeitern gegenüber.“ Schließlich habe die IG Metall auch schon bewiesen, dass sie eine Werksschließung verhindern könne: Vor zehn Jahren stand das Faurecia-Werk in Scheuerfeld kurz davor. „Wir müssen den Chefs beibringen, dass eine Schließung teuerer ist wie der Fortbestand“, sagt Wingert.
Vom Stellenabbau in Hagenbach wären vor allem Menschen im Alter von Mitte/Ende 50 betroffen, so Häfele: „Die meisten von uns sind zwischen 50 und 60 Jahre alt.“ In den letzten Jahren wurde kaum Nachwuchs eingestellt – „außer Manager und Direktoren“. „Wir haben unter anderem Elektriker, Gleisbauer, Installateure, die seit 25 Jahren Modellbau machen. Für die wird ein Wechsel schwierig“, befürchtet Häfele. Sie seien hochspezialisiert, aber schon lange nicht mehr in ihren gelernten Berufen tätig.
Vizepräsident war noch nie da
„In Hagenbach steht die Feuerwehr“, schwärmt Häfele stolz. Die Spezialisten seien oft weltweit unterwegs, finden sich überall zurecht und organisieren sich selbst. Allerdings sieht das mindestens einer bei Faurecia anders. Für Wingert trägt das Schwert, das über dem Standort Hagenbach schwebt, nicht den Namen von Damokles. Der Verantwortliche ist für ihn der neue Vizepräsident von Faurecia, Jean-Paul Michel. Als weltweiter Chef für die Sparte „Innenraumsysteme“ ist er auch für den Standort in der Südpfalz verantwortlich. „Für Michel ist Hagenbach teuer und inkompetent“, sagt Wingert: „Dabei war er noch nie da.“ Er habe nicht den Anstand, den Leuten ins Gesicht zu schauen und zu sagen: „Ich habe entschieden. Dafür schickt er seine Laufburschen.“
Wie es jetzt weitergeht, entscheidet eine Mitgliederversammlung. Es wird Vorschläge geben, aber: „Die Mitglieder entscheiden“, so Häfele.
