750 Jahre Stadtrechte (Teil 6) RHEINPFALZ Plus Artikel Stechmücken, Krankheiten und Todesurteile

Ölgemälde von Hofkammerrat Johann Bernhard Rothuth (1699-1772), Sohn des Stadtschreibers und späteren Bürgermeisters Johann Anto
Ölgemälde von Hofkammerrat Johann Bernhard Rothuth (1699-1772), Sohn des Stadtschreibers und späteren Bürgermeisters Johann Anton Peregrinus Rothuth.

Germersheim blickt in diesem Jahr auf die Verleihung der Stadtrechte am 18. August 1276 zurück. Wie sich das Leben in der Stadt zu dieser Zeit entwickelte.

Mit den Jahren des sogenannten „Spanischen Erbfolgekriegs“ (1701-1714) zogen erneut Zeiten herauf, in denen man einmal mehr Kriegsbeiträge zu leisten und alle Arten von Truppen unterschiedlicher Herkunft zu versorgen hatte.

Die Zerstörung der Stadt Germersheim im Jahr 1674 hatte das bis dahin bestehende mittelalterliche Stadtbild in Schutt und Asche sinken lassen. Von der ehemaligen Ummauerung waren nur noch Fundamente vorhanden. Die Reste des ehemaligen Schlossturms baute man im 18. Jahrhunderts zu einem Gefängnis aus, dem „Malefizturm“. Das übrige Schlossgelände wurde in den 1760er Jahren in Parzellen aufgeteilt, versteigert und von Neubürgern bebaut. Die Stadt wuchs in diesen Jahrzehnten nur zögerlich über die bisher durch die Queich in der Hauptstraße markierte Grenze hinaus. Als 1772 mit dem Bau eines neuen Stadttors begonnen wurde, errichtete man dieses nicht mehr an der Stelle des mittelalterlichen Mühltors, sondern weiter südlich, auf Höhe des heutigen Dekanatsgebäudes, womit man der baulichen Entwicklung Rechnung trug.

Blutjunge kleine Bevölkerung

Auch die Bevölkerungszahlen erholten sich wieder: Hatte man 1666 noch 60 Bürger nebst einer „blutjungen Bevölkerung“ gezählt, so war diese 1718 bereits auf 800, 1747 auf 950 und 1787 auf 1241 Personen angewachsen.

Die Stadt wurde von ehrenamtlichen Bürgermeistern, Ratsmitgliedern und einer Reihe von „Ächtern“ verwaltet, welche die Einhaltung der örtlichen Satzungen und Gebote in allen Bereichen des kommunalen Lebens überwachten.

Gleichzeitig war Germersheim Sitz verschiedener Dienststellen der kurfürstlichen Oberamtsverwaltung, die in Form des kurpfälzischen Oberamtmanns und des Landschreibers präsent war. Gleichzeitig taten weitere kurpfälzische Beamte in anderen Zweigen der Verwaltung (Finanzverwaltung, Zoll) in Germersheim Dienst.

Missetäter verurteilt

Dem Germersheimer Stadtrat standen aufgrund der ihm in den immer wieder erneuerten und auch abgeänderten Privilegien zugesprochenen Rechte und Pflichten zahlreiche Kompetenzen zu. Im 18. Jahrhundert umfasste dies vor allem die Strafgerichtsbarkeit. Dabei traten Bürgermeister und Ratsmitglieder als Richter und Schöffen auf. Gefällte Urteile, die durch die Regierung in Heidelberg bestätigt worden waren, wurden entweder auf dem Richtplatz an der Queich vollstreckt oder am Tatort selbst vollzogen. Leichtere Strafen hatten die abgeurteilten Delinquenten am Pranger oder im „Block“ vor dem Rathaus publikumswirksam zu verbüßen. Teilweise führte man die Missetäter auch durch die Straßen der Stadt, wobei sie der Scharfrichter öffentlich auspeitschte. Danach wurden sie der Stadt verwiesen. Vom Germersheimer Stadtrat gefällte Todesurteile lassen sich noch in den Jahren 1713 und 1717 nachweisen.

Eine Neuerung anderer Art war seit 1700 in der Oberamtsstadt mit der Person des kurpfälzischen Amtsphysikus zu verzeichnen. Dieser von der Regierung eingesetzte Amtsarzt war für die medizinische Grundversorgung nach dem damaligen Kenntnisstand zuständig, hatte dabei jedoch einen sehr großen Amtssprengel. Neben dem Amtsphysikus waren weiterhin Bader und Barbiere im damaligen Gesundheitssystem tätig, auch eine Apotheke, die von der kurpfälzischen Verwaltung konzessionierte „Löwen-Apotheke“, lässt sich ab 1710 in den Mauern der Oberamtsstadt nachweisen.

Unhygienische Verhältnisse

Im Allgemeinen dürfte es mit den hygienischen Verhältnissen in Germersheim nicht sonderlich gut bestellt gewesen sein. Die Straßen waren zur damaligen Zeit noch ungepflastert, Unrat und Abwasser aus den Häusern fanden sich in der Straßenrinne wieder. In den Altrheinarmen, den stehenden Gewässern und dem sogenannten „Woog“, einem morastigen Gelände vor der Stadt, fanden Stechmücken insbesondere nach Überschwemmungen hervorragende Brutstätten. Malaria-Erkrankungen („Hitziges Fieber“) kamen damals noch regelmäßig vor. 1734/35 waren daneben noch Fälle von Ruhr und Blattern zu verzeichnen.

So ist es nicht verwunderlich, dass bereits Mätthäus Merian in seiner Topografie der Pfalz (1645) die Stadt als „nicht sonderlich gesund“ einstufte und 1747 der damalige lutherische Pfarrer Schäffer Germersheim als einen „Wasser- und Morastort“ bezeichnete, wo man nichts anderes als Krankheiten zum Lohn habe und demnach „beständig medicinieren und dem Doctor und Apotheker in der Kreide“ stehen müsse. Noch 1776 nannte der Heidelberger Gymnasiallehrer Johann Heinrich Andreae das Klima zu Germersheim „non satis salubris“ – nicht recht gesund.

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