ERLENBACH
Statt Gemecker gibt es für die Bauarbeiter Kaffee und Kuchen
Es ist zwölf Uhr Mittag in Erlenbach und langsam kündigt sich der Frühling an. Kaum ein Mensch ist auf der Straße, würde nicht regelmäßig eine schwerer Lastwagen durch die Durchgangsstraße fahren, könnte man fast von einer Idylle sprechen. Doch in einer Nebenstraße herrscht geschäftiges, aber auch ruhiges Treiben. Eine Wanderbaustelle ist eingerichtet. Einige Arbeiter nehmen Pflaster aus dem Bürgersteig, buddeln einen Graben, legen Kabel hinein und schließen die Lücke wieder. Eine Rentner radelt vorbei, hebt den Arm zum Gruß, die Arbeiter grüßen zurück.
Alle Arbeiter sind miteinander verwandt
Meter um Meter arbeitet sich der spanische Bautrupp so durch den Ort, denn schließlich soll auch diese Gemeinde schnelles Internet erhalten. Weit mehr als die geforderten 60 Prozent der Haushalte haben eine Vorvertrag mit der Deutschen Glasfaser unterschrieben, um einen kostenfreien Hausanschluss zu erhalten. Mit dem Ausbau wurde termingerecht begonnen. In Erlenbach ist zwar gerade nur ein Bautrupp unterwegs, die Arbeiten gehen aber zügig voran. Es fällt dabei kein lautes Wort, wunderte Wünstel zunächst ein wenig. Vielleicht liege es aber daran, das alle Arbeiter des Trupps verwandt sind. Vater, Söhne, Onkel, Cousins, alle aus dem Norden Spaniens in Asturien – man versteht sich eben.
Apropos verstehen. Fast alle Arbeiter sprechen ausschließlich spanisch. Nur Tarro Insuasti spricht ein wenig englisch und jetzt sogar schon ein paar Worte deutsch. So sucht er zwar eine Weile nach dem richtigen Wort, sagt aber dann, er sei „glücklich“ in Erlenbach zu arbeiten. Woran das liege: Nun die Leute seien alle freundlich, und es gebe oft „Kaffee und cakes“. Damit habe eine ältere Bürgerin angefangen, und als er das auf der Internetseite veröffentlicht habe, hätten andere Bürger weitergemacht, erklärt Wünstel. Eine andere Frau habe sogar den Arbeitern ihre Gästetoilette zur Benutzung angeboten, damit die Arbeiter nicht jedes mal die rund zwei Kilometer zum Friedhof fahren müssen, wenn sie auf die Toilette wollen. Dort befindet sich das Lager und ein Dixie-Klo.
Mit Insuasti spricht Wünstel immer, wenn er etwas auf dem Herzen hat. Gruppenleiter Jonny Marcillo bekommt die Anfrage dann übersetzt. So zum Beispiel, wenn eine Anwohnerin immer zur gleichen Zeit aus ihrer Einfahrt fahren muss. Als die Baustelle vor ihren Haus angekommen war, lagen stets Ausfahrthilfen an ihrer Einfahrt.
Gespräche über Platten und Ausfahrten
Doch heute gibt es ein größeres Problem: Ein Bürger hatte tags zuvor darauf hingewiesen – „nicht gemeckert“, wie Wünstel betont – dass auf dem Gehweg seiner Nebenstraße und ein paar anderen, Platten auf Beton und Mörtel verlegt wurden. Normalerweise nehmen die Arbeiter einige Pflastersteine heraus, verlegen die Leitungen und setzen die Steine wieder ein, klopfen sie fest und sanden sie noch ein paarmal ein. Würde man das mit den Platten machen, würden auch die anderen Platten lose werden, teilte der Anwohner dem Ortsbürgermeister seine Befürchtungen mit.
Bereits einen Tag später stehen Julia Fels von der Bauabteilung der Verwaltung, Armin Czieselsky von der Deutschen Glasfaser und Guiseppe Murtilotti, der die Projektleitung über die Arbeiten in der Region hat, parat und suchen eine Lösung.
„Da müssen alle Platten und neu verlegt werden“, so Murtilotti. Dafür müssten die Arbeiter, die sonst auf Meter arbeiten, aber auf Zeit bezahlt werden. Während Czieselsky meint, da werde man sich schon einigen, bespricht Murtilotti noch mit dem Vorarbeiter Marcillo, wie lange das wohl dauert. Murtilotti ist zwar Italiener und meint, dass sein spanisch eher eine Mischung aus italienisch, spanisch und Latein sei, aber man versteht sich trotzdem. Gleichzeitig telefoniert Julia Fels herum, um einige dieser Platten zu besorgen, damit defekte gleich ausgetauscht werden können. Die Platten werden zwar nicht mehr benutzt und hergestellt, sie treibt aber tatsächlich noch ein paar auf, die in einer anderen Gemeinde gelagert werden. Und weil man gerade zusammen ist, werden gleich noch ein paar andere Probleme, beispielsweise zu Grundstücksgrenzen, angesprochen.
So wird versucht, alle Probleme schnell zu lösen und auf Fragen zeitnah zu antworten. Dies veröffentlicht Wünstel dann auf der Internetseite von Erlenbach und glaubt, das genau diese Transparenz zu der Akzeptanz geführt hat. Er hat auch gleich noch ein Beispiel parat. Die Bürger werden weit im Vorfeld benachrichtigt, wann ihr Gehweg an der Reihe ist, damit sie ihr Auto wegfahren. Ein Anwohner hatte nicht mit der Schnelligkeit des Trupps gerechnet und erst reagiert, als der Trupp 30 Zentimeter vor seinem Fahrzeug war. „Woanders wird vielleicht gemeckert“, so der Bürgermeister. „Aber nicht in Erlenbach. Dort hat sich der Bürger tausendmal entschuldigt“.